Ranking-Spezial: Wer ist der beste Arbeitgeber der Versicherungsbranche?

Quelle: Bárbara Cascão auf Pixabay

Über 203.000 Mitarbeiter beschäftigt die deutsche Versicherungswirtschaft aktuell. Im War for Talents wirbt die Branche mit Faktoren wie Sicherheit, Vergütung, Ausgleich zwischen Arbeit und Beruf sowie einer generell hohen Mitarbeiterzufriedenheit. Doch wie sieht es im Innenraum wirklich aus? Was sagen die Mitarbeiter? Halten die Unternehmen immer, was sie versprechen? Im Rahmen des großen Versicherungswirtschaft-Rankings bewertet die Redaktion die Versicherer in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber. Heute mit Platz 8: Die Ergo.

Firmenkultur: Umstrukturierungen, Stellenabbau, interner Run-off, IT-Umbau. Die Düsseldorfer Munich-Re-Tochter Ergo hat bewegte Zeiten hinter sich. Heute steht der Versicherer trotz Coronakrise gut da. Das Management um den Vorstandsvorsitzenden Markus Rieß hat den Turnaround geschafft, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht. Die vergangenen Jahre haben in der Belegschaft ihre Spuren hinterlassen. In Erinnerung bleiben Außenstehenden große Protestbewegungen und Slogans wie „Alles mies wegen Rieß“. Heute scheint die interne Stimmung etwas besser geworden zu sein. Gelobt wird die starke Kundenorientierung sowie das kollegiale Verhalten innerhalb des Unternehmens. Die Mehrheit der Mitarbeiter bewertet die Firmenkultur insgesamt als modern. Kritische Mitarbeiter ihrerseits sehen in der strategischen Ausrichtung des Versicherers noch immer viel Aktionismus. Gute 81 Prozent der Kununu-Bewerter würden Ergo als Arbeitgeber weiterempfehlen.

Performance: Das im Juni 2016 aufgesetzte Sparprogramm wurde erfolgreich umgesetzt. Mit viel Ruhe und aus dem Hintergrund stellte Markus Rieß das Unternehmen wieder auf die Beine. Die Konzernmutter ist froh, die Ergo nicht verkauft zu haben. Das Gewinnplus stieg 2020 auf 517 Mio. Euro (2019: 440 Mio. Euro; 2018: 412 Mio. Euro; 2017: 273 Mio. Euro) und damit wurde das Ziel von 530 Mio. Euro trotz der Belastungen durch Covid-19 nahezu erreicht. Auch die Beitragseinnahmen über alle Sparten hinweg sanken nur leicht auf 18,448 Mrd. Euro (2019: 18,880 Mrd. Euro). Für das gute Jahresergebnis ist vor allem Ergo International verantwortlich. Nach vielen Verkäufen in den letzten Jahren ist Rieß hierbei wieder offen für Zukäufe. Das nächste Ziel der Ergo ist nun, die digitale Agenda umzusetzen.

Führung: Der kurze Blick in die Rubrik „Karriere“ der Ergo zeigt deutlich, wie sich der Versicherer selbst am liebsten sieht und außen gerne wahrgenommen werden würde – als frisches, transparentes Unternehmen, das Mitarbeiter mit klarer Linie führt und Zukunftsperspektiven bzw. Aufstiegschancen für jeden bietet. „Mitarbeiter sind hier nicht ‚Humankapital‘, sondern Menschen“ wird etwa berichtet. Außenstehenden eröffnet der Auftritt wertvolle Einblicke in die vielfältige Konzernwelt. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Viele Mitarbeiter der Ergo haben das Gefühl, eben nicht mitgenommen zu werden und nicht wirklich Einfluss nehmen zu dürfen. Auch Intransparenz wird kritisiert. Führung und Karriere müssen neben der schönen Onlinewelt vor allem real „On the Job“ vorgelebt werden. Das bleibt eine Herkulesaufgabe für Ergo – und ist in Homeoffice-Zeiten kein ganz einfaches Unterfangen.

Gehalt: „Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Bezahlung von Überstunden“, also prinzipiell gut, heißt es in einem Kommentar. Bei der Ergo gibt es 327 Gehaltsangaben – und die Zufriedenheit trifft mit 3,8 von 5 Punkten den Branchendurchschnitt. Ein Sachbearbeiter (52.600 Euro) verdient relativ gut, ein Software-Entwickler (62.700 Euro) unterdurchschnittlich. Der Controller kassiert 66.600 Euro, der Abteilungsleiter 94.900 Euro und der Agenturleiter 113.800 Euro jährlich.

Gesamtbewertung: 3,6 von 5

Untersucht werden die zehn stärksten Versicherer in Deutschland nach Beitragseinnahmen. Als Orientierungsbasis dienten uns Informationen der Plattform Kununu (ab 100 Bewertungen) sowie eigenes redaktionelles Wissen aus dem Maschinenraum der Branche. Benotet wurde auf einer Skala von 1 (Minimum) bis 5 (Maximum). Indes spielten aus unserer Sicht die Indikatoren Firmenkultur, Performance, Führung und Gehalt eine wesentliche Rolle bei der Beurteilung der Qualitäten der Versicherungshäuser als Arbeitgeber:

  • Unter dem Punkt Firmenkultur wurde etwa auf die Arbeitsatmosphäre, den Innovationsdrang, aber auch auf grundsätzliche Arbeitsstrukturen geblickt.
  • Performance spiegelt die wirtschaftliche Stärke, Entwicklung und Perspektiven des Unternehmens wider.
  • In der Kategorie Führung ging es darum, wie Führung innerhalb des Unternehmens interpretiert und ausgelebt wird flach, agil, hierarchisch?
  • Im letzten Schritt widmen wir uns dem Gehalt mit Fokus auf Vertriebs-, Experten- und Leitungsebene.

Autoren: Michael Stanczyk und David Gorr

Das vollständige Ranking  lesen Sie in der aktuellen Mai-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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