VIG rechnet mit höherem Gewinn

VIG-Chef Hartwig Löger (Bildquelle. Marlene Fröhlich_luxundlumen.com)

Die österreichische Vienna Insurance Group (VIG), die hierzulande gerade die Übernahme der Nürnberger vollzieht, teilt vor der offiziellen Veröffentlichung der Q3-Zahlen in einer Ad-hoc-Meldung mit, dass das Konzernjahresergebnis vor Steuern über der bisher kommunizierten Bandbreite liegen wird. Das liegt daran, dass der Gewinn nach neun Monaten bereits um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr anstieg.

Die Zahlen zum 1.–3. Quartal 2025 plant die VIG am 25. November zu veröffentlichen. Für die Börsianer hat das Unternehmen bereits gute Nachrichten: Auf Basis des Q1–Q3‑Konzernergebnisses vor Steuern in der Höhe von rund 873 Mio. Euro (mehr als plus 30 % im Vorjahresvergleich) erwarten die Österreicher ein Konzernjahresergebnis vor Steuern, das über der bisher kommunizierten Bandbreite von 950 Mio. bis einer Mrd. Euro liegt. Das neue Jahresziel soll zwischen 1,10 Mrd. und 1,15 Mrd. Euro liegen. An der Börse kam die Nachricht gut an, die Papiere stiegen um 1,5 Prozent am Mittwochvormittag.

Das dürfte Rückenwind für die Übernahme der Nürnberger geben. Deren Vorstand und Aufsichtsrat veröffentlichten Anfang November eine gemeinsam begründete Stellungnahme zum freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot der Vienna Insurance Group. Das Management spricht darin eine klare Empfehlung an die Aktionäre aus, das Angebot anzunehmen, da es im Interesse des Versicherers sowie seiner Aktionäre und Beschäftigten liege. Die Wiener bieten den Anteilseignern der Franken 120 Euro je Aktie in bar – insgesamt bis zu 1,38 Mrd. Euro, VWheute berichtete. Das Angebotsverfahren soll Ende November abgeschlossen werden.

„Natürlich beinhaltet der Preis auch eine strategische Komponente“, sagte CEO Hartwig Löger im Gespräch mit dem Handelsblatt kürzlich. „Er reflektiert für uns nicht nur den Marktwert, sondern auch den Mehrwert der Diversifikation, die wir durch die Nürnberger als Gruppe gewinnen.“

Für die VIG ist es die größte Übernahme der Firmengeschichte. Bei der Integration der deutschen Tochter will Löger auf „Evolution, nicht Revolution“ setzen: „Wir wollen das, was bereits gut läuft, stärken. Und Themen wie künstliche Intelligenz, Gesundheit und IT werden gruppenweit forciert, die Nürnberger wird darin integriert.“ Gut laufen etwa die Bereiche Biometrie und Berufsunfähigkeit, da könne man „von der Nürnberger lernen“, teilt er dem Handelsblatt mit.

Die Liste der Baustellen ist unlängst länger. Im Vordergrund steht die Sanierung des Schaden-/Unfall-Geschäfts, aber auch die IT muss erneuert werden. „Wir haben im Rahmen der Unternehmensprüfung erkannt, dass die Nürnberger vor allem im Bereich IT sehr hohen Investitionsbedarf hat“, sagt Löger. Die VIG werde deshalb Finanzspritzen geben. Wie viel Geld für die Modernisierung notwendig ist, verriet Löger dem Handelsblatt nicht. Er betonte stattdessen, dass VIG der richtige Sanierer für die Nürnberger sei. In der Tat haben die Österreicher ihre erworbenen Unternehmen in Ost- und Zentraleuropa auf Profitabilität getrimmt. Löger gab aber auch zu, dass die VIG sich im deutschen Markt erst noch beweisen müsse.

Autor: VW-Redaktion