Bilanz 2019: Gothaer schaltet auf konzentrierten Krisenmodus

Quelle: Gothaer

Nach einem starken Geschäftsjahr 2019 sieht sich der Gothaer-Konzern für die herausfordernden Zeiten mit „Corona-Achterbahn“ solide aufgestellt. Für Privatkunden und Vermittler seien umfangreiche Hilfe aufgelegt worden. Noch seien die Folgen der Virus-Krise nicht seriös abschätzbar, sagte Karsten Eichmann, der Ende Juni als Konzernchef ausscheiden wird, in der Bilanzpressekonferenz am Freitag. Die Krise drücke nicht nur auf den Umsatz, sondern es „passieren im Homeoffice auch weniger Schäden“. Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten hätten den Konzern „bislang nicht stark getroffen“.

Der Gothaer-Konzern hat auch 2019 seine Kapitalanlagen weiter umgebaut. Credit-Instrumente machten zum Bilanzstichtag nur noch 15,8 (18,1) Prozent (jeweils nach Marktwerten) der Kapitalanlagen aus. Die Aktienquote belief sich auf 1,2 Prozent. Bei den Immobilien wurde mit einem Anteil von 9,8 (9,1) Prozent fast die Zielquote erreicht. 95,5 (96,7) Prozent der Anleihen haben ein Investment-Grade, wobei der Anteil der mit „BBB“ Bewerteten auf 17,3 (30,8) Prozent sank.

Nach Aussage des Finanzvorstands Harald Epple verloren die drei Risikoträge per Ende März 2020 zwischen ein und anderthalb Prozent ihres Anlagenwertes infolge der Marktverwerfungen durch Corona. Die Kapitalmarktentwicklung sei auch für die Solvenzquote des Lebensversicherers bisher kein Problem. Dieser sei mit einer Solvency-ll-Quote 207 Prozent (ohne Anwendung des Transitionals) ins Jahr 2020 gestartet.

„Wir arbeiten sehr konzentriert im Krisen-Modus“, berichtete Eichmann. Rund 90 Prozent der Mitarbeiter seien im Homeoffice. „Wir haben für sehr vieles sehr schnell IT-Lösungen gefunden, das zeigt, dass wir agil arbeiten und Agilität leben. Für New Work bringt dies einen großen Schub.“

Der Konzern hat sich 2019 in etwa so entwickelt, wie im Dezember prognostiziert worden war. Getragen von allen Sparten stiegen die gebuchten Bruttobeiträge auf Konzernebene 2019 um 6,4 Prozent auf 4,49 Mrd. Euro (siehe Tabelle) mit einer „blitzsauberen Versicherungstechnik“. Die Gothaer Allgemeine wuchs beim Neugeschäft um 16 Prozent auf 53 Mio. Euro und ist nach Aussage von Vorstand Christopher Lohmann im ersten Quartal 2020 ebenso stark gewachsen.

Quelle: lie

Die Bruttobeiträge nahmen bis Ende März um 4,5 Prozent zu. Leben-Vorstand Michael Kurtenbach berichtete, dass der Rückgang des Neugeschäft um 9 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro Beitragssumme eine Folge des Verlustes des Vertriebspartners Sparkasse Berlin gewesen sei. 2020 werde man hier eine erste „Teilkompensation“ dieses Vertriebsweges schaffen.

Die Gothaer Krankenversicherung wuchs im Neugeschäft um 37 Prozent auf 1,899 Millionen Euro Monatssollbeiträge, was allein auf den Zusatztarifen sowie der betrieblichen Krankenversicherung beruht. „Wir verlieren weiter bei den Vollversicherten“, so Schoeller. Diesen Trend wolle man nach „Corona“ umdrehen.

Im Zentrum der Bilanzpressekonferenz stand die Corona-Krise“, in der sich der Konzern seinem Motto „Kraft der Gemeinschaft“ zufolge präsentieren will. Intern haben beispielsweise mehrere hundert Mitarbeiter insgesamt 5.000 Gleitzeitstunden für Kollegen gespendet, die Kinder oder andere Angehörige aktuell zuhause betreuen müssen. Für Privat- und Unternehmenskunden gelten inzwischen „kulante und individuelle Regelungen“, um Stornierungen durch Liquiditätsengpässe zu überwinden.

Zudem gibt es verschiedene Informations- sowie eine Spendenplattform für kleine Unternehmen und die Möglichkeit für alle Kunden eines kostenfreien Corona-Arztgespräches. Die Kinder aller Kunden, die derzeit nicht in der Schule oder im Kindergarten betreut würden, können kostenfrei unfallversichert werden.

Lohmann berichtete, dass es bereits Schäden durch den Ausfall von Veranstaltungen und Medienproduktionen in einem einstelligen Millionenbetrag gebe. Fälle von Schäden durch Betriebsschließung würden einzeln geprüft und entschieden. Diesen Schutz biete die Gothaer als Annex zu Feuer und oder Betriebsunterbrechung. Da unterschiedliche Wordings verwendet würden, stünden die Entscheidungen nicht vorne herein fest.

An einer Branchenlösung arbeite mit und unterstütze nachhaltig die in Bayern mit Vertretern der Politik geführten Gespräche, so Lohmann. Er geht davon aus, dass der weitaus größte Teil der Betriebsschließungsversicherung im „eigenen Buches eigentlich ausgeschlossen ist, aber wir wollen auf kulantem Wege erreichen, dass da nicht das letzte Wort gesprochen ist“. Kulant zeige man sich vor dem Hintergrund der Krise auch bei Verletzungen von Obliegenheiten.

Autorin: Monika Lier

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