Massive Verluste mehrerer Hedgefonds: Kassiert die Allianz am Freitag ihr Gewinnziel?

Personelle Bewegung bei der Allianz. Quelle: Allianz

Im Streit zwischen der Allianz und dem US-Pensionsfonds um Verluste in der Corona-Krise hat sich das US-Justizministerium eingeschaltet. Es untersucht die massiven Verluste mehrerer Allianz-Hedgefonds. Im Mittelpunkt stehen sogenannte “Structured Alpha Fonds” – und milliardenschwere Schadensersatzklagen. Oliver Bäte, Chef des Münchener Versicherers, befürchtet “erhebliche Auswirkungen” für den Konzern.

Die Allianz legt kommenden Freitag ihre Geschäftszahlen für das zweite Quartal vor. Sie peilt für das laufende Jahr bisher einen operativen Gewinn von elf bis 13 Mrd. Euro an.

Indes verlor die Aktie am Montag zwischenzeitig 7,7 Prozent an Wert. Die Ratingagentur Standard & Poor´s geht davon aus, dass die Untersuchungen die Allianz dazu zwingen könnten, die eigenen Gewinnerwartungen noch einmal zu überdenken und nach unten zu schrauben.

“In Anbetracht der Ermittlungen des DOJ (U.S. Department of Justice) und auf Grundlage der Informationen, die der Allianz zum heutigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen, hat der Vorstand der Allianz SE die Angelegenheit erneut bewertet und ist zu dem Schluss gekommen, dass ein relevantes Risiko besteht, dass die mit den Structured Alpha Fonds verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz Gruppe haben könnten”, berichtete der Versicherer in einem offiziellen Statement.

Eine Rückstellung wird jedoch nicht gebildet. “Es ist derzeit weder möglich, den Ausgang der Untersuchungen der SEC (U.S. Securities and Exchange Commission) und des DOJ sowie der anhängigen Gerichtsverfahren vorherzusagen, noch den entsprechenden Zeitpunkt dafür einzuschätzen. Insbesondere ist es nicht möglich, die konkreten finanziellen Auswirkungen, einschließlich möglicher Strafzahlungen, zuverlässig abzuschätzen.”

Bei den Verfahren geht es um Hedgefonds, die Allianz Global Investors unter dem Namen „Structured Alpha Fonds” aufgelegt hatte. Die Papiere hatten in der Talfahrt an den Märkten zu Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020 heftige Verluste erlitten. Zwei der Fonds wurden aufgelöst.

Schon im Sommer 2020 hatte sich die US-Wertpapieraufsicht SEC eingeschaltet und von AllianzGI Auskünfte zu den Fonds gefordert. Die Investorenseite fordert einen Schadenersatz von sechs Milliarden Euro.

Zu den Klägern gehört neben dem Pensionsfonds für Lehrer im US-Bundesstaat Arkansas (ATRS) auch der Fonds für die 70.000 Mitarbeiter des Betreibers der New Yorker Verkehrsbetriebe, der Metropolitan Transport Authority (MTA). Der Allianz wird konkret vorgeworfen, bewusst von der Strategie abgewichen zu sein, die Fonds mit Optionen gegen einen kurzfristigen Absturz an den Finanzmärkten abzusichern.

Die Fonds sollten bis zu zehn Prozent höhere Renditen bringen als der S&P-500-Index. Mit einem der Fonds erlitten die Anleger laut den Klagen einen Verlust von 97 Prozent.

Autor: VW-Redaktion