Finanztest: Makler-Apps von Wefox Knip und Co. können alles, nur nicht beraten

Quelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Diesen Test werden Makler lieben. Die Zeitschrift Finanztest hat Makler-Apps von erfolgreichen Jungunternehmen getestet und ein vernichtendes Urteil gefällt. Die Beratung per App ist im besten Fall noch befriedigend (Verivox) oder sogar mangelhaft (Clark). Über die Gesamtnote befriedigend kommt kein Unternehmen hinaus.

Technik top, Beratung Flop; so lautet in etwa das Fazit von Finanztest zu den sechs getesteten Makler-Apps von Treefin, Wefox ,Clark, Knip, Verivox und Check 24.

Technische Aspekte wie Import der Verträge von Drittanbietern waren meist ebenso in Ordnung, wie die AGB und Nutzungsbedingungen ,Ausnahme Wefox und Verivox. Die Informationen zu Maklermandat – und Vollmacht wurden von den Unternehmen ebenfalls erfüllt. Auch die Datenschutzerklärungen und Informationen über den Maklerstatus (außer Verivox) waren in Großen und Ganzen zufriedenstellend. Alle diese Kategorien flossen neben der Beratung, die am stärksten gewichtet wurde, in die Endnote von Finanztest ein.

Beim Datesendeverhalten fielen alle Getesteten durch. Es wurden Daten mitgesendet, die für die Nutzung der App „nicht notwendig“ waren, bemängelte Finanztest. Dieser Punkt floss aber nicht mit in die Endbewertung ein.

Das technische Kleinklein war also zufriedenstellend, aber ein Makler wird für seine Beratung vergütet, nicht für die technische Ausstattung.  Das Urteil ist harsch. „In den Chats war von systematischer Bedarfsanalyse kaum eine Spur“ zu finden, schreiben die Tester.

Dem Makler Knip unterlief beispielsweise ein „Kardinalfehler, indem er die Police eines Testkunden widerrief, obwohl er sich nicht dahingehend geäußert hatte. Ob ein Haftpflichttarif passend sei, beantwortete ein Check24-Berater mit : „Für so genaue Antworten ist das hier nicht gedacht“. Überhaupt fanden es die Tester schwierig herauszufinden, ob hinter einem Chat Mensch oder Maschine stecken. Ob das ein Lob für die eingesetzte KI oder ein No-Go ist, obliegt dem eignen Urteil.

Unzweifelhaft ist, dass die Beratungsleistung der Makler-Apps nicht den Anforderungen von Finanztest genügte. Zwei Mal knapp befriedigend für Verivox und Treefin, drei Mal ausreichend für Check24, Knip und Wefox – letztgenanntes Unternehmen mit der Note 4,5. Der letzte in der Kategorie Beratung war Clark, mit 4,6, also mangelhaft.

Offenbar muss die digitale Revolution vorerst noch abgeblasen werden. Laut dem Test sind digitale Lösungen noch nicht in der Lage, die Beratung des Menschen adäquat zu ersetzen. Oder waren die Anforderungen von Finanztest schlicht zu hoch, schließlich ist auch ein menschlicher Makler keineswegs fehlerfrei.

Zwei Kritisierten sprechen, zwei verstummen

Die Unternehmen akzeptieren die Kritik und geben sich selbstbewusst eigenkritisch. „Dass die Tester nur befriedigende Erfahrungen gemacht haben, ist bedauerlich, da es selbstverständlich nicht unserem Anspruch entspricht. Ferner möchten wir erwähnen, dass der Test bereits im späten Frühling startete. Seither haben wir uns weiterhin intensiv damit beschäftigt, die Prozesse in der Beratung zu verbessern“, schreibt der Gesamttestsieger Treefin.

Die grundsätzliche Kritik an den Apps könne das Unternehmen „so nicht teilen“. In der eigenen Anwendung sei eine Bedarfsanalyse beruhend auf den Kunden-Angaben eingebaut. „Damit kann sich der Nutzer Transparenz über seinen Versicherungsbedarf verschaffen und erkennt so, welche Verträge sinnvoll oder überflüssig sind.“ Treefin freut sich über den Testsieg, der „kritische Blick der Stiftung Warentest“ sporne an, in der Beratung noch besser zu werden und „etwaige Zweifel zu beseitigen“.

Das für seine Beratung heftig kritisierte Unternehmen Clark will ebenfalls besser werden kritisiert aber auch die Tester. „Der von Stiftung Warentest/Finanztest vorgenommene Test bezog sich auf einige wenige Testszenarien. Es ist schwierig, ein Produkt samt aller Beratungs- und Serviceleistungen anhand von wenigen Testszenarien und Tests in der Gesamtheit zu beurteilen.“

In einer ähnlich gelagerten Begutachtung im Jahr 2017 habe Clark eine Gesamtnote von 2,2 sowie in der Beratungsleistung eine 2,6 erhalten. Insgesamt wäre der Test 2017 deutlich positiver, während der aktuelle Test „durchweg negativ ausfällt“. Worauf diese Differenz basiere, sei aus dem vorliegenden Artikel zum Test nicht „im Detail herauszulesen“, da nur einige wenige Beispiele erwähnt werden.

Doch Clark bemängelt nicht nur Test und Tester, sondern übt auch Selbstkritik. „Die Bewertung entspricht nicht unserem eigenen Anspruch und angesichts von gutem Kundenfeedback bei diversen Bewertungsportalen auch nicht der Realität.“

Die Frankfurter nehmen das Ergebnis „ernst“. Im Sinne der Transparenz und besseren Analyse habe das Unternehmen die detaillierten Testergebnisse bei der Stiftung Warentest angefordert. Zudem wurde bereits vor Monaten ein neuer Prozess zur „Verbesserung des Nutzererlebnisses eingeführt“.

Wenn Sie gerne wissen möchten, wie Wefox und Knip zu dem Test und ihren Ergebnissen stehen, geht es Ihnen wie VWheute. Beide Unternehmen wurden angefragt, äußerten sich aber nicht zum Sachverhalt. Kein Zeugnis von Souveränität.

Da der Test ein schlechtes Bild auf die Makler-Apps wirft, wären Antworten der beiden Unternehmen sicherlich erhellend gewesen. Umso erfreulicher, dass mit Clark und Treefin zwei Unternehmen sich der Kritik nicht nur stellen, sondern diese begrüßen und als Antrieb für Verbesserungen nutzen möchten. Mit diesem Geist können die Makler-Apps bei der nächsten Begutachtung nur besser abschneiden, denn dass die technische Entwicklung voranschreitet, wird wohl niemand bestreiten.

Der kompletten Test der Kollegen von Finanztest.

Autor: VW-Redaktion

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