PKV-Vorsitzender Ralf Kantak kritisiert pauschale Zuschüsse auf Kosten der Steuerzahler

PKV-Vorsitzender Ralf Kantak: "Unser Anspruch als Private Krankenversicherung ist es, stets Teil der Lösung zu sein." Bild: PKV

Im Jahr 2022 muss das deutsche Gesundheitssystem nicht nur die akute Corona-Krise bewältigen, sondern auch auf die gravierenden Folgen des demografischen Wandels ausgerichtet werden. Die Krisenbewältigung verlangt Schnelligkeit, die Demografie erfordert Nachhaltigkeit – und beides muss gleichzeitig passieren. Die neue Bundesregierung steht also unter großem Druck. Dem neuen Gesundheitsminister Prof. Lauterbach haben wir dazu unsere Unterstützung nach besten Kräften zugesagt. Ein Gastbeitrag des PKV-Vorsitzenden Ralf Kantak.

Unser Anspruch als Private Krankenversicherung ist es, stets Teil der Lösung zu sein. Wir wollen die medizinische und pflegerische Versorgung jeden Tag ein bisschen besser machen. Denn mehr als 36 Millionen Menschen in Deutschland vertrauen bei ihrer Gesundheit auf den Schutz der Privaten Krankenvoll- und -zusatzversicherung. Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung. Für jede Einzelne und jeden Einzelnen davon sind wir ein starker Partner.

Wir sind aber auch für unser Gesundheitssystem eine wichtige Stütze: Wir erstatten frühzeitig neue Diagnose- und Therapieverfahren sowie innovative Arzneimittel. Dadurch kommen sie schneller in die Versorgung, das ist gut für alle. Wir tragen überdurchschnittlich zur Finanzierung der Medizin bei. Und wir treiben die Digitalisierung voran.

Nachhaltigkeit darf nicht nur für die Klimapolitik gelten

Die neue Bundesregierung rückt das Ziel der Nachhaltigkeit sehr stark in den Vordergrund. Das ist gut und richtig, darf aber nicht nur für die Klimapolitik gelten. Das Bundesverfassungsgericht setzt mit seinem Urteil zum Klimaschutz einen Maßstab für Generationengerechtigkeit: Die heute Aktiven dürfen nicht so viele Ressourcen verbrauchen, dass dadurch die Handlungsfreiheit der nachfolgenden Generationen massiv eingeschränkt wird. Das muss auch in der Gesundheits- und Pflegepolitik gelten: Wir müssen mehr Nachhaltigkeit in die Kranken- und Pflegeversicherung einbauen.

Die Ampelkoalition will Milliarden-Defizite der Sozialversicherungen mit einem wachsenden Bundeszuschuss decken. Die Gesetzliche Krankenversicherung benötigt im Jahr 2022 einen Rekord-Steuerzuschuss in Höhe von 28,5 Milliarden Euro. Auch die Soziale Pflegeversicherung erhält ab 2022 erstmals einen Bundeszuschuss in Höhe von 1 Milliarde Euro. Doch immer mehr pauschale Zuschüsse auf Kosten der Steuerzahler sind keine nachhaltige Lösung. Das wird die Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie vor allem die jüngeren Generationen teuer zu stehen kommen. Denn bis 2030 werden die Bundeszuschüsse an die Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung absehbar auf mehr als 110 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen.

Nachhaltigkeit erfordert in der Gesundheits- und Pflegepolitik vor allem eine solide und generationengerechte Finanzierung. Der Koalitionsvertrag enthält dazu zwar erste Ansätze, doch die werden bei weitem nicht ausreichen, um die Finanzlücken infolge des demografischen Wandels zu schließen. Das Gebot der Stunde wäre es, die jüngeren Generationen auf mehr Eigenvorsorge vorzubereiten, um eine nachhaltigere Finanzierung zu sichern.

Generationengerechte Lösungen

Die Private Kranken- und Pflegeversicherung zeigt, wie es gehen kann. Wir bilden systematisch Reserven für die steigenden Gesundheits- und Pflegekosten unserer alternden Gesellschaft. Diese Nachhaltigkeitsreserve ist heute schon vollständig ausfinanziert und mit Kapitalanlagen von mehr als 300 Milliarden Euro gedeckt. Die Versicherten haben mit ihren Beiträgen vom ersten Tag an auch diesen Vorsorge-Anteil finanziert. Und die Versicherungen vermehren die Gelder mit Erträgen aus langfristigen Kapitalanlagen.

Wir stehen bereit, diese generationengerechte Lösung auch für den Ausbau einer besseren Vorsorge für möglichst viele Menschen anzubieten. Schon kleine Schritte zu mehr Eigenvorsorge können die Stabilität des Gesundheitssystems langfristig verbessern. Etwa durch mehr private oder auch betriebliche Pflegezusatzversicherungen.

Die Koalition will wichtige Aufgaben in der Gesundheitspolitik aufgreifen und zum Beispiel die medizinische Prävention stärken. Die PKV wird dies mit besten Kräften unterstützen. Entsprechende Programme stoßen aber nur dann auf Zuspruch, wenn sie ohne große Hürden zugänglich sind und sich wie selbstverständlich in den Alltag einfügen. Denn Menschen tun eher etwas für ihre Gesundheit, wenn die Maßnahmen zu ihnen kommen und nicht umgekehrt. Wir unterstützen Akteure dabei, gesundheitsfördernde Strukturen weiterzuentwickeln: von einer guten Kita-Verpflegung über gelebte Suchtprävention an Schulen bis hin zu bewegungsfreundlichen Pflegeheimen.

Und wir werden 2022 nicht nachlassen, uns für die Belange der Privatversicherten einzusetzen: Für moderne Kalkulationsvorschriften, um Beitragssprünge zu vermeiden; für die Öffnung des Standardtarifs zugunsten aller Versicherten; für die gleichberechtigte Teilhabe Privatversicherter an der Telematikinfrastruktur. Zugleich arbeiten wir zusammen mit der Bundesärztekammer weiterhin an einem gemeinsamen Vorschlag zur Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte.

Mit viel Energie wollen wir auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter vorantreiben. Die PKV engagiert sich nicht nur als Gesellschafter der „gematik“ für den Aufbau der Infrastruktur. Als Gründer des Venture-Capital-Fonds „Heal Capital“ bereiten wir auch Wege für künftige Innovationen. „Heal Capital“ hat ein dynamisches Portfolio von internationalen Healthtech-Unternehmen aufgebaut und sich als ein führender europäischer Investor für digitale Gesundheitslösungen etabliert.

Doch im Vordergrund wird leider auch 2022 noch die Pandemie stehen. Hier garantiert die PKV nicht nur ihren Versicherten Schutz. Bei den Corona-„Rettungsschirmen“ von den Krankenhäusern bis hin zu den Pflegeeinrichtungen leistet sie weit mehr für die Bewältigung der Pandemie, als es ihrem Versichertenanteil entspricht. Die Private Krankenversicherung steht zu ihrer gesamtgesellschaftlichen Mitverantwortung – als eine starke Säule, die dazu beiträgt, das duale deutsche Gesundheitssystem jeden Tag zu einem der besten der Welt zu machen.

Ralf Kantak, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV)