Greco: „Versicherungsindustrie ist innovativer als der Bankensektor“

Mario Greco, Vorstandsvorsitzender der Zurich. Quelle: Zurich

Drei Jahre steht Mario Greco nun an der Spitze der Zurich. Seitdem hat der gebürtige Neapolitaner eine beachtliche Performance hingelegt. Bereits im Februar hat der Versicherungskonzern die UBS als höchstbewerteten Schweizer Finanzkonzern abgelöst. Dementsprechend selbstbewusst gibt sich der Versicherungsmanager nach außen.

Denn: „Die Versicherungsindustrie ist innovativer und bewegt sich schneller, als es im Bankensektor der Fall ist“, konstatiert Greco im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Einen Trend zu Allfinanzgesellschaften sieht der Zurich-CEO allerdings nicht.

„Wenn eine Bank das Versicherungsgeschäft betreiben will oder umgekehrt, braucht man viel mehr Kapital, und das ist zu teuer. Die Regulierung ist nach der Finanzkrise verschärft worden. Noch wichtiger ist wohl, dass Banken und Versicherungen ihre Geschäfte ganz anders angehen. Banken agieren kurzfristiger als Versicherungen, das passt nicht gut unter ein gemeinsames Dach. Gegen Kooperationen mit Banken, wie wir das rund um die Welt tun, ist aber überhaupt nichts einzuwenden“, betont Greco.

Zudem seien die Finanzmärkte „wirklich sehr herausfordernd. Die Zurich hat zum Glück wenige Produkte mit Zinsgarantien auf ihrer Bilanz. Aber die Anlage der Prämieneinnahmen zu guten Konditionen ist tatsächlich sehr schwierig.“

Stimmung unter den Mitarbeitern „hat sich merklich verbessert“

Mit Blick auf das ehrgeizige Kostensenkungsprogramm, welches er 2016 der Zurich verordnet hat, gibt sich Greco bislang zufrieden. „Wir sind auf gutem Weg, in drei Jahren mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar einzusparen. Alleine in der Informatik haben wir in dieser Zeit etwa 700 Mio. US-DOllar gespart. Doch da gab es, offen gestanden, viel Raum für Verbesserungen. Teilweise haben wir auch bessere Konditionen für solche Dienstleistungen ausgehandelt“, erläutert der Zurich-CEO.

Und die Belegschaft? „Die Mitarbeitenden haben die Notwendigkeit dieser Maßnahmen verstanden und sie unterstützen diese. Zugleich haben wir das Unternehmen neu ausgerichtet und dabei viel in die Ausbildung der Mitarbeitenden investiert. Die stetig verbesserte Mitarbeiterzufriedenheit widerspiegelt dies. Wir wollen nicht einfach ein finanziell erfolgreiches Unternehmen sein, sondern auch ein attraktiver Arbeitgeber.“

Zudem habe sich die „Stimmung merklich verbessert. Der Zufriedenheitswert hat sich verdoppelt. Aber es gibt immer noch Verbesserungspotenzial. Die erreichten Fortschritte sind umso wertvoller, als wir in diesem Zeitraum die betrieblichen Abläufe tiefgreifend vereinfacht haben, wir sind da branchenführend geworden. Wir haben die Komplexität massiv reduziert. So haben wir ein Drittel aller internen Arbeitsgruppen gestrichen. Und wir haben Hunderte von Versicherungsprodukten, die den Kunden zu wenig Nutzen brachten, abgeschafft.“

Außerdem sei es „nicht möglich, Versicherungsprodukte in Billiglohnländern zu entwickeln, um sie in der Schweiz zu verkaufen. Ich sage nicht, man solle nie Outsourcing betreiben, aber wenn es nur aus Kostengründen geschehen soll, ist es nicht nachhaltig. Es ist auch nicht fair“, betont Greco.

An ein Karriereende denkt der 60-Jährige indes noch lange nicht: „Wenn es der Verwaltungsrat will, bleibe ich mindestens bis zum Ende des neuen Dreijahresplans“, betonte der Zurich-CEO. Dabei scheint Greo sogar seine Liebe für die Eidgenossenschaft entdeckt zu haben: „Ich würde mich gern einbürgern lassen“.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • „Alleine in der Informatik haben wir in dieser Zeit etwa 700 Mio. US-DOllar gespart.“

    Deshalb pfeift die Zurich mit teilweise über 40 Jahre alten IT Systemen mittlerweile auch aus dem letzten Loch!

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