Bafin kontrolliert Cloud-Computing

Rechtsanwältin Elisa Roenneberg. Quelle: Lier

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wird nach Einschätzung der Rechtsanwältin Elisa Roenneberg künftig verstärkt Cloud-Computing der Versicherer kontrollieren.

Auf die verpflichtende Anzeige von Cloud-Projekten der Bafin erhielten die Versicherer zwar zunächst „nur eine Eingangsbestätigung und bis zur Rückmeldung dauert es dann Monate“, berichtete die Rechtsanwältin der Kanzlei Segger Rechtsanwaltsgeselschaft mbH am Dienstag auf einer Fachkonferenz in Köln. „Aber die Bafin wird ihre Kontrollen auf jeden Fall verstärken, weil die Verträge mit den Clouddienstleistern „zum Großteil“ nicht die von der Bafin geforderten Informations- und Prüfungsrechte für Versicherer und die Aufsicht erfüllten. „Diese Rechte dürfen nicht nur gestuft vorliegen,“ warnte sie. Ziel der Bafin sei es, dass sie bei der Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht auch auf den Clouddienstler durchgreifen kann.

Dass die Bafin damit auch Dienstleister wie Amazon Web Services vor Ort prüfen können sollte, stieß bei den Konferenzteilnehmern teilweise auf Unverständnis. Schließlich seien derartige Dienstleister zertifiziert. Auch kontrolliere die Aufsicht nicht die Anbieter von Standardsoftware.

Cloud überlebensnotwendig?

„Wer das Thema Cloud jetzt nicht konsequent angeht, wird vom Markt verschwinden“, sagte Oliver von Ameln, Geschäftsführer der Adesso Insurance Solutions GmbH. Er rechnet mit einer Disruption innerhalb der nächsten fünf Jahren. Der Knackpunkt seien Services. Würden sie nur asynchron erstellt, seien sie zu langsam und zu teuer.

Seiner Erfahrung nach arbeiteten 95 Prozent der Versicherer mit IT-Systemen, die 27 bis 28 Jahren alt seien. Dass die Assekuranz jetzt ein Modernisierungsproblem habe, liegt seiner Einschätzung nach daran, dass in den letzten 15 Jahren auf Individuallösungen gesetzt worden sei. Die einzige Chance einzuhalten, sei das Outsourcing. Es gebe in Deutschland einige Anbieter, die das stemmen könnten.

Mark Klein, Chief Officer Ergo Group, und Vorstandschef der Ergo Digitial Ventures AG, sowie Jens Becker, der die Softwareentwicklung aller Querschnittsysteme der deutschen Axa-Gruppe verantwortet, berichteten von ihren Cloud-Projekten. Beide betonten, wie wichtig es sei, die Mitarbeiter frühzeitig in die Entwicklung einzubeziehen.

Ergo habe zunächst eine Operationalisierungsplattform in der Cloud gebaut. Bis zum Sommer soll die Modellierungsplattform fertig sein, sagte Klein. Diese Technologien biete man als Dienste auch anderen Versicherern an.

Monika Lier

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