Boom auf dem Zweitmarkt: Lebensversicherungskunden wollen ihre Verträge loswerden

Daniel Reche auf Pixabay

Die aktuelle Krise scheint dem Verkauf von Lebensversicherungspolicen auf dem Zweitmarkt zu fördern. So verzeichnete Policen Direkt nach eigenen Angaben eine Verdreifachung der Anfragen infolge von Covid-19. Vor allem Gewerbetreibende müssten demnach mit Mitteln aus Ihrer privaten Altersversorgung existenzbedrohende finanzielle Engpässe überbrücken.

„In den letzten zehn Wochen hat sich die Situation angesichts der Corona-Krise so verschärft, dass Gewerbetreibende ihre Reserven auflösen. Gastronomen, Hoteliers, Frisöre, Floristen und Fahrlehrer benötigen dringend Geld. Wir haben in den ersten vier Monaten schon fast so viele Anfragen bearbeitet wie im gesamten vergangenen Jahr“, konstatiert Efstratios Bezas, Leiter Vertrieb bei Policen Direkt.

„Wer seine Lebensversicherung liquidieren muss, sollte gerade jetzt kein Geld verschenken“, so Bezas. Denn we vorschnell kündige, verliert aber nicht nur Altersvorsorge und Hinterbliebenenschutz, sondern auch wichtigen finanziellen Mehrwert – im Schnitt zwei bis sechs Prozent.

Folgt eine „Run-off“-Welle?

Der Verkauf von Lebensversicherungen scheint indes nicht nur bei den Kunden angesichts der Corona-Krise auf zunehmendes Interesse zu stoßen. Jüngsten Medienberichten zufolge denken auch die Allianz und die italienische Generali über einen Verkauf ihrer Lebensversicherungsaktiva nach.

Dem Bericht zufolge soll die Investmentbank Morgan Stanley mit der Durchsicht des Portfolios der Allianz betraut worden sein. Ein potenzieller Verkauf könnte dem Versicherer rund 500 Mio. Euro in die Kasse spülen. Geld, das nicht zwingend gebraucht wird, aber Abhilfe angesichts der aktuellen Marktlage schaffen könnte.

Die Corona-Pandemie hat in der Geschäftsbilanz der Allianz bereits erste gravierende Spuren hinterlassen. Wie der Münchener Versicherungskonzern mitteilte, sank der Gewinn in Q1 um satte 22,2 Prozent auf rund 2,304 Mrd. Euro. Die Prämieneinnahmen stiegen um 5,7 Prozent auf 42,6 Mrd. Euro (VJ: 40,3 Mrd.).

Generali ihrerseits soll den Verkauf eines französischen Lebensversicherungs-Portfolios vorantreiben. Dem Versicherer aus Triest steht das Beratungshaus Fenchurch Advisory zur Seite. Kommt es zu einem Deal, könnte dieser laut Bloomberg eine bis zwei Milliarden Euro einspielen.

Autor: VW-Redaktion

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