Versicherer sehen britisches BSV-Urteil gelassen

Londoner Brücke (Quelle: pierre9x6 / Pixabay)

Nach BSV-Urteil in Großbritannien zu Gunsten der Kunden ermahnt die dortige Finanzaufsicht FCA die Versicherer, schnell die Entschädigungen auszubezahlen. Jedoch lässt das Urteil viel Interpretationsspielraum offen. Und die Schadenschätzungen – ob von der Zurich, Allianz, QBE, RSA oder Hiscox – fallen gering aus.

Die 16 von der britischen Aufsichtsbehörde FCA ausgewählten Versicherer (darunter auch britische Töchter der Allianz, Axa und Zurich) haben den Musterprozess rund um die Betriebsschließungsversicherung verloren. Etwa 370.000 britische Unternehmen und Gastronomen mit entsprechenden Policen könnten von dem Urteilsspruch profitieren. In den meisten der untersuchten Musterbedingungen sind Schäden durch eine Schließung in der Corona-Pandemie abgedeckt, verlasen die Richter am Londoner High Court aus dem 162 Seiten langem Urteil. Dennoch müsse man die genauen 21 unterschiedlichen Bedingungen, die dem Gericht vorlagen, der einzelnen Fälle anschauen. Versicherer können gegen das Urteil beim höchsten Gericht des Landes, dem Supreme Court of the United Kingdom, Berufung einlegen.

Zurich hat das nicht vor, sondern begrüßt das Urteil. „Das bestätigt, dass die von Zurich verwendeten Formulierungen in Versicherungspolicen keine Deckung für Betriebsunterbrechungen infolge des COVID-19-Ausbruchs bieten.“Auf das Jahresergebnis der Schweizer hätten die Schäden keine großen Auswirkungen. Hiscox sieht etwa nur ein Drittel der 34.000 eigenen BSV-Policen, die vom Urteil betroffen seien und Schäden von 100 Mio. Britische Pfund hervorrufen könnten. RSA kommt auf 85 Mio. Pfund mögliche Schäden, QBE auf etwa 70 Mio. Pfund. Alle drei Anbieter sprachen davon, dass die Kosten von ihrer Rückversicherung gedeckt seien.

Die Allianz bestätigt, dass sie Policen habe, die einen sehr kleinen Teil ihres „Commercial Books“ ausmachen, und die von dem Urteil betroffen sein könnten. „Das Urteil ist sehr komplex, und wir haben begonnen, uns mit den Einzelheiten zu befassen. Wir werden unsere Makler und Versicherungsnehmer auf dem Laufenden halten und hoffen, dass das Urteil sowohl für die Versicherer als auch für die Kunden mehr Klarheit schaffen kann. Es besteht die Möglichkeit, dass jeder der an dem Fall beteiligten Versicherer gegen das Urteil Berufung einlegen könnte, was zu einer weiteren Verzögerung bei der Schadenregulierung führen würde”. “ Den Entschädigungswert aller betroffenen Policen beziffert die britische Finanzaufsicht auf insgesamt 1,2 Mrd. Britische Pfund.

Autor: VW-Redaktion