Funk-Chef Becker: „Versicherer müssen die Einsparungen bei der Prämienkalkulation an die Kunden weitergeben“

Ralf Becker, geschäftsführender Gesellschafter der Funk-Gruppe.

Unternehmen sehen sich heute einer nie gekannten Gemengelage aus neuen und alten Risiken gegenüber. Nicht von ungefähr wird die moderne Wirtschaftswelt auch gern als „VUKA-Welt“ bezeichnet – also als von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität geprägt. Makler in ihrer Funktion als Risk-Consultant müssen daher die komplexen Risiken ihrer Kunden im Blick haben und eine passende Risikobewältigungsstrategie konzipieren. Ein Gastbeitrag von Ralf Becker, geschäftsführender Gesellschafter der Funk-Gruppe.

Bestimmt wird die VUKA-Welt u.a. von globaler Arbeitsteilung und Automatisierung sowie von Komplexität in der Produktion. Hinzu kommt die rasende Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung Produktion, Handel und Dienstleistung weiterhin verändert. Makler in ihrer Funktion als Risk-Consultant müssen daher die komplexen Risiken ihrer Kunden im Blick haben und eine passende Risikobewältigungsstrategie konzipieren. Dabei gilt es nicht nur die traditionellen Risiken wie Feuer oder Explosion bei einem Schlüssellieferanten, sondern auch zunehmende und/oder vergleichsweise neue Risiken adäquat zu berücksichtigen, wie z.B. Naturkatastrophen, Cybervorfälle, Epidemien und Pandemien sowie politische und ökonomische Risiken. Im Folgenden werden beispielhafte Handlungsfelder kurz skizziert:

HANDLUNGSFELD 1: DER INDUSTRIE-VERSICHERUNGSMARKT IST HERAUSGEFORDERT WIE NIE

Unternehmen sind bereits unerwartet hohen Belastungen ausgesetzt: Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich die finanzielle Situation und die mittelfristigen Geschäftsaussichten oft nicht verbessert. Viele Unternehmen kämpfen z.B. mit Betriebsunterbrechungen, weil Lieferketten durch die Pandemie gestört sind. Die Entscheider auf Unternehmensseite fragen daher, warum die Versicherer ausgerechnet jetzt schon wieder Preiserhöhungen verlangen und suchen notgedrungen nach Möglichkeiten für Kostensenkungen und Einsparungen. Stattdessen sehen sie sich aber häufig mit steigenden Versicherungskosten konfrontiert.

Unternehmen haben somit zunehmend Schwierigkeiten, den gewünschten Umfang an Versicherungsschutz für das eingeplante Budget am Markt zu finden. Gleichzeitig gilt es anzuerkennen, dass die Bilanzen der Versicherer ebenfalls strapaziert sind: Im vergangenen Jahrzehnt haben sich Risikotragung und Prämienhöhe immer weiter auseinanderentwickelt. Das hat in den Jahresabschlüssen vieler Versicherer – auch ohne katastrophale Ereignisse wie Unwetter und Pandemie – zu einer Schaden- und Kostenquote von mehr als 100 Prozent geführt. Auch die Flutkatastrophe in Deutschland durch Sturmtief „Bernd“ wird teuer: Der GDV rechnet mit einer Gesamtbelastung durch versicherte Schäden von 4,5 bis 5,5 Mrd. Euro für die Branche.

HANDLUNGSFELD 2: EINBINDUNG DER MAKLEREXPERTISE

Im Zuge der Flutkatastrophe ist die Frage der Neubewertung des Elementarschaden-Exposure für die Erst- und Rückversicherer virulent geworden. Die Klimakrise wird in Zukunft immer öfter extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Tornados oder Erdrutsche verursachen – und zwar auch an Orten, die gemäß dem versicherereigenen Geo-Informationssystem „ZÜRS“ als eigentlich weitgehend überschwemmungssicher gelten. Wie also kann die weltweite Elementargefahren-Analyse für Industrierisiken auch unter Nutzung der Expertise des technischen Maklers verbessert werden?

Zunächst sollten die konkreten Gefährdungen auf Basis der weltweiten Naturgefahren-Karten der Rückversicherer ermittelt und durch die individuelle Expertise des technischen Maklers ergänzt werden. Insbesondere bei Hochwasser- oder Überschwemmungsrisiken sollten auch die behördlichen Gefahrenbewertungen in die Analyse einfließen. Fallweise ist auch eine Begehung vor Ort oder die Anfertigung eines Höhenprofils zur anschließenden Simulation der Wasserströme und Überflutungstiefen am Standort sinnvoll. Passgenaue und zielgerichtete, mobile Hochwasserschutzsysteme zur Prävention und Vorbeugung runden die Analyse des technischen Maklers ab – Versicherer sollten diese Expertise stärker einbinden.

HANDLUNGSFELD 3: ALTERNATIVE ABSICHERUNGEN

Eine bedenkenswerte Alternative zur Elementarschaden-Versicherung bieten parametrische Versicherungskonzepte. Insbesondere bei hoher Gefährdungslage und drohenden Naturkatastrophen kann das sinnvoll sein, denn zur Schadenzahlung ist bei der parametrischen Versicherung der Sachschaden nicht zwingend erforderlich. Stattdessen wird bei den parametrischen Lösungen auf Grundlage neutraler, meist behördlicher Wetterdaten eine zuvor festgelegte Schadenzahlung zum Beispiel in Abhängigkeit der Regenmenge, Sturmstärke (Windgeschwindigkeit) oder Sturmkategorie am versicherten Standort reguliert. So können Versicherer auch Sachschaden-unabhängige Ertragsausfallschäden, etwa aufgrund zerstörter Straßen oder fehlender Arbeitskräfte, indirekt über die Stärke des Naturereignisses versichern.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der aktuellen September-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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