Assekurata macht Lebensversicherern mit digitalem Geschäftsmodell Hoffnung

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Die Ratingagentur Assekurata rechnet in der Lebensversicherung in diesem Jahr mit einem überschaubaren Neugeschäft und einer übersichtlichen Schadenbelastung. Dagegen werden die Kapitalmärkte voraussichtlich noch lange mit niedrigen Zinsen aufwarten und hohe Zinszusatzreserven nach sich ziehen, heißt es im aktuellen Marktausblick.

So erschwere es das Niedrigzinsumfeld insbesondere den Lebensversicherern, allein mit festverzinslichen Kapitalanlagen ausreichend Rendite zu erwirtschaften, um die Rechnungszinsen in den Beständen zu bedienen. Deshalb verwundert es kaum, dass der Bestand an festverzinslichen Wertpapieren seit 2011 bei den von Assekurata gerateten Lebensversicherern durchschnittlich um 10,3 Prozentpunkte zurückging.

„In Anbetracht der extrem niedrigen Zinsen ist diese Anlagepolitik nachvollziehbar, zumal die Nominalzinsen seit Ausbruch der Corona-Krise noch weiter gefallen sind.“

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata

Allerdings waren zum Bilanzstichtag 2019 immer noch durchschnittlich 81,3 Prozent der Kapitalanlagen (nach Marktwerten) festverzinslich angelegt. In einer Online-Befragung, die Assekurata in den Monaten April und Mai 2020 unter 30 Kapitalanlegern von Versicherern durchgeführt hat, gab allerdings gut jeder dritte Asset Manager an, die Aktien- und Immobilienquote im eigenen Unternehmen erhöhen zu wollen. Sogar mehr als die Hälfte will den Anteil an alternativen Investments aufstocken. Im Gegenzug erwägen viele Asset Manager, den Anteil an festverzinslichen Wertpapieren zu reduzieren, lautet ein weiteres Ergebnis.

Quelle: Assekurata

Zudem spiegele sich auch das Kapitalmarktumfeld in den Branchen-Ergebnissen wider. Während die Lebensversicherer im Jahr 2010 marktweit noch mehr als zwölf Mrd. Euro an Rohüberschuss erwirtschafteten, liegt er aktuell nach Berechnungen von Assekurata bei knapp elf Mrd. Euro. Zu diesem Wert trägt mittlerweile das Risikoergebnis doppelt so viel bei wie die Kapitalanlage.

„Angesichts der schon seit Jahren rückläufigen Kapitalmarktzinsen ist der Branchen-Rohüberschuss noch ziemlich stabil“, relativiert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Kölner Rating-Agentur Assekurata, die rückläufige Entwicklung. Dies sei zum einen den Anstrengungen der Anbieter zur Finanzierung der Zinszusatzreserve (ZZR) geschuldet, die mit außerordentlichen Kapitalanlageerträgen aus der Auflösung von Bewertungsreserven einherginge. „Andererseits ist die stabile Ergebnislage ein Ausdruck der Bemühungen vieler Gesellschaften, die eigenen Geschäftsfelder neu auszurichten und sich im Neugeschäft auf ertrags- und eigenmittelschonende Produkte auszurichten“, ergänzt der Assekurata-Experte.

Quelle: Assekurata

„Bei genauerer Betrachtung der Branchenzahlen werden einige Besonderheiten deutlich. Zum einen profitierte der Markt in hohem Maße von steigenden Einmalbeiträgen, zum anderen verzeichnete besonders der Branchenführer Allianz überdurchschnittliche Neugeschäftszuwächse“, ergänzt Assekurata-Bereichsleiter Heermann. In einer Gruppenbetrachtung entfallen mittlerweile knapp 77 Prozent der Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung auf die zehn größten Anbieter, knapp 30 Prozent allein auf die Allianz. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 hatten die „Big 10“ noch lediglich 74,4 Prozent vereinnahmt und die Allianz 21,0 Prozent.

Mit Blick auf die aktuelle Corona-Pandemie geht die Rating-Agentur davon aus, dass sich die Pandemie vor allem über die Reaktionen der Kapitalmärkte auf die Bilanzen der Lebensversicherer auswirken wird. So dürfte sich das sehr hohe Neugeschäft aus 2019 vor dem Hintergrund des Lockdowns nicht wiederholen. Jedoch sei der Grad der Betroffenheit zwischen einzelnen Gesellschaften und Geschäftsfeldern nach Einschätzung der Kölner Analysten durchaus unterschiedlich.

„Viele Lebensversicherer befinden sich ohnehin seit Jahren in einem Transformationsprozess, den die Pandemie allenfalls etwas abbremsen, aber nicht stoppen wird. Nach der Corona-Krise werden besonders die Gesellschaften mit einer soliden Bilanzstruktur sowie einer modernen und digitalen Geschäftsausrichtung zu den Profiteuren gehören“, sagt Heermann voraus.

Autor: VW-Redaktion

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