Sanktionsdrohungen wirken: Zurich steigt aus Nord Stream 2 aus
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Die "Pioneering Spirit" gilt als das größte Schwerlast- und Pipeline-Verlegeschiff der Welt. Quelle: Nord Stream / Axel Schmidt

Die Zurich Insurance Group sollte die Bauarbeiten der Pipeline versichern, die russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland leiten soll. Laut Medienberichten ist der Schweizer Versicherer aus dem Projekt nun ausgestiegen, um möglichen US-Sanktionen aus dem Weg zu gehen. Aus Vertraulichkeitsgründen wollte Zurich die Entscheidung nicht kommentieren.

 “Zurich verfügt über ein umfassendes Compliance-Regelwerk und hält sich an sämtliche geltenden Sanktionsbestimmungen”, erklärte ein Zurich-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur awp. Wer die am Projekt beteiligten Versicherer sind, wollten die Nord-Stream-Betreiber bislang nicht verraten. Auch auf direkte Anfragen reagieren die großen Erst- und Rückversicherer nicht. Sollte der Ausstieg von Zurich stimmen, dann wäre es ein großer Rückschlag für Nord Stream 2. Ohne Versicherung und unabhängige Zertifizierung werde „Gazprom extreme Schwierigkeiten haben, das Projekt in Betrieb zu nehmen, selbst wenn es Schiffe unter russischer Flagge einsetzt”, sagte Energieexperte Benjamin Schmitt dem Handelsblatt seine Einschätzung.

Mitglieder des US-Repräsentantenhauses und des Senats haben sich darauf im Dezember geeinigt ein Gesetz zu verabschieden, dass gezielt Versicherer und technische Zertifizierungsunternehmen sanktioniert. Bislang ist nichts daraus geworden, aber die Drohkulisse schein zu wirken. Denn das ist nicht nur ein Vorhaben der Trump-Regierung. Auch Joe Biden sieht die Pipeline kritisch. Noch in seiner früheren Rolle als US-Vizepräsident unter Barack Obama hatte Biden die Pipeline “einen fundamental schlechten Deal für Europa” genannt.

Nach Angaben der Nord Stream 2 AG fehlen insgesamt noch 28 Kilometer in deutschen Gewässern sowie 120 Kilometer im dänischen Teil.  Neben Zurich könnte es durchaus sein, dass der weltweit größte Rückversicherer Munich Re involviert ist. Zumal die Münchener bereits mehrere Offshore-Bauprojekte versicherten und Nord Stream 1 laut eigener Website “das größte fakultative Einzelrisiko” in den Büchern von Munich Re war. 

Alternative Versicherungsdeckung ist möglich

Wenn westliche Versicherer abspringen, dann muss sich Gazprom nach alternativen Deckungen umschauen. Zwar könnte Sogaz Insurance, zu 25 Prozent zu Gazprom gehörend, zusammen mit anderen russischen Versicherern das Nordstream-2-Risiko alleine übernehmen, aber vielerorts bedarf es lokaler Policen. Überdies würden die Versicherungssummen die Selbstbehaltskapazität eines rein russischen Konsortiums sprengen.

Auch Cat-Bonds kommen als Alternative in Frage. Die Zeichner eines solchen Cat Bonds dürften wohl unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle von US-Sanktionen segeln und im Gegensatz zu professionellen Rückversicherern nicht leicht identifizierbar sein und keine Folgen für ihre US-Geschäfte befürchten müssen.

Grundsätzlich zählen die Errichtung und der Betrieb von Pipelines zu den “Perils of the sea” ausgesetzte Aktivitäten, die in der Sparte Offshore gedeckt werden. Zu den Risikoszenarien gehören technische Störungen, Verschiebungen des Seebetts, das Explodieren versenkter Munition aus dem Ersten Weltkrieg, noch herumtreibende alte Seeminen und die Folgen von Naturgefahren.

Autor: VW-Redaktion

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