Bei Versicherungen herrscht weiter große Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

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Am kommenden Sonntag (8. März) will der Weltfrauentag wieder auf die Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam machen. In beiden Fällen herrscht immer noch deutlicher Nachholbedarf. So sind laut einer Analyse der OECD zwar immer mehr Frauen berufstätig – in Führungspositionen geben jedoch weiter die Männer den Ton an. Das entsprechende Lohngefälle wirkt sich außerdem auf die Altersvorsorge der Frauen aus.

Demnach wächst die Beschäftigungsquote bei den Frauen in den letzten Jahren zwar stärker als bei den Männern. Im OECD-Schnitt fünf Prozentpunkte darunter (in Deutschland ca. 7,5 Prozentpunkte, in Österreich ca. neun). Weiterhin arbeiten weit mehr Frauen in Teilzeit und weit mehr Männer in Leitungspositionen.

Schaut man zudem auf die 500 größten multinationalen Konzerne, findet man in den Aufsichtsräten nur zu 16 Prozent Frauen, so die OECD weiter. Selbst dort, wo Frauen am stärksten in Aufsichtsräten vertreten sind – bei Firmen, die Haushaltsgüter produzieren – besteht die Chefetage zu vier Fünfteln aus Männern.

Besonders deutlich wird dies laut einer Analyse des DIW Berlin vor allem in der Finanz- und Versicherungsbranche: hier liegt der Frauenanteil in Führungsetagen von Banken und Versicherungen in Deutschland bei mageren 9,8 bzw. 11,0 Prozent. Im Jahr 2009 lagen die Quoten noch viel niedriger. Insgesamt ist das Geschlechterverhältnis in der Branche jedoch ausgewogen: so liegt der Frauenanteil im deutschen Bankgewerbe bei rund 48 Prozent.

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Allerdings hat sich dieser Trend in den letzten Jahren spürbar abgeschwächt. Eine Folge: das geschlechterspezifische Lohngefälle hat sich entsprechend verringert – nämlich von 14,4 Prozent in 2010 auf 13,2 Prozent in 2017. Eine größere Lohnlücke haben unter anderem Deutschland und Österreich mit 16,2 bzw. 15,4 Prozent.

Die Auswirkungen sind dennoch fatal, blickt man auf das Rentengefälle von heute. Frauen über 65 beziehen demnach im OECD-Schnitt 25 Prozent weniger Rente als Männer, mancherorts (wie in Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden) sogar über 40 Prozent weniger.

Immerhin: Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage bewertet jeder dritte Deutsche (34 Prozent) bewertet die ungleiche Bezahlung  als größtes Problem, mit dem sich Frauen in Deutschland auseinandersetzen müssen. Frauen (37 Prozent) und Männer (32 Prozent) sind sich da recht einig.

Nur in Schweden wird dem Thema noch größere Bedeutung zugemessen, 36 Prozent und deutlich mehr Männer als Frauen (43 Prozent gegenüber 28 Prozent) sehen bezüglich der Gehälter eine Schieflage. Bei Betrachtung aller Länder steht gleicher Verdienst an fünfter Stelle. In der Türkei sehen dies lediglich zwei Prozent der Befragten als ein Problem.

Beruf zählt für Frauen mehr als Männer

Und dennoch: Laut einer aktuellen Berufe-Studie der HDI kann sich mehr als die Hälfte der berufstätigen Frauen in Deutschland (52 Prozent) kann sich ein Leben ohne Beruf nicht vorstellen. Das sind deutlich mehr als unter berufstätigen Männern (44 Prozent). Besonders stark vertreten Frauen in Ostdeutschland diese Meinung (56 Prozent gegenüber 51 Prozent im Westen).

Quelle: HDI

Die möglichen Gründe: soziale Anerkennung als Berufstätige ist für Frauen deutlich wichtiger als für Männer (67 Prozent zu 57 Prozent). Zudem sind für mehr als drei Viertel aller berufstätigen Frauen (77 Prozent) die sozialen Kontakte durch den Beruf entscheidend. Auch das bedeutet Männern weniger (68 Prozent). Einen geregelten Tagesablauf durch den Beruf zu haben, schätzen schließlich ebenfalls mehr Frauen als Männer (73 Prozent zu 67 Prozent).

Dennoch legen berufstätige Frauen aber mehr Wert auf eine Work-Life-Balance. „Man sollte arbeiten, um zu leben und nicht leben, um zu arbeiten.“ Dieser Aussage stimmen „voll und ganz“ fast die Hälfte der Frauen zu (45 Prozent) und damit klar mehr als unter Männern (39 Prozent).

Wichtigstes Kriterium bei der Berufswahl sind laut HDI-Studie noch immer die Interessen und Neigungen. Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer in Deutschland (30 Prozent bzw. 33 Prozent). Beim zweitwichtigsten Punkt endet aber die Gemeinsamkeit.

Für Männer folgt mit 30 Prozent „gute Verdienst-Chancen“, nur 23 Prozent der Frauen stimmen dem zu. Unter ihnen gilt vielmehr „die Nähe zum Wohnort“ als das zweitwichtigste Kriterium bei der Berufswahl (24 Prozent). Zudem ist ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich wichtiger als Männern (19 Prozent zu 13 Prozent).

Quelle: HDI

Unabhängig vom Geschlecht befürchtet außerdem jeder dritte Berufstätige (31 Prozent) mit Verantwortung für minderjährige Kinder, durch die Digitalisierung am Arbeitsplatz den eigenen Job zu verlieren. Bei Berufstätigen ohne eigenen Nachwuchs gibt es diese Angst nur bei jedem Fünften (20 Prozent). Bei der Bereitschaft für den Beruf den Wohnort zu wechseln, zeigen sich jedoch weitere deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Deutlich mehr Männer als Frauen sind bereit für einen Umzug (34 Prozent zu 24 Prozent).

Auch wenn Frauen den Stellenwert ihrer Berufstätigkeit höher einschätzen als Männer, existieren in Deutschland weiterhin deutliche Unterschiede bei den Einkommen. Laut einer aktuellen Studie von Oxfam liegt der Gender Pay Gap hierzulande bei 21 Prozent. Das heißt, dass Frauen gemessen an den Einkommen der Männer 21 Prozent weniger Geld für ihre Arbeit bekommen. Auf das gesamte Leben gerechnet verdienen Frauen sogar nur die Hälfte von dem, was Männer verdienen.

Quelle: Statista

Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich noch immer eine (traurige) Spitzenposition ein. Spitzenreiter in dem aktuellen Vergleich von Eurostat, dem die Daten von 2017 zugrunde liegen, ist mit 25,6 Prozent allerdings Estland, gefolgt von Tschechien mit 21,1 Prozent. In Italien und Rumänien liegt der Verdienstunterschied bei lediglich 5 und 3,5 Prozent.

Quelle: Statista

Daraus resultiert ein Rentenunterschied von 53 Prozent. Die Unterschiede ergeben sich unter anderem aus dem größeren Anteil an unbezahlter Sorge- und Kümmerarbeit. Der sogenannte Gender Care Gap beträgt insgesamt 52 Prozent – bei Paaren ohne Kinder liegt er bei 35,7 Prozent, bei Paaren mit Kindern sogar bei 83,3 Prozent.

Clark: Frauen haben weniger Finanzwissen als Männer

Ein weiterer Grund für enormen Unterschiede könnte aber auch in größeren Unsicherheit der Frauen bei der Finanz- und Vorsorgeplanung sowie beim Thema Versicherung sein. Laut einer aktuellen Umfrage von Clark in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut YouGov fühlen sich laut Befragung Frauen deutlich unsicherer als Männer: Während nahezu jeder zweite Mann sein Wissen in Bezug auf Finanzen, Vorsorge und Versicherungen mit gut oder sehr gut bewertet (48 Prozent), stimmt dem nur knapp jede dritte Frau (30 Prozent) zu.

Quelle: Clark

Dass dieses Ziel der Gleichberechtigung zumindest im Bereich der finanziellen Vorsorge noch immer nicht ganz umgesetzt ist, zeigt sich laut aktueller Umfrage vor allem in Ehen und Familien. So fühlen sich in Partnerschaften mit einem gemeinsamen Haushalt beide Geschlechter noch gleich gut informiert. Übereinstimmend geben 36 Prozent an, mit den Grundlagen vertraut zu sein, jede/r Fünfte aus dieser Gruppe (20 Prozent) fühlt sich sogar gut oder sehr gut mit Finanzen, Vorsorge und Versicherungen vertraut.

Unterschiede treten erst in Ehen und Familien auf. In Ehen geben nur noch 18 Prozent der Frauen an, sich gut oder sehr gut auszukennen, aber 28 Prozent der Männer. Noch deutlicher wird es in Familien mit zwei Kindern. Hier fühlen sich nur noch 14 Prozent der Frauen gut oder sehr gut mit dem Thema vertraut, jedoch 35 Prozent der Männer. Dies lässt laut Clark auch darauf schließen, dass in Partnerschaften, in denen das Einkommen gemeinsam gemanagt wird, vor allem Männer den finanziellen Überblick behalten.

Mit Blick auf ein steigendes Haushaltseinkommen ergibt sich hier: Ist das Haushaltsnettoeinkommen noch niedriger (2000 bis 2500 Euro), geben sowohl 18 Prozent der Frauen als auch der Männer an, sich gut oder sehr gut auszukennen. Je weiter dieses steigt, desto größer werden die Unterschiede. Bei einem gemeinsamen Einkommen zwischen 5.000 und 10.000 Euro geben 48 Prozent der Männer an, sich gut oder sehr gut auszukennen, aber nur 15 Prozent der Frauen.

„Kein anderes Themenfeld hat einen so bedeutenden Einfluss auf die individuelle Lebensgestaltung und die persönliche Unabhängigkeit wie die finanzielle Vorsorge und Versicherungen. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Niemand sollte das unnötig auf die lange Bank schieben. Derart wichtige Entscheidungen, wie die finanzielle Versorgung im Ruhestand oder die Absicherung gegen individuelle Lebensrisiken, sollten gemeinsam getroffen werden. Und das geht am besten, wenn beide ein gutes Verständnis für das Thema haben“, konstatiert Marco Adelt, Co-Gründer von Clark.

Autor: VW-Redaktion

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