Versicherer müssten bei einer Olympia-Absage tief in die Tasche greifen

Quelle: Greg Martin/IOC

Zahlreiche Sportveranstaltungen wurden wegen dem Coronavirus schon abgesagt. Ähnliches droht auch Olympia in Tokio. Nur ist man bei so einem Event gegen eine Pandemie versichert – in Höhe einer dreistelligen Millionensumme. Addiert man die Ausfallpolicen von Reiseveranstaltern, Hotels, Sponsoren, Fernsehanstalten und Fanartikel-Herstellern kommen Milliardenkosten auf Versicherer zu.

Über 11.000 Sportler werden in Japan an den Start gehen (24. Juli bis 9. August), weitere 4.400 bei den anschließend stattfindenden Paralympics. So zumindest der Plan. Eine Absage aufgrund des Coronavirus ist aber nicht ausgeschlossen. „Ich bin sicher, dass das IOC keine Entscheidung treffen würde, die einer Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Regierungen in dieser Sache zuwiderliefe. Fragen der Pandemie sind viel wichtiger als die Durchführung einer bestimmten Sportveranstaltung, selbst einer so großen wie die Olympischen Spiele“, sagt IOC-Vizepräsident Richard Pound. Beim Internationalen Olympischen Kommitee (IOC) heißt es, dass man noch zwei bis drei Monate Zeit habe, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Ersatztermine alle ausgebucht

Japan musste bereits zweimal Olympia streichen. 1940 sollte das Land Gastgeber für Sommer- und Winterspiele sein. Sowohl Tokio (Sommer) als auch Sapporo (Winter) gaben die Spiele wegen des Japanisch-Chinesischen Krieges zurück. Die Ersatzorte Helsinki (Sommer) sowie St. Moritz und Garmisch (Winter) mussten schließlich wegen des Zweiten Weltkrieges passen. Gleiches gilt für die Spiele 1944 (London/Sommer und Cortina/Winter).

Das asiatische Land dürfte damit rechnen, einen Ersatztermin zu bekommen. Die Sommerspiele sind allerdings bereits bis 2028 (2024 nach Paris, 2028 nach Los Angeles) vergeben. Frühestens 2032 wäre ein Nachholtermin möglich. 2021 wäre ein Jahr ohne Großereignis wie Fußball-WM oder -EM. Da könnte man die Olympischen Spiele theoretisch verschieben. Bislang sind ausgefallene Spiele nie außerhalb des Zeitplans nachgeholt worden – der Vier-Jahres-Rhythmus wurde immer beibehalten – ausgenommen die Winterspiele 1992 und 1994. Seitdem finden Sommer- und Winterspiele nicht mehr im selben Jahr statt.

Eine andere Stadt als Austragungsort zu wählen, wäre aus logistischen Gründen nicht machbar. 329 Wettkämpfe, 51 Disziplinen, tausende Sportler, Funktionäre, Fans, Journalisten – der Aufwand wäre nicht zu stemmen.

Japans Olympia-Ministerin hält eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio innerhalb dieses Jahres für theoretisch möglich. Im Vertrag zur Ausrichtung der Spiele stehe geschrieben, dass das IOC nur im Falle, dass die Spiele nicht innerhalb des Jahres 2020 abgehalten werden, das Recht habe, die Spiele abzusagen, sagte Seiko Hashimoto. „Das kann man so interpretieren, dass man die Spiele verschieben kann, sofern die Spiele innerhalb des Jahres 2020 stattfinden“, erklärte die Olympia-Ministerin dem japanischen Fernsehsender NHK zufolge.

Milliardenkosten für Japans Wirtschaft und die Versicherer

Unabhängigen Schätzungen zufolge kosten die Spiele etwa 30 Mrd. Euro, das Vierfache des ursprünglichen Budgets. Japans Rechnungshof kalkuliert mit 20 Mrd. Euro. Eine mögliche Absage würde auch die Sponsoren treffen. In London 2012 zahlten sie eine Milliarde Euro (ohne TV-Gelder), in Tokio werden es drei Mrd. Euro sein.

Auch das IOC steckt selbst etwa eine Milliarde Dollar in jede Gastgeberstadt. Die Organisation hat sich mit 800 Millionen Dollar gegen einen Ausfall der Spiele versichert. Für Tokio dürfte das IOC etwa 20 Mio. Dollar für die Ausfallpolicen zahlen, die in den Geschäftsberichten unter „Insurance Premium for Games Cancellation“ geführt werden. Für 2012 (London) kostete das Paket 13,5 Millionen Dollar – für 2016 (Rio) zahlte das IOC 14,4 Millionen.

Nicht alle, aber doch die meisten Ausfallversicherungen für Großveranstaltungen decken auch Pandemien ab, erklärt Alli McLean von der Allianz, die erst bei den nächsten Olympischen Spielen offizieller Partner und Versicherer. Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek, dessen Haus Teil des Versicherer-Konsortiums für Tokio ist, bezifferte das Risiko für den Rückversicherer auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

In der Tat ist es bei den Spielen üblich, dass die Versicherungssumme etwa drei Prozent des Budgets beträgt. Also bei einem Gesamt-Budget von zehn Mrd. Euro wären es 300 Mio. Euro. In der Vergangenheit waren Beazley und Tokio Marine Kiln die Versicherer von Olympia Beazley und , bei als Syndikate bei Lloyd’s of London aktiv.

Dazu kommen Ausfallversicherungen von Reiseveranstaltern, Hotels, Sponsoren, Fernsehanstalten und Fanartikel-Herstellern. Die Analysten von Jefferies schätzen die Versicherungssumme rund um Olympia 2020 auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Je später eine Absage komme, desto größer der Schaden, warnte Adrian Thomas vom Versicherungsmakler Aon. “Wenn man zwei oder drei Wochen vorher absagt, ist das ganze Geld schon ausgegeben.”

Autor: VW-Redaktion

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