Stuttgarter-Chef Karsten: „Optimistisch, dass wir 2020 ertragreich wachsen“

Frank_Karsten, Vorstandsvorsitzender Stuttgarter. Quelle: Unternehmen

Kürzlich legte die Stuttgarter ihre Zahlen vor und zeigte Wachstum. Dennoch gab es einige offene Fragen, beispielsweise zu Verwaltungskosten, überraschend stark gefallen Zinsen und Wachstum in der Lebensversicherung. VWheute hat darüber und Weiteres mit  dem Vorstandsvorsitzenden Frank Karsten gesprochen.

VWheute:Sind Sie mit der Entwicklung im Jahr 2019 zufrieden, was lief besser als gedacht, was nicht so gut?

Frank Karsten: Insgesamt sind wir mit der Entwicklung im Geschäftsjahr 2019 zufrieden. Obwohl wir in der zweiten Jahreshälfte über den dramatischen Zinsrückgang etwas überrascht waren. Den hatten wir in dieser Dimension nicht erwartet. Als sehr erfreulich nehmen wir die hohe Akzeptanz unserer in 2019 neu eingeführten Produkte wahr. Mit unserer GrüneRente index-safe haben wir zum Beispiel unser Portfolio nachhaltiger Altersvorsorgelösungen um eine indexgebundene Variante erweitert. Damit sind wir der erste Versicherer in Deutschland, der auch einen konsequenten Nachhaltigkeitsansatz für moderne Hybrid- und Indexrenten anbietet. Ein weiteres Beispiel ist unsere Grundfähigkeitsversicherung GrundSchutz+, die im Markt ebenfalls positiv aufgenommen wird.

VWheute:Bei den Beitragseinnahmen haben Sie ein Plus von 1,3 Prozent erzielt, in der Pressemitteilung werden aber nur wachsende Bereiche genannt, bAV, KV, Unfall etc., in welchen Bereichen sind die Beiträge gefallen und warum?


Frank Karsten: Wir wachsen in allen Feldern unseres Kerngeschäfts. Vor allem verzeichnen wir als eines der wenigen Unternehmen der Branche bei den Beitragseinnahmen nach laufendem Beitrag seit 10 Jahren ein kontinuierliches Wachstum. Erfreulich ist auch, dass es uns gelingt, die Risikoprämie im Bestand dauerhaft zu steigern. Das liegt vor allem an den wachsenden Beständen unserer Berufsunfähigkeits- und Grundfähigkeitsversicherung. Rückläufig sind aufgrund unserer Konzentration auf moderne, chancenorientierte Altersvorsorgeprodukte die Beitragseinnahmen, die wir mit klassischen Produkten erzielen.

VWheute:Wie entwickelte sich der Bereich Lebensversicherung ohne die bAV?


Frank Karsten: Die klassischen Produkte mit Garantiezins sind, wie gesagt, rückläufig. Alle anderen Bereiche wachsen.

VWheute:Die Combined-Ratio ist gefallen, die Verwaltungskosten gestiegen. Erklären Sie das bitte.
Frank Karsten: Die Combined-Ratio unterliegt zahlreichen Einflüssen. Damit sie sich positiv entwickelt, ist vor allem ein gutes Schadenjahr verantwortlich. Es besteht hier kein Zusammenhang zu den leicht gestiegenen Verwaltungskosten. Diese sind vielmehr auf den starken Zinsrückgang zurückzuführen, der höhere Aufwände für die Altersvorsorge unserer eigenen Mitarbeiter verursacht und sich damit leider auf diese Kennzahl ausgewirkt hat.

VWheute:In vielen Bereichen, laufender Beitrag, Einmalbeiträge, Beitragssumme ist das Unternehmen gegenüber 2018 besser geworden, aber liegt immer noch unter den Werten von 2017, welche Lehren ziehen sie aus dieser Tatsache? Frank Karsten: Alle wesentlichen Kennzahlen für 2019 liegen über den Werten von 2017. Lediglich das Neugeschäftsvolumen ist niedriger. Dies ist zum einen auf unsere Annahmepolitik bei Einmalbeiträgen zurückzuführen – Wir streben ein nachhaltiges kontinuierliches Wachstum durch laufende Beiträge an. Zum anderen gab es 2017 einen Sondereffekt durch die Rechnungszinsabsenkung zu Anfang des Jahres. Dies führte zu einem Neugeschäftsüberhang aus 2016.

VWheute:Die Krankenversicherung wächst stetig, was wollen Sie in diesem Bereich erreichen, was ist geplant?
Frank Karsten: Ganz klar wollen wir in diesem Bereich auch in Zukunft zweistellig wachsen. Hierzu sind sowohl neue Produkte in Planung, als auch die Aktivierung zusätzlicher Vertriebskanäle.

VWheute: Wie wollen Sie das laufende Jahr gestalten, was erwarten Sie für Ergebnisse?
Frank Karsten: Wir wollen in den Bereichen Leben, Krankenzusatz und Unfall in der gleichen Größenordnung ertragreich wachsen, wie schon in 2019. Die ersten Wochen des Jahres stimmen mich optimistisch, dass wir das auch schaffen werden. Was ebenfalls im Fokus steht, ist unser heute schon exzellenter Service gegenüber unseren Geschäftspartnern und Kunden. Hier wollen wir weiter alles dafür tun, um noch besser zu werden.

VWheute: Sie sagen: „Unsere Maßnahmen in den Bereichen Automation, Digitalisierung und Arbeiten 4.0 tragen Früchte. Wir werden diese Themen weiterhin vorantreiben.“ Wie, was ist geplant?
Frank Karsten: Es würde zu weit führen, hier alle Maßnahmen aufzuzählen. Bei den Themen Automation und Digitalisierung steht grundsätzlich die Zusammenarbeit mit unseren Geschäftspartnern im Fokus. Das heißt, bei allen Maßnahmen stehen die Sicherstellung reibungsloser und effizienter Abläufe mit den unabhängigen Vermittlern im Mittelpunkt.

Einen Schwerpunkt setzen wir auf die Dunkelverarbeitung und auf die Umsetzung von BiPRO-Normen. Sowohl quantitativ, was die Anzahl der umgesetzten Normen angeht, als auch qualitativ, was die Tiefe bzw. Qualität der Umsetzung betrifft. Übrigens wurden wir aus diesem Grund für unser jahrelanges Engagement vom BiPRO e.V. als BiPRO-Top-Anwender ausgezeichnet. Darüber hinaus gibt es weitere Projekte im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie. So werden wir in den nächsten Jahren unsere gesamte IT-Landschaft neu aufstellen. Im Bereich der Weiterbildung unserer Mitarbeiter wird das Thema Digitalisierung ebenfalls einen Schwerpunkt bilden. Beim Thema Arbeiten 4.0 setzen wir neue Arbeitszeitmodelle und Home-Office-Lösungen um. Auch die Weiterentwicklung unserer Arbeitgebermarke ist in Planung.

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