Generali baut Industriegeschäft aus

Ab 2022 will die Generali im Führungsgeschäft für Cyber-Versicherungen antreten. Bildquelle: BASF SE

Fünf Jahre und etwa sechs Monate. So lange ist es her, dass die Generali Deutschland ihre neue Einheit Global Corporate & Commercial ins Leben gerufen hat. Zwischenzeitig ist es still geworden um die ambitionierten Pläne der italienischen Konzerntochter in einer komplizierten Sparte. Heute ist der Bereich in über 200 internationalen Versicherungskonzepten vertreten. Diese Reichweite ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass Generali auf verständliche Produktkonstellationen setzte, die Bedürfnisse von Kunden mit einem Jahresumsatz von 150 Mio. Euro bis 25 Mrd. Euro gezielt ansprechen. Eine Zwischenbilanz.

“Unsere Underwriting- Aktivitäten fokussieren sich auf die Schwerpunkte Property, Casualty, Engineering und Financial Lines. Seit 2018 bieten wir auch Cyberversicherungslösungen an. Wir wollen nicht in jedem Produktsegment aktiv sein, sondern in den genannten Sparten den wachsenden Bedarf für unsere Kunden aus den deutschen Schlüsselindustrien professionell abbilden”, erklärt Hans-Peter Klebe, Head of Generali Global Corporate & Commercial in Deutschland.

Zudem lege man großen Wert auf einen frühen Risikodialog mit Kunden und Maklern. “Wir wollen nicht wachsen, indem eine möglichst hohe Anzahl an Anbahnungen bearbeitet wird, sondern wir legen Wert auf die Qualität der Zusammenarbeit mit Kunden und Maklern”, sagt Klebe. Dadurch erreiche man eine transparente Erwartungshaltung mit den Geschäftspartnern. “Wenn ich mir die hohe Anzahl an Versicherungsausschreibungen im letzten Renewal anschaue, frage ich mich schon, wie viele dieser Ausschreibungen wirklich zielführend waren oder tatsächlich Mehrwert für die Kunden generiert haben.”

Combined Ratio im Produktmix bei rund 92 Prozent

Intern wird unterdessen mächtig an den Kostenstrukturen getüftelt. Es ist kein Geheimnis, dass der Industrieversicherungsmarkt unter einem enormen Druck steht und langfristige Lösungen hermüssen. Tools und Prozesse effizient gestalten, lautet das auf Führungsebene ausgegebene Ziel an das 60-köpfige Team. “Das ist sicherlich eine Herausforderung beim Aufbau einer Industrieversicherungseinheit und die Gestaltung und Etablierung neuer Prozesse ist kein leichtes Geschäft.”

Generali Global Corporate & Commercial hat beim Start 2016 nach eigenen Angaben genau darauf geachtet, mit ausgewogenen Kapazitäten zu agieren – obwohl die Industriesparte mit Blick auf die Profitabilität zu den wohl anspruchsvollsten Geschäften zählt. Im Jahr 2020 lag die Combined Ratio im Produktmix bei rund 92 Prozent. In einer schwierigen Marktsituation wie heute sei es wichtig, angebotene Kapazitäten und Produkte ausgewogen zu bepreisen, betont Klebe. Genutzt werden dafür globale Tarifierungstools und Risikodaten.

Offensive im Cybergeschäft

Indes hat die Digitalisierung durch die Corona-Pandemie weltweit einen mächtigen Schub erhalten. Eine negative Begleiterscheinung: Das Risiko von Cyber-Angriffen stieg an. Generali will von dieser Entwicklung profitieren, baut aktuell für industrielle Kunden das Angebot aus und will ab dem nächsten Jahr im Führungsgeschäft für Cyber-Versicherungen antreten. “Mit speziell ausgebildeten Underwritern und Risikoingenieuren werden wir ein maßgeschneidertes Versicherungsprodukt an den Markt bringen”, kündigt Klebe an. “Mit individuellen Versicherungslösungen kann man hier einen deutlichen Mehrwert für die industrielle Kundschaft bieten: Allerdings sollte allen Beteiligten klar sein, dass die Bedrohungslage aus Cyber-Risiken sehr dynamisch ist. Versicherer und Kunden müssen hier gegebenenfalls in einem kurzen Rhythmus Risikoerfassung und Produktangebot überprüfen und anpassen. Allein die Bewältigung des sogenannten Silent Cyberrisikos stellt für ein größeres Versicherungsportfolio eine Herausforderung dar.”

Konsolidierungsphase

Das Industriegeschäft befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Versicherer legen mehr Wert auf Risikokenntnis, Risikobegleitung und Verbesserung. Produktgestaltung wie auch die Tarifierung der Risiken sind stark vom Risikomanagement der Industriekunden abhängig. “Versicherer, die den konsequenten Weg dieser Risikobegleitung gehen, werden es schaffen, ein nachhaltiges Produktangebot zu angemessenen Preisen anbieten zu können”, glaubt Klebe.

Der Generali-Manager beobachtet einen starken Fokus im internationalen Geschäft, global tätige Kunden in ihren Aktivitäten zu begleiten. Neben einem belastbaren Netzwerk zählen vor allem technisches wie fachliches Know-how. Auch neue Produkte nimmt das Unternehmen ins Visier: Hoffnungen, das Unversicherbare versicherbar zu machen, gibt es etwa in der parametrischen Versicherung.

“Die Industrieversicherer haben die Aufgabe, die Wirtschaft in der Bewältigung ihrer Risiken zu begleiten. Das wird auch so bleiben, denn viele Unternehmen können ihre Risiken auch in der Zukunft nicht ohne externe Unterstützung tragen”, erklärt Klebe. “Die Versicherung ist ein systemrelevantes Produkt, das Innovationen ermöglicht und Werte absichert.”

Autor: Michael Stanczyk

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