Wenning: „Stark betroffen sind offensichtlich Reiseversicherungen, ebenso Betriebsunterbrechungen, soweit gedeckt“

Joachim Wenning. Quelle: Munich Re

Die Corona-Pandemie hat die Munich Re bislang spürbar getroffen. „Die wirtschaftlichen Kosten der Lockdowns im Frühjahr hatten wir nicht auf dem Zettel – einfach, weil es solche Lockdowns bislang ja nie gab“, glaubt Konzernchef Joachim Wenning. Allerdings sei man von früheren „pandemischen Vorfällen“ wie der Spanischen Grippe noch „sehr, sehr weit entfernt“.

Daher müsse man „aufpassen, das System nicht zu überdehnen. Es lassen sich nicht beliebig oft Lockdowns verkünden“, betont Wenning gegenüber dem Handelsblatt. Eine weitere Erkenntnis: „Was seine Letalität angeht, ist das Coronavirus vergleichsweise milde“. Aus diesem Grund müsse man „bei all dem menschlichen Leid, das Covid-19 anrichtet, nicht Überlegungen ausblenden, welche Folgen auch wachsende Arbeitslosigkeit und kollabierende Sozialsysteme haben“.

Zudem glaubt der CEO des Münchener Rückversicherers noch nicht so schnell an die Entwicklung eines entsprechenden Impfstoffes. Vielmehr rechne er mit der baldigen „Entwicklung eines Medikaments, das die schwersten Verläufe einer Corona-Erkrankung lindern oder verhindern kann. Damit könnte der Betroffene nach ein bis zwei Wochen wieder auf den Beinen sein.“ Außerdem fürchtet Wenning, „dass solche Pandemien künftig häufiger auftreten können – auch mit deutlich gefährlicheren Erregern.“

Mit Blick auf die Bilanz für das eigene Unternehmen gibt sich der Versicherungsmanager jedoch noch vorsichtig: „Zum einen waren wir bis zu Corona auf einem guten Wachstumspfad. Als die Pandemie ausbrach, traf uns das natürlich auf der Kapitalanlageseite. Aber wir waren gegen den Aktien-Crash sehr gut geschützt durch Absicherungsgeschäfte. Bei der Schadenssituation ist es dagegen noch zu früh für eine Aussage.“

Gleichzeitig scheut er sich noch immer um eine Prognose für das Gesamtjahr 2020: „Im Herbst müssen wir vielleicht keine Prognose, aber zumindest eine Aussage liefern, wo wir zum Jahresende landen werden. Heute ist es dafür zu früh.“

Allerdings sollten die Versicherer auch daran mitwirken, „den Schutz vor allem für kleine und mittlere Unternehmen bei der nächsten Pandemie schneller und von Anfang an berechenbarer und gegebenenfalls umfänglicher zur Verfügung zu stellen. Dazu kann und will die Versicherungswirtschaft unter bestimmten Bedingungen ihren Teil beitragen. Die größte Last, so wie heute auch, müssen aber die Staaten tragen. Entsprechende Gespräche laufen auf Verbandsebene in den einzelnen Ländern.“

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

achtzehn + 16 =