R+V: Deutsche sorgen sich nur wenig

Quelle: Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Trotz Corona-Pandemie ängstigen sich die Deutschen so wenig wie lange nicht mehr. Der Angst-Index der R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ erreicht mit 37 (39) Prozent den niedrigsten Stand seit seiner Erfassung 1992. „Die Deutschen reagieren auf die Pandemie keineswegs panisch. Das verdeutlicht der Angst-Index – der Durchschnitt aller abgefragten Ängste“, sagt Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters, anlässlich der Vorstellung der Studie. „Sorge Nummer eins“ ist die Politik von Donald Trump.

„Unser Angst-Index steigt immer dann an, wenn die Probleme nicht lösbar scheinen oder bei Terroranschlägen“, kommentierte Römstedt die Langzeitentwicklung. Dies scheine zurzeit nicht der Fall zu sein. In der Corona-Krise zeige sich keine Spur von der sprichwörtlichen „German Angst“. Im Gegenteil: Die Deutschen sorgten sich um internationale und nationale Probleme und ihre Ängste seien Reaktionen auf reale Bedrohungen in Gesellschaft und Politik. Dazu passt, dass nur noch 40 Prozent befürchten, dass die Politiker von ihren Aufgaben überfordert ist.

Quelle: R+V Versicherung

Dies ist der niedrigste Wert seit 2002, als die Frage neu in die Umfrage aufgenommen wurde. Damit fällt diese Sorge erstmals aus dem Ranking der Top Ten und landet auf Platz zwölf „Hier spiegelt sich die weit verbreitete Wertschätzung für das Corona-Krisenmanagement der Regierung. Offensichtlich ist die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung, dass der Staat und seine Politiker die Krise hinreichend im Griff haben“, kommentiert Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, der die Ängste-Studie seit 16 Jahren begleitet.

„Trump sorgt mit seiner Außenpolitik immer wieder für schwere internationale Verwicklungen. Besonders herausragende Fälle sind dabei die handelskriegsartigen Konflikte mit China und die handels- und sicherheitspolitischen Attacken gegen verbündete Staaten, auch gegen Deutschland. Dazu kommen der Rückzug der USA aus internationalen Kooperationen und die Konfrontation mit dem Iran.“

Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg

Zum zweiten Mal nach 2018 wurde als größtes Problem (53 Prozent) die Politik des US-amerikanischen Präsidenten eingestuft. Im Hinblick auf die immer wieder schweren internationale Verwicklungen des Präsidenten sei diese Sorge berechtigt, so Schmidt. Die Corona-Pandemie weckt in der Bevölkerung vor allem wirtschaftliche Ängste. Nur 32 Prozent fürchteten sich selbst zu infizieren; wobei die Angst bei den Über-60-Jährigen mit 40 Prozent höher sei als bei allen anderen Altersgruppen.

Quelle: R+V Versicherung

In der Studie wirbelt die Corona-Krise die Rangliste durcheinander: Erstmals seit sechs Jahren ist die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten wieder unter den sieben größten Ängsten und bekleidet mit 51 Prozent der Nennung Platz zwei. Andere Wirtschafts- und Finanzängste kommen hinzu: 49 Prozent befürchten, dass die deutschen Steuerzahler für überschuldete EU-Staaten zur Kasse gebeten werden, 48 Prozent eine schlechtere Wirtschaftslage und 40 Prozent mehr Arbeitslose.

Umweltsorgen liegen auf Platz fünf: 44 Prozent ängstigen sich, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen betroffen sein könnte. Diese Sorgen äußern Jüngere öfter als Ältere, bei denen die wirtschaftlichen Ängste höher sind. 42 Prozent fürchten, dass Nahrungsmittel häufiger mit Schadstoffen belastet sind und 40 Prozent nennen die Folgen des Klimawandels. 43 Prozent haben Ängste vor Konflikten durch weitere Zuwanderung (Ost: 56 Prozent, West: 40 Prozent).

Nicht mehr repräsentativ, aber zum zumindest als Tendenz interessant: Im Osten sind die Bürger wie bei der Studie 2019 sorgenvoller als im Westen. Sie kommen durchschnittlich auf einen Angstindex von 42 Prozent gegenüber 35 Prozent im Westen. Zwar seien im Osten die innenpolitischen Sorgen gesunken, doch stünden Zuwanderungsthemen dort nach wie vor ganz oben.

Für die 29. Ausgabe ihrer Studie „Die Ängste der Deutschen“ hat das Infocenter der R+V Versicherung vom 8. Juni bis zum 21. Juli 2020 rund 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt.

Autorin: Monika Lier

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