Erfolgsmaschine Ping An plant großes Wachstumscomeback 2022

Das Ping An International Finance Center im Stadtbezirk Futian von Shenzhen ist 600 Meter hoch. (Quelle: Ping An)

Der chinesische Versicherer Ping An, der seit jeher immer erfolgsgewohnt ist, gerät in diesem Jahr unter Druck. Einige asiatische Investoren haben Anteile verkauft, während westliche Geldgeber weiterhin an die Wachstumsstory glauben. Die Unternehmenszahlen zeigen ein differenziertes Bild.

Die Bofeng Group, eine Investmentgesellschaft aus Thailand, verkaufte in der ersten Jahreshälfte ca. 180 Mio. Anteilscheine, die ca. ein Prozent der gesamten Aktien von Ping An ausmachen. Ein namhafter inländischer PE-Investor gab in Sozialen Medien an, dass er alle Ping-An-Scheine veräußert habe. Ob die Finanzwelt Ping An wirklich den Rücken kehrt, dazu gibt es in der Tat unterschiedliche Einschätzungen.

Nach aktuellem Geschäftsbericht erzielt Ping An in den ersten sechs Monaten einen Gesamtumsatz von umgerechnet 88,65 Mrd. Euro, ein Wachstum im Vergleich zu dem Vorjahr von nur 0,9%. Die Umsatzrendite stieg um 10,1 Prozent auf 11,40 Mrd. Euro, die Nettorendite nach der Steuer lag jedoch bei nur 8,09 Mrd. Euro, ein Minus von 15,5%. Im Versicherungsgeschäft rutschte das Prämienvolumen aus dem Lebensgeschäft mit 46,71 Mrd. Euro um 4,8% ab. Allerdings verzeichneten branchenweit in China etliche große Versicherungsunternehmen Rückgänge im Lebensgeschäft. 2020 zeigten Neugeschäfte von Ping An ein Minuswachstum von 10,5%, PICC von minus 24,1%, Pacific von minus 18,4%. Nur China Life und Xinhua konnten jeweils mit Plus 7% und 44,1% zulegen.

Mit dem Umbau kommt auch eine Durststrecke

Das Sachgeschäft von Ping An brachte 18,59 Mrd. Euro Beitragseinkommen, rund 7,5% weniger. Auch im Investmentgeschäft kann Ping An nur ein Minus vorweisen. In der ersten Jahreshälfte sank die Investitionsrendite mit 9,22 Mrd. Euro um 23,1%. Jedoch kann Ping Ans Bankgeschäft zumindest gute Zahlen vorlegen. Die Ping An-Bank erzielte ein Einkommen von 11,77 Mrd. Euro, eine Steigerung um 8,1%, und eine Zunahme der Rendite von 28,5% auf 2,45 Mrd. Euro.

Das gemischte Bild lässt sich mit der seit 2019 angekündigten und eingeleiteten Reform und Transformation in seinem Versicherungsgeschäft erklären. Das tut Ping An auch selbst. In erster Linie wurde der Umfang des Vermittlertrupps reduziert, allein im Lebensgeschäft schon in diesem Jahr um ca. 146.000 Mann auf 878.000. Ranghohe Manager des renommierten Unternehmens kündigten an, den Verkäufertrupp weiter zu „veredeln“. Man wolle auf höher qualifizierte Vermittler setzen, statt auf die bisherige branchengewöhnliche „Heerstrategie“ mit dem Glaubenssatz von „Mehr Verkäufer, mehr Policen“.

Das chinesische Marktforschungsinstitut LeadLeo sah bereits Anfang des Jahres voraus, dass sich das Wachstum des Versicherungsgeschäfts Ping Ans im Zuge der in der Umsetzung befindlichen Reform und Transformation zumindest in diesen Jahren kontinuierlich verlangsamen werde. Immerhin macht allein das Lebengeschäft ca. 60% von dem Umsatz und Gewinn der gesamten Gruppe aus. Die Chefin des Finanzgiganten Tan Sin Yin wirbt um Verständnis. „Die Reform des Vertretersystems insbesondere in dem Lebensgeschäft ist sehr schwierig, jedoch dringend notwendig. Vor der Reform haben wir keine Rückzugsmöglichkeit“, erklärt sie vor kurzem. Sie schätzt, dass der Effekt der Transformation in kommendem Jahr greifbar sein werde.

3.500 neue Patente für das Ökosystem angemeldet

Ping An gibt zu erkennen, weiter auf das Wachstum durch technologische Entwicklung zu setzen. In dem Zeitraum von Jahresanfang 2021 bis zum Ende Juni hat Ping An 3.508 neue technische Patente angemeldet. Das Volumen von dem Geschäft, das durch KI getrieben und realisiert ist, soll in den ersten 6 Monaten um 54% auf umgerechnet 15,48 Mrd. Euro gesteigert werden können. 63% Ping Ans Kunden von derzeitig insgesamt 225 Mio. Privatkunden, deren Anzahl zum Ende September im Vergleich zum Jahresanfang immerhin um 3,1 % zugenommen hat, nutzen Serviceleistungen in den Öko-Systemen.

Trotz Ausstiegs einiger inländischer Investoren zeigen Geldgeber aus dem Westen weiterhin langfristig Zuversicht auf Ping An und nutzen das Tief des Aktienkurses zum Zulegen. Die Hongkonger Börse gab bekannt, dass JPMorgan Chase Ende September mit 3,44 Mrd. Hongkong Dollar (umgerechnet 392 Mio. Euro) 62,9 Mio. Stück Aktien von Ping An zugekauft hat. Mit dem Zukauf steigt das Besitzvolumen der Bank aus New York an Ping An durch JPMorgan auf 876 Mio. Stück, ein Anteil von 11,26% an Ping An.

BlackRock riecht ebenfalls weiterhin Zukunftschancen bei dem in Shenzhen residierenden Finanzgiganten und gab Ende Mai umgerechnet 205 Mio. Euro aus, um an der Hongkong Börse ca. 21 Mio. Stück Ping An-Anteilscheine neu zu kaufen. Damit steigt das Besitzverhältnis des Investmentriesen auf 5,19%. Meist chinesische Analysten sehen trotz des derzeitig verlangsamten Wachstums optimistisch in die Zukunft des Finanzgiganten. Sie lassen ihre Empfehlungen für Ping An unverändert bei „Kaufen“.

Autor: Heng Yan


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