GDV-Präsident Norbert Rollinger für dritte Amtszeit wiedergewählt
Dr. Norbert Rollinger steht seit 2022 an der Spitze des GDV (Bildquelle: GDV)
Norbert Rollinger (62) bleibt für zwei weitere Jahre GDV-Präsident. Auf dem Versicherungstag in Berlin machten die Mitglieder den Weg frei für eine dritte Amtszeit des R+V-Chefs, der den Fokus der Verbandsarbeit künftig vor allem auf die Altersvorsorge richten will.
Norbert Rollinger wurde im September 2022 zum ersten Mal an die Spitze des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gewählt und trat die Nachfolge von Wolfgang Weiler an. Im September 2024 erfolgte die einstimmige Wiederwahl, VWheute berichtete. Im Rahmen der Mitgliederversammlung bestätigte das Verbandspräsidium ihn gestern erneut einstimmig im Amt.
Beim GDV ist es üblich, dass das Präsidium den Präsidenten im Rahmen des Versicherungstags in Berlin aus seiner Mitte für eine zweijährige Amtsperiode wählt und ihm noch Kernthemen mitgibt. In seiner aktuellen Amtszeit steht das Thema Bürokratieabbau weiterhin im Fokus. Zentrale Verbandsthemen für die nächsten Monate bleiben aus Sicht Rollingers die Zukunft der Altersvorsorge, der Schutz vor Naturgefahren und die Finanzregulierung. „Die Reform der privaten Altersvorsorge eröffnet der Versicherungswirtschaft neue Möglichkeiten. Nun kommt es darauf an, attraktive Produkte anzubieten, die sowohl mit persönlicher Beratung als auch auf einfachem digitalem Weg zugänglich sind“, so Rollinger. Auch die betriebliche Altersvorsorge müsse insbesondere in kleinen Unternehmen weiterverbreitet werden.
Beim Elementarschutz erwartet Rollinger im kommenden Jahr konkrete Vorschläge aus der Politik. Ziel müsse eine gemeinsame Lösung aus Versicherungsschutz, Prävention und staatlicher Beteiligung bei seltenen Extremereignissen sein. Auch bei der Regulierung plädiert der GDV für weitere Entlastungen. Rollinger fordert, dass die in Europa vorgesehenen Erleichterungen für kleinere und mittlere Versicherer vollständig umgesetzt werden.
Wie er auf die Branche in der Rolle des R+V-Chefs blickt, skizzierte er in einem umfassenden Exklusiv-Beitrag für VWheute.
Dem GDV-Präsidium, das als vereinsrechtlicher Vorstand des Verbandes fungiert, gehören nach Ablauf der Mitgliederversammlung künftig an:
- Dr. Norbert Rollinger, Präsident (R+V)
- Jörg Asmussen (GDV)
- Thomas Brahm (Debeka / PKV-Verband)
- Dr. Andreas Eurich (Barmenia / AGV bis 31.12.2026); ab 01.01.2027 Prof. Dr. Frank Walthes (Versicherungskammer Bayern / AGV)
- Klaus-Jürgen Heitmann (HUK-COBURG)
- Dr. Andreas Jahn (SV Sparkassen Versicherung)
- Jürgen A. Junker (Wüstenrot & Württembergische)
- Dr. Christoph Jurecka (Munich RE)
- Dr. Mathias Kleuker (LVM)
- Monika Köstlin (Kieler Rück)
- Dr. Rudolf Kubat (Allianz)
- Stefan Lehmann (Generali)
- Dr. Markus Rieß (ERGO)
- Stefanie Schlick (Sparkassen-Versicherung Sachsen)
- Oliver Schoeller (BarmeniaGothaer)
- Dr. Thilo Schumacher (AXA)
- Dr. Torsten Utecht (Zurich; vorbehaltlich seiner Wahl zum Vorsitzenden in der Sitzung des Präsidialausschusses Unternehmenssteuerung und Regulierung am 30. September 2026)
- Renate Wagner (Allianz)
- Jens Warkentin (HDI)
Versicherer fordern Mut bei der Rentenreform
Die VWheute-Redaktion ist heute auf dem Versicherungstag in Berlin und berichtet vor Ort. Zum Auftakt des Events nimmt die deutsche Assekuranz die Politik in die Pflicht: Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen warnt davor, notwendige Einschnitte auf die lange Bank zu schieben. „Altersvorsorge ist Generationenpolitik. Werden notwendige Reformen grundsätzlich infrage gestellt, zahlen vor allem die Jüngeren dafür“, warnte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen in Berlin. Die Empfehlungen der Rentenkommission lägen auf dem Tisch und müssten nun umgesetzt werden.
Rückendeckung erhält die Bundesregierung von den Versicherern für ihren Referentenentwurf zum Umbau des Rentenzugangs. Die geplanten Einschnitte – darunter das Aus für die „Rente mit 63“, die Begrenzung von Frühverrentungen sowie die Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung – seien der richtige Schritt zur Stabilisierung des Umlagesystems. „Der finanzielle Spielraum, der dadurch entsteht, sollte für den Ausbau der Kapitaldeckung genutzt werden“, forderte Asmussen mit Blick auf die Einsparungen.
Besonderen Handlungsbedarf sieht die Branche bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Während in Großkonzernen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern bereits 86 Prozent der Beschäftigten eine Betriebsrente nutzen, geht bei Betrieben mit weniger als zehn Angestellten nur etwa jeder Vierte vorsorgen.
Um diese Lücke zu schließen, bringt der Verband pünktlich zum Start des Sozialpartnerdialogs am 8. Oktober ein neues Konzept ein: Ein standardisiertes Basisprodukt auf Basis der Direktversicherung mit einer einfachen Mitnahme. Der Vertrag soll bei einem Arbeitgeberwechsel problemlos übertragbar sein. Und es soll weniger Bürokratie durch eine zentrale Administrationsplattform geben, die Kleinbetriebe von der Abwicklung entlastet. „Wenn wir mehr Beschäftigte erreichen wollen, müssen Lösungen auch für Friseure und Dachdecker einfach und praktikabel sein“, betonte Asmussen.
Autor: VW-Redaktion
