Es wird heißer und trockener hierzulande: Das ist der Plan von Versicherern und Ministerium

Landwirtschaft, CO2-Verursacher und Binder. Bild von dengmo auf Pixabay

„Alle wichtigen Stellschrauben drehen sich unverändert in die falsche Richtung.“ Ein solches Zitat suggeriert auch ohne Kontext ein vorliegendes und dauerhaftes Problem. Richtig bedenklich wird es, wenn der Zitatgeber der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist. Gerhard Adrian hat die Aussage in Bezug auf den Kampf gegen den Klimawandel getätigt, die Landwirtschaftsversicherer und das Agrarministerium wurden sofort hellhörig und schmieden umfassende Pläne.

Es wird hierzulande heißer und trockener, also genau die beiden Phänomene, mit denen ein Landwirt wenig anfangen kann – Winzer partiell ausgenommen. Die Berechnungen des DWD ergeben, dass es in diesem Jahr deutschlandweit um 1,0 bis 1,5 Grad wärmer werden könnte als im Mittel der Referenzperiode zwischen 1981 und 2010. Gleichzeitig sinke die Niederschlagsmenge. Mr. Adrian mahnt mehr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel an. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre nehme immer noch zu, die weltweite Mitteltemperatur steige weiterhin an und der globale Meeresspiegel erhöhe sich. An dieser Stelle folgt das Zitat mit den Stellschrauben vom Anfang des Textes.

Ansteigende Temperaturen sorgen für Extremwetter, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beschreibt die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Kaum eine Branche würde „so existentiell unter dem Klimawandel leiden“ wie die Landwirtschaft“. Zu trockene oder zu nasse Jahrgänge wären gleichbedeutend mit teils „erheblichen Einbußen für die Betriebe“.

Doch die Landwirte sind keineswegs nur die Leidtragenden. Die Landwirtschaft sei „Opfer und Beteiligter, aber eben auch Lösungsbringer“ beim Klimawandel. Aus der Eigenverantwortung will der Bund die Bauern daher nicht lassen: „In erster Linie ist ein adäquates Risikomanagement gegen Wetterextreme eine ureigene unternehmerische Aufgabe der landwirtschaftlichen Unternehmen“. Diese schließe Anpassungen ihrer Wirtschaftsweisen ein. Aufgabe der Politik sei es, geeignete Rahmenbedingungen für Prävention und betriebliches Risikomanagement einschließlich Anpassungen zu gewährleisten.

Die Versicherer wollen helfen

Die Eigenverantwortung der Bauern sieht auch die Vereinigte Hagel. „Dass der Klimawandel da ist, steht außer Frage“, schreib der Versicherer, die Landwirte müssen ihre Sortenwahl und ihre Technik hieran anpassen. „Wir sind dafür da, um die finanziellen Auswirkungen in Extremsituationen abzufedern“.

Wichtig sei ein entsprechender Risikoausgleich, die Erfahrung zeige, dass sich trotz des Klimawandels Unter- und Überschadenjahre abwechseln. Das Unternehmen sei vom „Baltikum bis an die Südspitze Siziliens aktiv“, diese Ausdehnung ermögliche es, „auch regional verheerende Schäden abzufedern.“

Die Vereinigte Hagel ist trotz der mahnenden Worte von Mr. Adrian zuversichtlich. Die Produkte würden stets marktgerecht weiterentwickelt, insofern „machen wir uns keine Sorgen, dass unser Geschäftsmodell bedroht sein könnte“.

Die Münchener & Magdeburger Agrar AG (MMAG) handelt ähnlich und will Produkte so entwickeln und  verbessern, dass sie sich bestmöglich „an veränderten Bedürfnissen orientieren“. Die von Adrian beschriebenen Veränderungen würden sich allerdings bereits im Verhalten der Kunden niederschlagen. „Schon seit einiger Zeit sehen wir beispielsweise eine stark gestiegene Nachfrage nach Trockenheitsversicherungen.“

Das Unternehmen geht davon aus, dass eine Schadenhäufung zu höheren Beiträgen führen kann. Gleichzeitig hat die Politik gerade bei der Trockenheitsversicherung auf das vermeintlich neue Risiko reagiert und den „Steuersatz dem der anderen Mehrgefahrenversicherungen angepasst“. Es sei die Aufgabe der MMAG, „an der Seite unserer Kunden neu auftretende Gefahren und verschobene Risiken wahrzunehmen und uns daran anzupassen“. Aktuell wurde mit der Ernteindexversicherung ein Produkt auf den Markt gebracht, das basierend auf den Erträgen der letzten Jahre in Verbindung mit der Region einen Index für die relevanten Wettergefahren ermittelt.

Vorbeugen will auch die Vereinigte Hagel, dir erkannt hat, dass sich das Unternehmen als Spezialversicherer „noch mehr“ mit Wetterdaten beschäftigen muss als in der Vergangenheit. Mit meteosol®, einer Marke der Vereinigten Hagel in Kooperation mit Jörg Kachelmann, sei das Unternehmen“ genau auf dem richtigen Weg“. Das Ziel ist, das „dichteste Wettermessnetz in Deutschland aufzubauen“.

Was ist zu tun?

Alles Angesprochene ist richtig, doch im Endeffekt werden alle Maßnahmen wenig helfen, wenn der Klimawandel an sich nicht gestoppt wird. Selbst die beste Vorhersage hilft wenig, wenn ein Starkregen den Feldertrag ins Meer spült.

Das BMEL hat das erkannt und nimmt die vermeintlichen Opfer in die Pflicht. „Die Besonderheit der Land- und Forstwirtschaft ist, dass die Branchen selbst Lösungsbringer beim Klimawandel sind. Denn im Gegensatz zu allen anderen Sektoren können sie CO2 binden – in den Böden sowie in den Hölzern der Wälder. Sie sind effektive Treibhausgassenken.“

Hierzulande führe etwa die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder zu einer Verringerung der Emission um 14 Prozent. Und auch den Boden als Kohlenstoffspeicher müssen man schützen und sein Speicherpotential ausbauen. Diese Punkte seien zentrale Bausteine der Klimaschutzmaßnahmen.

„Der Schwerpunkt der Klimaschutzanstrengungen in der Landwirtschaft bis 2050 liegt auf Maßnahmen zur Minderung von Emissionen und dem effizienteren Einsatz von Ressourcen für eine nachhaltigere Produktion“, erklärt eine BMEL-Sprecherin. Um den Beitrag der Forst-, Ernährungs- und Landwirtschaft zum Klimaschutz weiter zu verbessern, hat die Ministerin Julia Klöckner im Klimakabinett der Bundesregierung eine Agenda mit zehn konkreten Punkten vorgelegt. Erste Vorhaben sind bereits angelaufen, erklärt die Sprecherin. Die Liste umfasst unter anderem die Stärkung nachhaltiger Ernährungsweisen, Erhöhung der Energieeffizienz, Ausbau des Ökolandbaus und Senkung der Stickstoffüberschüsse.

Dieser Text beginnt mit einem Zitat und soll auch mit einem enden. Die Vereinigte Hagel bringt auf den Punkt, was für besseres Klima nötig ist: „Hier ist jeder einzelne von uns und jedes einzelne Unternehmen gefordert, das zu tun, was in der eigenen Macht steht.“

Autor: Maximilian Volz

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