Giesecke&Devrient-Chef Wintergerst: „Cyberprobleme beginnen mit der Ausbildung der Entscheidungsträger“

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Quelle: Pete Linforth / Pixabay

Unterschätzen Wirtschaft  und Gesellschaft die Cybergefahren? Ja, sagt Ralf Wintergerst, der Vorsitzende des Sicherheitsnetzwerks München e. V. und Group CEO des Technologiekonzerns Giesecke&Devrient. Er sieht die Probleme unter anderem in den Lebensläufen der Entscheider begründet.

Virtuelle Werte wie geistiges Eigentum und Daten bilden die digitale Infrastruktur unserer Gesellschaft, diese Werte müssten beschützt werden, schreibt Wintergerst im Handelsblatt. Gleichzeitig wäre es wichtig, als Gemeinschaft autark über die nötige IT verfügen zu können.

„Unseren digitalen Souveränitätsanspruch kann kein Nato-Draht schützen“, schreibt der CEO. Es werde mehr Technologie benötigt, nicht zur Abgrenzung, sondern zur kollaborativen Problemlösung in einer globalen Welt- und Tech-Gesellschaft.

Er fordert zudem, dass „Technologiekompetenz die Politik „Einzug halten müsse“. Der Bundestagsausschuss Digitale Agenda müsse so wichtig werden wie „der Außen- oder Haushaltsausschuss“.  Die Herausforderungen der digitalen Welt verlange mehr Vernetzung zwischen Politik und Wirtschaft, diese gelte weltweit, erklärt Wintergerst.

Weg mit den Geisteswissenschaftlern

Ein Gedanke des CEO ist interessant. Die Probleme bei digitalen Entscheidungen beginne „mit der Ausbildung der Entscheidungsträger“. Diese kommen aus der Geschichts- oder Politikwissenschaft, sind Juristen oder Militärs. Diese Disziplinen basieren laut Wintergerst auf hierarchischen Strukturen und konventionellen Denkmodellen.

Wenn dieses Denken von gestern auf Technologie von heute treffe, werde daraus „keine Problemlösung von morgen“. Es begünstige „neue, globale Cyberrisiken“ wie das Verschweigen von Schwachstellen oder den Einbau von Backdoors, die auch Angreifer finden und missbrauchen.

Darüber hinaus sei das Bewusstsein für Cybergefahren sowohl in der Gesellschaft als auch bei Entscheidungsträgern „häufig erschreckend unterentwickelt“.

Wintergerst fordert, wie EU-Kommissarin Margrethe Vestager, eine gemeinsame europäische Sicherheitskultur – auf politischer Ebene und in der Industrie.

Autor: VW-Redaktion

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