Axel Kleinlein: Provisionen im Altersvorsorgedepot höher als Abschlusskosten bei Riester

In einer aktuellen Nachberechnung nimmt Axel Kleinlein die geplante Vergütungssystematik für das kommende Altersvorsorgedepot auseinander. Bildquelle: Mohamed Hassan/ Pixabay

Beim staatlich geförderten Altersvorsorgedepot drohen deutlich höhere Vertriebskosten als beim Riester-Vorgänger. Eine Analyse der von der Allianz geplanten Vergütungssystematik durch den bekannten Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein zeigt: Allein die Provisionen verschlingen künftig mehr als 1,5 Jahre Beitragszahlung statt bisher gut zehn Monatsbeiträgen (Riester) und senken die Rendite um bis zu 0,55 Prozentpunkte. Da die hohen Startprovisionen mangels direkter Verrechnung aus Kostenüberschüssen vorfinanziert werden müssen, trifft die Praxis auch Alt-Versicherte: Branchenweit schrumpfen die Kostenüberschüsse um schätzungsweise 4,5 Milliarden Euro – was jeden bestehenden Lebensversicherungs- oder Riester-Vertrag im Schnitt über 50 Euro Rendite kostet.

Der bekannte Versicherungsmathematiker und Aktuar Axel Kleinlein schlägt Alarm. In einer aktuellen Nachberechnung nimmt er die geplante Vergütungssystematik für das kommende Altersvorsorgedepot auseinander. Konkrete Produkte gibt es zwar noch nicht, doch der Branchenführer Allianz Lebensversicherung hat bereits offengelegt, was er Vermittlern an Provisionen zahlen will. Kleinlein warnt: „Damit setzt sie einen Standard, an dem sich erfahrungsgemäß der Rest der Branche orientieren wird.“

Brisant zeigt sich der Vergleich zur alten Riester-Rente. Während dort meist gut zehn Monatsbeiträge an Abschlusskosten fällig wurden, schlagen beim neuen Depot allein die Provisionen massiv zu Buche: „Sind es ‚beim Riester‘ gut zehn Monatsbeiträge, die an Abschlusskosten einkalkuliert sind, so machen zukünftig allein die Provisionen mehr als eineinhalbjahre Beitragszahlung aus.“

Kleinleins Berechnungen zeigen drei verschiedene Provisionsvarianten, die Vermittler erhalten sollen – von einer direkten Anfangsvergütung („upfront“) bis hin zu laufenden Zahlungen auf Eigenbeiträge und Zulagen. Das Ergebnis: In den lukrativen Vertriebsvarianten erhalten Vermittler das Achtfache im Vergleich zu einem provisionsarmen Standarddepot.

Die Folge laut Kleinlein: „Es ist daher zu erwarten, dass das Standarddepot nur selten aktiv vertrieben wird.“ Denn für Vermittler ist dieses Modell finanziell unattraktiv.

Für den Kunden schlägt sich das direkt in der Rendite nieder. Bei einer 30-jährigen Laufzeit mindern die Provisionen die Gesamtrendite um rund 0,32 bis 0,35 Prozent. Bei einer Laufzeit von 18 Jahren schnellt der Verlust sogar auf bis zu 0,55 Prozent nach oben. „Oder anders ausgedrückt: Nur wenn die Beratung dazu führt, dass im Vergleich zum Standarddepot eine um 0,47 % bzw. 0,50 % höhere Rendite über den gesamten Vertragsverlauf erzielt wird, ist die Erhebung der zusätzlichen Provision gerechtfertigt“, so Kleinlein.,

Die Zeche zahlt das Kollektiv

Da das klassische „Zillmerungsverbot“ es untersagt, die hohen Startprovisionen direkt dem jeweiligen Neuvertrag anzulasten, müssen die Versicherer in die Trickkiste greifen. Sie bedienen sich an den sogenannten Kostenüberschüssen – über eine sogenannte „Schattenzillmerung“.

Rechnet man branchenweit mit zehn Millionen neuen Depots im kommenden Jahr, ergibt das eine astronomische Summe an Vorabprovisionen. „Das bedeutet, dass für das Gesamtkollektiv aller Lebensversicherungskunden im nächsten Jahr 4,5 Milliarden geringere Kostenüberschüsse anfallen.“

Und weiter: „Für jeden bereits bestehenden Lebensversicherungsvertrag, Riester-Rentenvertrag, Rürup-Renten-Vertrag und einem bei einer Versicherung geführten Vertrag der betrieblichen Altersvorsorge, wird im nächsten Jahr die Kostenüberschussbeteiligung im Durchschnitt um mehr als 50 Euro gekürzt, um die Provisionen der Vermittler zu finanzieren.“

Angesichts dieser Kostenexplosion fordert Kleinlein eine politische Konsequenz: „Wir brauchen endlich das staatliche kostengünstige Angebot, ohne Provisionen.“

Autor: VW-Redaktion