Die üblichen Verdächtigen: Täterprofile von Versicherungsbetrügern im Überblick

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Eine der größten Herausforderungen für Versicherer, die versuchen, sich vor Betrug zu schützen, ist es, diejenigen, die Versicherungsbetrug begehen, näher zu identifizieren. Einer Studie der Association of British Insurers zufolge gibt es zwar ein breites Spektrum bei den verschiedenen Arten von Versicherungsbetrug, jedoch liegen kaum Kenntnisse vor über die Täterprofile.

Für die Versicherer ist dies jedoch von eminenter Bedeutung, so schwierig dies auf Basis der Datenlage auch sein mag. Wie können sie diese komplexe Aufgabe angehen, um sich ein umfassenderes Bild zu verschaffen? Die Antwort liegt in der Identifizierung von Verhaltensmustern. Nachstehend werden sechs auf branchenweiten Erkenntnissen beruhenden Täterprofile vorgestellt, aus denen die Versicherungsunternehmen hilfreiche Hinweise für den Aufbau ihrer Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung ziehen können.

Täter aus Versehen

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sieht der Täter aus Versehen seinen Versicherungsanspruch als Mittel, um einer finanziellen Notlage zu entgehen. Für den Täter aus Versehen ist dies keine große Sache, unabhängig davon, ob der Wert einer legitimen Forderung zu hoch angesetzt oder ein Verlust vorgetäuscht wird. Es ist einfach eine günstige Gelegenheit, um eine schwierige Zeit zu überstehen.

Der opportunistische Gelegenheitsbetrüger

Dieser Tätertyp entwickelt sich oft aus dem Täter aus Versehen. Nachdem er einmal mit einem Betrug davongekommen ist, sieht der opportunistische Gelegenheitsbetrüger die Möglichkeit eines regelmäßigen Einkommens und sucht ohne Schuldgefühle nach neuen Methoden und weiteren Versicherungsunternehmen, um diese zu betrügen. Was als Einzelfall begann, wird zur Gewohnheit, bleibt aber zumindest vorerst noch eine Teilzeitbeschäftigung.

Der kriminelle Insider

Der kriminelle Insider sieht wie ein vertrauenswürdiges Teammitglied aus und verhält sich auch so wie jeder andere im Büro. Er stellt jedoch ein ernstes Sicherheitsrisiko dar. Der kriminelle Insider, ob er nun freiwillig handelt oder unter dem Zwang einer Verbrecherbande steht, unterstützt einen Angriff von außen, indem er es Kriminellen erleichtert, die zur Betrugsbekämpfung ergriffenen Maßnahmen zu umgehen.

Der ehemalige Mitarbeiter

Der Tätertyp des ehemaligen Mitarbeiters mag aus welchen Gründen auch immer vielleicht nicht ins Team gepasst haben und eine Bedrohung für die Unternehmenskultur gewesen sein. Nun kann er von außen zu einem Sicherheitsrisiko werden. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Die Möglichkeiten reichen vom Herunterladen und Entfernen von Kundendaten bis hin zur Verwendung von Malware wie den sogenannten „Logikbomben“, die nach Eintreten bestimmter Bedingungen, etwa eines bestimmten Zeitpunktes, ihre schädliche Wirkung entfalten. Der ehemalige Mitarbeiter mag zwar nicht mehr im Unternehmen sein, aber für das Unternehmen stellt er weiterhin eine ernste Bedrohung dar.

Der Betrugsvermittler

Ohne diesen Tätertyp würde ein großer Teil des Versicherungsbetrugs nicht stattfinden. Er agiert entweder als Teil einer organisierten Bande oder allein. Der Betrugsvermittler führt einen Cyber-Angriff aus und liefert die internen Daten anderen Bandenmitgliedern oder verkauft diese an andere Kriminelle, sodass diese „traditionellere“ Betrugsvarianten gegen den Versicherer begehen können.

Der organisierte Verbrecher

Versicherungsbetrug ist wahrscheinlich nur eine der Betrugsarten, die der organisierte Verbrecher begeht. Der organisierte Verbrecher könnte etwa einen „Crash-for-Cash-Ring“ betreiben, der vorsätzlich Unfälle provoziert, um Versicherungsprämien zu kassieren, eine Hackerbande führen, in den Drogen- oder Menschenhandel oder ein anderes verbrecherisches Unterfangen verwickelt sein. Für den Tätertypus des organisierten Verbrechers ist das Versicherungsunternehmen nicht das eigentliche Ziel. Das Ziel ist, Zugang zu Daten und Geld zu erhalten. Der Köder ist häufig das Fehlen von Abwehrmaßnahmen.

Dies ist keineswegs eine vollständige Liste der Tätertypen, aber sie zeigt, dass jedes Täterprofil einen maßgeschneiderten Ansatz erfordert. Eine pauschale Herangehensweise bei der Betrugsbekämpfung wird der Komplexität der Bedrohung nicht gerecht. Auch wenn es vielleicht an detaillierter Kenntnis darüber mangelt, von wem genau Betrug begangen wird, so vermögen branchenweite Erkenntnisse doch wertvolle Hinweise darauf zu geben, wie die notwendigen Abwehrmaßnahmen am besten vorbereitet werden können.

Autor: Chris Andrew, Global Insurance Fraud Lead, BAE Systems Applied Intelligence

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