PKV-Kunden drohen mittelfristig Beitragserhöhungen

Michal Jarmoluk auf Pixabay

Nur 14 von 39 privaten Krankenversicherern werden einer Studie der Zielke Research Consult zufolge mittelfristig die Beiträge stabil halten können. Eine Sachwert orientierte Kapitalanlage sowie eine durch mehr Präventionsangebote an die Versicherten verminderte Schadenquote könnten die Beitragsseite entlasten. Dagegen spricht jedoch der Aktuarielle Unternehmenszins (AUZ). „Der ist Quatsch und gehört in die Archive“, sagte Carsten Zielke bei der Vorstellung seiner jährlichen SFCR-Analyse der deutschen Krankenversicherer.

Die Berechnung des AUZ fußt auf festverzinslichen Wertpapieren. Mit diesen ließen sich aber keine Überschüsse erzielen, die für die steigenden Gesundheitskosten der Versicherten im Alter ausreichten, so Zielke. Seiner Untersuchung zufolge investierten die Krankenversicherer 2018 durchschnittlich 86,4 Prozent der Kapitalanlagen in Festverzinsliche – und damit prozentual mehr als die Lebens- und die Sachversicherer. Die Quote der Staatsanleihen sei sogar noch leicht auf 25,2 Prozent gestiegen, kritisiert Zielke. Eine Aktienquote von 20 bis 25 Prozent mache ökonomisch Sinn.

Als eine Möglichkeit, das Schadensrisiko für die Versicherer zu mindern, schlägt Zielke Prävention vor – etwa durch Nichtraucherkurse, Ernährungsberatung und Sport. Bislang honoriere die Branche eigentlich nur die Nichtanspruchnahme von medizinischen Leistungen. So böten 17 von 39 Krankenversicherern keine für Externe erkennbaren Präventionsmaßnahmen an. Bei acht Gesellschaften gebe es zwar derartige Dienstleistungen, doch bestünden diese meist nur aus Apps. Allein das Angebot der Axa Krankenversicherung hält Zielke für „herausragend“. Dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Verwendung von Versichertengelder für Trackingapps verbietet, hält er für nicht mehr zeitgemäß.

Die Zielke-Studie untersucht unter anderem die Entwicklung der ausgewiesenen Solvenzquote, sowie der um Korrekturmaßnahmen bereinigten reinen Solvenzquote, den Diversifikationsgrad der Unternehmen, das Gewicht des Marktrisikos und das Verhältnis zukünftiger Gewinne zu Eigenmitteln.

Im Durchschnitt ist die reine SII-Quote 2018 um 15 Prozentpunkte von auf 531 Prozent gesunken und machte im Median nur noch 498 (519) Prozent aus. Die Ausgleichsrücklage der Unternehmen war rückläufig, weil es 2018 weniger stille Reserven in den Kapitalanlagen gab. „Hier ist schon Tafelsilber verkauft worden, um Kostenentwicklungen abzufedern“, so Zielke. Dies führe zu einem steigenden Risiko auf dem Markt. Die Diversifikation nehme ab.

Die geringste Solvency-ll-Quote habe der Zusatzversicherer Neue Unfall Leben mit 139 (163) Prozent. Auf den höchsten Wert kommt die R+V Krankenversicherung mit 822 (550) Prozent. Den stärksten Rückgang hat Zielke bei den untersuchten Gesellschaften bei der auf den Klerus spezialisierten Liga-Krankenversicherung mit einer Quote von 296 (536) Prozent festgestellt.

Zu den Gesellschaften, die den Beitrag auf mittlere Sicht mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent stabil halten können, zählt die Allianz, die Axa, die Barmenia, die Central, die DEVK, Envivas, die Ergo Direkt, die Hansemerkur KV, die LVM, die LKV, Pax, die R+V, die VGH und die W&W. Die Ergebnisse aller untersuchten Anbieter von Voll- sowie Krankenzusatzversicherungen lassen sich unter www.check-deine-versicherung.de nachlesen.

„Deutlich verbessert“ hat sich nach Einschätzung von Zielke die Transparenz in den SFCR-Berichten. Den transparentesten Bericht legte ihm zufolge die Hallesche Krankenversicherung vor.

Autorin: Monika Lier

Ein Kommentar

  • Gerade die AXA, die hier lobend erwähnt wird hat den Versicherten in den letzten 7 Jahren Beitragssteigerungen von bis zu 150% zugemutet, weil man aus vertrieblichen Gründen Economy-Tarife bewusst unrealistisch kalkuliert hat. Das lässt sich nicht mit steigender Lebenserwartung, Niedrigzinsen oder medizinischem Fortschritt wegargumentieren.

    So gräbt sich die Branche über kurz oder lang selbst das Wasser ab und wird sich in den nächsten Jahren auf steigende Prozessquoten einstellen müssen. Die Politik hat solchen Exzessen Vorschub geleistet, indem sie mit faulen Kompromissen auf Biegen und Brechen die Versicherungspflicht für alle durchgesetzt hat ohne dabei auf die entsprechenden Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Wettbewerb zu achten.

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