Assekurata: Wohngebäudeversicherer im roten Bereich

Die Wohngebäudeversicherung ist nach wie vor oft ein Verlustgeschäft. Bild von travelspot auf Pixabay

„Stürmt es in einem Jahr oft und stark, steigt die Combined-Ratio in der Wohngebäudeversicherung über hundert“, erklärte der CEO eines der Top-Fünf-Versicherer einst lapidar. Dass das stimmt, aber nur eine der Seite der Medaille ist, erklärt jetzt Assekurata in einer Analyse. Die Versicherer müssen sich wandeln, um sich nicht dauerhaft auf der falschen Seite der Hundert-Prozent-Grenze wiederzufinden.

Trotz umfassender Sanierungsbemühungen liegt die Combined Ratio des Gesamtmarkts im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre (2000-2019) bei rund 106 Prozent, erklärt Assekurata. Selbst im Zeitraum 2014-2018, „in welchem die Branche insgesamt unter vergleichsweise wenig Elementarschäden zu leiden hatte“, bewegten sich die Versicherer mit rund 98 Prozent noch immer nahe der 100 Prozent-Grenze und damit Verlustgrenze.

Ein genauerer Blick offenbart, dass rund die Hälfte der Marktteilnehmer einen Wert von über 100 Prozent aufwies, also einen technischen Verlust hinnehmen musste. Eine Analyse der Schadenseite zeigt, warum vergleichsweise niedrige Elementarschadenbelastungen nicht bei allen Marktteilnehmern zu einer Entspannung der Ertragslage führten. Das Elementarschadenereignisse, z. B. Sturm und Hagel, (nur) punktuell Wirkung auf die Ertragssituation der Versicherer haben, zeigt diese Grafik

Quelle: Assekurata

Wie die Sturmjahre 2013 (Christian und Xaver) und 2018 (Friederike) zeigen, schlagen die Ereignisse dann aber mit sehr hohen Leistungsausgaben zu Buche. Dasselbe gilt auch für andere Elementarschadenereignisse wie beispielsweise Überschwemmung oder Starkregen. Leitungswasserdefekte hingegen, die auch 2018 mit 41,5 Prozent der Schäden und rund 50 Prozent der gezahlten Leistungen den Hauptteil der schadenbedingten Kosten ausmachten, belasten die Ergebnisse „seit Jahren kontinuierlich auf hohem Niveau“.

Quelle: Assekurata

Das Feuer tanzt

Zusätzlich erwächst den Unternehmen mit Feuerschäden ein weiterer großer Schaden- beziehungsweise Kostenfaktor. Betrugen die Zahlungen, die auf Feuerschäden zurückzuführen waren, im Jahr 2011 branchenweit noch 750 Mio. Euro, schlugen diese 2018 bereits mit 1,16 Mrd. Euro zu Buche. Auch die durchschnittliche Zahlung pro Schaden stieg in diesem Zeitraum um 47 Prozent von 4.001 auf zuletzt 5.886 Euro.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass Feuerschäden im Jahr 2018 für rund 19,5 Prozent der gezahlten Leistungen verantwortlich waren, obwohl ihr Anteil an den Schäden lediglich bei knapp 7,7 Prozent lag.

„Bemerkenswert“ ist, dass im dargestellten Zeitraum die Häufigkeit sowohl der Leitungswasser- als auch der Feuerschäden stagnierte, die Schadenkosten aber deutlich in die Höhe schnellten. Die Gründe für den dauerhaften Anstieg der Leistungen sind dabei „nicht abschließend zu bestimmen“.

Weniger Prävention mehr Kosten

Sicher ist, dass die konjunkturell bedingt hohe Auslastung des Handwerks die Kosten beeinflusst. Der Einsatz moderner Techniken hat die Kosten zusätzlich steigen lassen. Auch berichten Versicherer von kontinuierlich steigenden Kosten beispielsweise für Sachverständige. Dabei können die Unternehmen aktuell kaum auf die Kostenentwicklung Einfluss nehmen.

Zwar bergen moderne Anwendungen, wie beispielsweise intelligente Wasseruhren oder die Vernetzung von Feuermeldern, durchaus Möglichkeiten, durch präventive Maßnahmen langfristig die Anzahl beziehungsweise das Ausmaß der Schäden zu begrenzen. Diese Systeme sind jedoch aktuell „kaum in den Beständen vorhanden“, denn die Kosten hierfür muss Versicherungsnehmer zu einem Großteil selbst tragen.

Infolgedessen sei es laut Assekurata unabdingbar, dass die Versicherer auch künftig an der ertragsorientierten Zeichnungs- und Tarifierungspolitik der jüngeren Vergangenheit festhalten. Ob dies allein für die Gesundung des Zweiges reichen wird, ist  „jedoch fraglich“. Bereits in den vergangenen zehn Jahren wurden die Durchschnittsprämien sukzessive erhöht, wodurch allerdings nur einzelne Unternehmen eine auskömmliche Ertragslage erzielen konnten.

Um die Kostendynamik nachhaltig zu durchbrechen, werden die Versicherer also nicht umhinkommen, „deutlich konsequenter auf das Thema Prävention“ zu setzen.

Hierbei gilt es insbesondere, die vielfältigen Möglichkeiten, die sich durch die zunehmende technische Vernetzung im Haushalt ergeben, Stichwort Smart Home, intensiver zu nutzen. Neben der Bereitstellung oder finanziellen Förderung der reinen Technik bedarf es darüber hinaus begleitender Services, wie beispielsweise eines Notfallmanagements, oder Handwerkernetzwerks, über welche betroffene Kunden bereits in der frühen Phase des Schadens Unterstützung erhalten, erklärt Assekurata.

Autor: VW-Redaktion

2 Kommentare

  • Vielleicht sollte die Branche in der Gebäudeversicherung mal über generelle Selbstbehalte von 1000 Euro + nachdenken um sich dem Grundgedanken der Versicherung wieder anzunähern, das diese dafür da ist Schäden zu regulieren die ein Versicherter aus eigener Tasche nicht mehr selbst begleichen kann. Dies hat neben den Präventionmaßnahmen sicher auch eine Wirkung auf die Schadenkosten. Ist es nicht schon heute häufig so das gerade bei älteren Gebäuden nicht mehr die Frage nach dem Preis sondern danach lautet wer versichert diese noch!?
    Liebe Versicherer macht Eure Hausaufgaben sonst gibt es vielleicht in naher Zukunft mal ein Einschlag wie aktuell in der Betriebsschließungversicherung.

  • Norbert Knitter

    Im privaten Bereich ist eine SB sicherlich machbar, aber im Bereich der „gewerblichen“ Vermietung, wo die Versicherungsbeiträge über die Betriebskostenumlage an die Mieter weitergegeben werden, ist das wohl schwerlich umzusetzen, denn die SB belastet das Hauskonto, also den Eigentümer unmittelbar und der will das nicht. Schon allein mit der Begründung, dass er nicht bereit ist, für Schäden/Selbstbeteiligungen aufzukommen, die durch die Mieter verursacht wurden (Handwaschbecken, Badewanne, Waschmaschine, Verstopfungen usw.). Ansonsten halte auch ich eine auskömmliche SB immer für sinnvoll. Bei der Kasko haben sich ja auch alle daran gewöhnt.

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