AGCS fürchtet Haftungsrisiken durch soziale Unruhen

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Die Corona-Pandemie stellt vor allem die Haftpflichtversicherer für ungeahnte Herausforderungen. Seien es Sammelklagen und hohe Abfindungssummen für Geschädigte, teure Rückrufaktionen in der Automobil- und Lebensmittelindustrie oder soziale Unruhen und Proteste. Der Industrieversicherer sieht derzeit fünf Haftungsrisiken, die durch Corona verschärft werden.

Trend Nummer eins: Vor allem in den USA haben Sammelklagen zu immer höheren Vergleichssummen vor Gericht, verursacht von hohen Abfindungssummen durch Geschworenengerichte sowie neuen Konzepte für Schadenersatz und Fahrlässigkeit. So habe sich die durchschnittliche Vergleichssumme der 50 größten US-Gerichtsurteile von 2014 bis 2018 von 28 Mio. auf 54 Mio. US-Dollar fast verdoppelt. Die AGCS-Experten erwarten jedoch, dass manche Kläger eher bereit sind, sich außergerichtlich zu einigen, da es durch die Corona-Einschränkungen für die Justiz mitunter Jahre dauern könnte, bis ihr Fall vor einem Geschworenengericht verhandelt wird.

Trend Nummer zwei: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Produktrückrufe in Europa und den USA deutlich gestiegen. So gab es in den Vereinigten Staten allein im Jahr 2019 966 sicherheitsrelevante Rückrufe, von denen weit über 50 Millionen Fahrzeuge betroffen waren. In Europa erreichte die Zahl der Produktrückrufe im Jahr 2019 475 – die höchste Zahl für ein einzelnes Jahr in den 2010er Jahren und elft mehr als im Vorjahr. Generell sind nach einer AGCS-Analyse zu weltweiten Haftpflichtschäden in den Jahren 2014 bis 2019 defekte oder mangelhafte Produkte die Ursache für die Hälfte des Schadenvolumens.

Trend Nummer drei: Zudem konstatieren die AGCS-Experten, dass die Rückrufe in der Lebensmittelindustrie weiter zunehmen. Dies sei laut Industrieversicherer auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: Dazu zählen die globale Herstellung, weniger Lieferanten in komplexen Lieferketten, eine verstärkte Überwachung durch Behörden sowie bessere Technologien, die eine genaue Rückverfolgbarkeit und den Nachweis von Krankheitserregern ermöglichen. Die Pandemie könnte daher auch Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit haben – zum einen mit Blick auf die Hygiene-Standards und zum anderen mit Blick auf neue Betriebsabläufe.

„Die Prämienentwicklung auf dem Haftpflichtversicherungsmarkt für Unternehmen hat sich in den letzten Monaten gewandelt, doch der gegenläufige Schadentrend der sozialen Inflation mit rekordabfindungszahlungen durch Gerichte in den USA hält unvermindert an. Ohnehin sind ausländische Unternehmen in den USA immer stärker exponiert. Zudem registrieren wir eine Zunahme von Rückrufaktionen insbesondere im Automobilbereich. Alle diese Entwicklungen setzen die Haftpflichtversicherer unter Druck. Nimmt man noch die trüben wirtschaftlichen Aussichten, die politische Instabilität in einigen Ländern und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Pandemie dazu, dann kann man im Bereich Haftpflicht wirklich von einem herausfordernden Markt für Kunden, Makler und Versicherer sprechen.“

Ciara Brady, Global Head of Liability bei AGCS

Trend Nummer vier: Die „Gelbwesten-Proteste“ in Frankreich, Proteste und Unruhen in Chile, Hongkong und Bolivien und aktuell die Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA sind prominente Beispiele für die Zunahme von Bürgerunruhen weltweit. AGCS rechnet damit, dass allein die Massenproteste nach dem Tod von George Floyd in vielen US-Städten Schäden von mehr als einer Milliarde US-Dollar verursacht haben. Auch die Versicherungsbranche sehe sich mit zahlreichen Ansprüchen konfrontiert. Dieser Trend dürfte sich laut AGCS durch die Pandemie in den kommenden Monaten noch verschärfen.

Trend Nummer fünf: Laut AGCS werden Unternehmen zunehmend daran gemessen, wie sie zu Umwelt- und Gesundheitsschutz und Ressourcenschonung beitragen. Daher drohen den Unternehmen im Falle von Umweltverschmutzung immer häufiger Ermittlungen, Bußgelder oder die Verpflichtung zu Abhilfemaßnahmen.

Zudem verändere sich laut AGCS auch das Schadenmuster in der Haftpflicht: Da durch die Pandemie mehr Menschen zu Hause bleiben und viele Geschäfte, Flughäfen und Betriebe vorübergehend geschlossen wurden oder weniger frequentiert sind, gibt es weniger Schäden durch das Hinfallen und Ausrutschen.

Autor: VW-Redaktion

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