Stichtag 30. September: Allianz bereitet Vorstandsumbau vor

Personelle Bewegung bei der Allianz. Quelle: Allianz

Die Allianz wird vor dem Hintergrund des Hedgefonds-Streits wohl personelle Konsequenzen ziehen. US-Investoren haben den Versicherer wegen Verlusten auf eine Milliardensumme verklagt. Jacqueline Hunt, als Vorstandsmitglied zuständig für das Asset Management und US Life Insurance, könnte ihren bis Ende 2022 laufenden Vertrag vorzeitig beenden. Die Allianz selbst bestätigt, dass sie in Erwägung zieht, die Nachfolgeplanungen für ihren Vorstand vorzuziehen.

Nach Angaben des Münchener Versicherers seien diese Überlegungen langfristiger und strategischer Natur, beziehen sich aber auch auf den Bereich Asset Management, der aufgrund der Structured-Alpha-Thematik in den USA derzeit vor besonderen Herausforderungen stehe.

“In Anbetracht der Ermittlungen des DOJ (U.S. Department of Justice) und auf Grundlage der Informationen, die der Allianz zum heutigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen, hat der Vorstand der Allianz SE die Angelegenheit erneut bewertet und ist zu dem Schluss gekommen, dass ein relevantes Risiko besteht, dass die mit den Structured Alpha Fonds verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz Gruppe haben könnten”, schilderte der Versicherer in einem offiziellen Statement die möglichen Konsequenzen um den US-Hedgefonds-Streit Anfang August.

Probleme um Hedgefonds trüben positive Geschäftsentwicklungen

Bei den Verfahren geht es um Hedgefonds, die Allianz Global Investors unter dem Namen „Structured Alpha Fonds” aufgelegt hatte. Die Papiere hatten in der Talfahrt an den Märkten zu Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020 heftige Verluste erlitten. Zwei der Fonds wurden aufgelöst.

Schon im Sommer 2020 hatte sich die US-Wertpapieraufsicht SEC eingeschaltet und von AllianzGI Auskünfte zu den Fonds gefordert. Zuletzt schaltete sich in Deutschland auch die Bafin ein.

Die interne Untersuchung der Allianz bzgl. Structured Alpha umfasst eine Überprüfung der Risiko- und Compliance-Prozesse in Bezug auf die Structured Alpha-Fonds, die zum Geschäftsbereich Asset Management gehören.

Zu den Klägern gehört neben dem Pensionsfonds für Lehrer im US-Bundesstaat Arkansas (ATRS) auch der Fonds für die 70.000 Mitarbeiter des Betreibers der New Yorker Verkehrsbetriebe, der Metropolitan Transport Authority (MTA). Der Allianz wird konkret vorgeworfen, bewusst von der Strategie abgewichen zu sein, die Fonds mit Optionen gegen einen kurzfristigen Absturz an den Finanzmärkten abzusichern.

Allianz hält sich bedeckt

Die 53-jährige Jacqueline Hunt gehört seit 2016 zum Vorstandsteam der Allianz. Dort ist sie für die Vermögensverwaltung und das Lebensversicherungsgeschäft in den USA zuständig. Im Konzern selbst ist die Vermögensverwaltung die kleinste der drei operativen Einheiten neben der Sach- und der Lebensversicherung. Die beiden dort angesiedelten Töchter Pimco und Allianz Global Investors (AGI) gelten als eigenständig.

Die Überlegungen zu den Nachfolgeplanungen im Vorstand sind laut Allianz noch nicht abgeschlossen, weshalb man zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr dazu mitteilen wollte.

Der Aufsichtsrat werde sich in seiner nächsten Sitzung am 30. September mit der Vorstands-Nachfolgeplanung befassen. Auch die Verträge der Vorstände Renate Wagner, Klaus-Peter Röhler und Sergio Balbinot laufen Ende 2022 aus.

Autor: VW-Redaktion