Jeder Versicherer denkt, er hat die Digitalisierung bereits verwirklicht

Für zwei Drittel der Versicherer ist die Digitalisierung der Geschäftsprozesse die Top-Herausforderung für die kommenden Jahre. Das zeigt die Studie Branchenkompass Insurance 2019 von Sopra Steria Consulting. Die Krux ist, jeder denkt, er hat sie bereits verwirklicht. Der Begriff Digitalisierung verkommt zum Buzzword ohne Inhalt. Die viel größere Aufgabe besteht somit darin, das Thema intern mit Leben zu füllen. Ein Gastbeitrag von Dominic Testrut.

Für zwei Drittel der Versicherer ist die Digitalisierung der Geschäftsprozesse die Top-Herausforderung für die kommenden Jahre. Das zeigt die Studie Branchenkompass Insurance 2019 von Sopra Steria Consulting. Die Krux ist, jeder denkt, er hat sie bereits verwirklicht. Der Begriff Digitalisierung verkommt zum Buzzword ohne Inhalt. Die viel größere Aufgabe besteht somit darin, das Thema intern mit Leben zu füllen.

Konkret dreht sich 2020 viel um die Kundenanbindung – vom Antrag bis zur Police, von der Schadenmeldung bis zur Leistung. Zentrale Kundendatenbanken befinden sich bei den Versicherern zwar mehrheitlich im Einsatz, Kunden- und Vermittlerportale mit Self-Service-Funktionen sowie ein verzahntes Multikanalmanagement hingegen längst noch nicht. Der Aufholprozess ist im Gange, wird jedoch noch über die kommenden Jahre andauern.

Das liegt auch an fortwährenden Dauerbaustellen im Maschinenraum. Die Versicherer in Deutschland kämpfen seit Jahren, ebenso wie die Banken, mit ihren alten Legacy-IT-Systemen. Deren Ablösung durch Standardsoftware, auch betrieben in der Cloud, lief bislang nicht so wie gewünscht. Diese Aufgabe wird den Großteil der Unternehmen auch 2020 und darüber hinaus beschäftigen. Der Druck wächst, weil Industrialisierung und Kostenmanagement angesichts niedriger Zinsen und neuer digitaler Versicherer ein zentrales Differenzierungskriterium im Wettbewerb um Kunden 2020 sein werden. Ohne Ballast abzuwerfen, wird es für viele Traditionsversicherer härter, zu bestehen und sich gegenüber neuen Modellen durchzusetzen.

Zum Strategieblock „Ballast abwerfen“ gehört, dass die Unternehmen der Branche quer durch ihre Organisation Komplexität rausnehmen wird. Auf den in diesem Jahr verkündeten Simplifizierungszug der Allianz werden viele weitere Versicherer aufspringen. Wir werden neue Maßnahmen zur Vereinfachung der Produktwelt erleben, ebenso wie vereinheitlichte Vorgehensweisen im Service und Vorgänge, die sich intuitiv und papierlos bewältigen lassen.

Die gute Nachricht lautet, dass Herausforderungen gleichzeitig auch Chancen sein können. So verhält es sich mit der so genannten Digitalisierung. Wenn digitale Geschäftsprozesse und IT-Modernisierung die Herausforderungen sind, dann sind Cloud Computing und Robotic Process Automation die Chancen, die Herausforderungen zu meistern. 2019 hat sich vor allem beim Thema Cloud Computing einiges getan. Viele Versicherer beschleunigen den Umstieg auf Private-, Hybrid- und Public Cloud-Lösungen. Die Angst, gegen regulatorische Vorschriften der Versicherungsaufsicht zur verstoßen, rückt zunehmend in den Hintergrund. Zudem konnten Cloud-Anbieter Datenschutzbedenken zerstreuen, indem sie mittlerweile Daten in Deutschland und Europa speichern, damit ihre Kunden die DSGVO-Standards erfüllen.

Chancen auf Wachstum hängen indirekt auch mit der Nutzung digitaler Technologie zusammen. Cyberversicherungen gelten in der Branche als Produkt mit Zukunft. Größere Stücke halten die Insurance-Entscheider allerdings auf Hybridprodukte. Die Themenpakete enthalten zusätzliche Dienstleistungen, beispielsweise Bausteine anderer Versicherer sowie passende Produkte branchenfremder Unternehmen. Durch die wachsende Zahl digitaler Plattformen wird das Angebot 2020 steigen.

Autor: Dominic Testrut ist Director Insurance Consulting von Sopra Steria.

Ein Kommentar

  • Nicht zuletzt ist Digitalisierung ein MindSet Thema. Denn Chancennutzung und auf den Kunden zugeschnittene digitale Technologie ist vor allem von der Haltung der Menschen insbesondere des Managements abhängig.

    Viele Grüße, Ulrike Winzer

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