Carolin Gabor und Joonko: Wer ist die Frau, die den Kfz-Markt aufmischen will?

Carolin Gabor. Quelle: Joonko

„Gabor“ ist eine ungarische Form des biblischen Namens Gabriel und bedeutet aus dem Hebräischen hergeleitet „der starke Mann“ oder kurz „Mann Gottes“. Im Falle von Carolin Gabor, Managing Partner und Chief Commercial Officer – wohl demnächst mit ganz neuen Aufgaben – beim Fintech-Unternehmen Finleap mit Sitz in Berlin, könnte die zeitgemäße Übersetzung wohl eher auf „die starke Frau“ hinauslaufen.

Denn Carolin Gabor ist nicht nur Managerin einer der erfolgreichsten Venture Capital Unternehmen in Deutschland, 700 Mitarbeiter aus 60 Nationen im fünften Jahr nach Gründung des Unternehmens sprechen für sich, sondern als Gründerin von Fintexx – woman in finance auch zusätzlich in der Entfaltung von „female Leadership“ im Finanzsektor engagiert. Doch das ist jedoch nur eine ihrer zahlreichen Aktivitäten, die der Shooting Star der Finanzbranche – Starlet verbietet sich aus diversen Gründen – in den letzten Jahren entwickelt hat.

Consulting als Rüstzeug für den späteren Chefsessel

Den Grundstein für ihre Karriere hat die 42-jährige Mutter zweier schulpflichtger Töchter nach dem Abitur mit dem Studium der Betriebswirtschaftlehre zuerst an der Universität in Augsburg und später an der renommierten Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen (RWTH Aachen) gelegt. Dort wurde Carolin Gabor nach ihrem Bachelorstudium für ihre Disseration mit dem Titel „Marketing Controlling in jungen wachstumsstarken Unternehmen“ promoviert.

Erste Einblicke in die Finanzbranche gewinnt die junge Berufseinsteigerin bei der Boston Consulting Group wo sich Gabor in einem zehnjährigen Engagement nicht nur das praktische Rüstzeug für die späteren Chefsessel aneignet, sondern sich dabei insbesondere auf den Bereich Finanzdienstleitungen und Merger & Acquisitions spezialisiert. Nach einem Intermezzo bei der Deutschen Bank, wo sich Gabor die Frage stellte Bank oder Tech-Unternehmen, entschied sie sich für letzteres und wird zum 25. August 2014 Managing Director beim Neuwagenportal Autohaus24, einem Joint Venture von Axel Springer und Sixt.

Als Geschäftsführerin verantwortete sie mit 37 Jahren das operative Geschäft des in Berlin ansässigen Online-Vermittlers. Davor war sie zuletzt noch Geschäftsführerin des Vergleichsportals Toptarif.de. Mit dem erfolgreichen Verkauf der beiden Marken an Verivox bzw. die Sixt Leasing AG lieferte Carolin Gabor ihr Meisterstück in Sachen FinTech Start-up ab und stieg im Mai 2016 als Managing Partner bei Finleap ein. Da war Finleap, 2014 von der HitFox Group und Ramin Niroumand gegründet, selbst erst zwei Jahre alt und hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Ventures entwickelt und den Markteintritt ermöglicht.

Darunter so illustre Namen wie z.B. die SolarisBank, eine der ersten Banking-Plattformen mit Vollbanklizenz, oder Element, ein vollständig digitalisierter Versicherer, oder Clark der persönliche Versicherungsmanager, sowie schließlich die B2B2X-Plattformen Finreach Solutions und Infinitec Solutions für „kontextuelles Finanzwesen“, wie es in der Selbstbeschreibung hieß.

Mittlerweile hat sich Finleap, neuesten Nachrichten zufolge, einen radikalen Umbau verschrieben und baut sein Fintech-Imperium vollständig um. Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht die Gründung einer neuen Einheit namens „Finleap Connect“, unter deren Dach gleich mehrere bestehende Unternehmen aus dem Portfolio zusammengeführt werden, wiegut informierte Branchendienste jüngst meldeten. Mit dem Umbau gingen auch weitreichende personelle Veränderungen einher, die auch Carolin Gabor betrafen. Erst im Juni dieses Jahres erreichte die Finanzbranche die Nachricht, das Finleap für ein neues Vergleichsportal, welches Check24 direkt Konkurrenz machen soll, bis zu 40 Millionen Euro Venture Capital einsammeln will. Zusammen mit dem chinesischen Versicherungskonzern Ping An plant Finleap demnach ein Vergleichsportal für Finanzprodukte aufzubauen.

Ein Vorbild für alle Frauen

Wer Carolin Gabor, die bei ihren Auftritten gern einen dezent femininen Business-Look bevorzugt, zuhört, erlebt eine durchsetzungsbewusste und gewinnende Gesprächspartnerin, die weiss was sie sagt und es als Schnell-Sprech-Denkerin auch vor der Kamera oder auf offener Bühne oder im einzelnen Gespräch gestenreich zu kommunizieren weiss. Keine Frage, diese Frau hat keine Förderung und keine Qute nötig, Gabor hat sich selber durchgesetzt und dahin gebracht wo sie heute ist. Trotzdem engagiert sich Carolin Gabor intensiv für Frauen in Führung bzw. Frauen in der Finanzbranche. Im Sommer 2016 stieß sie zur Initiative „Fintech Ladies Europe“, die nun in der eingangs erwähnten Fintexx – woman in finance Initiative mündet.

Ganz aktuell wird die im Herbst des Jahres in München stattfindende Messe für weibliche Führungskräfte „her Career“ unterstützt und in diesem Zusammenhang erklärt Gabor, jedem konfrontativen Stil abhold: „Männer wie Frauen müssen an denselben Visionen und Unternehmenszielen arbeiten und schaffen somit einenen gemeinsamen Erfolg. Wichtig ist, dass das Gleichgewicht stimmt.“ Das klingt einfacher als es in der Realität ist. Regelmäßig ist sie immer noch allein auf weiter weiblicher Flur und das betrifft regelmäßig auch die als hip und modern codierten Start-up-Unternehmen. Dass in der Szene bislang relativ wenig Frauen nicht nur bei Start-up-Unternehmen kaum in Erscheinung treten kann Gabor nicht nachvollziehen. Vielleicht passt der Job nicht zur Familienplanung und ist als „Zeitfresser“ verschrieen.

Zumindest Carolin Gabor hat für sich selbst aber schon die Work-Life-Balance gefunden. In einem Interview sagte dazu: „In der Start-up-Szene ist es sehr viel leichter, Familie und eine Fühnrungsrolle zu vereinbaren, als bei einem Großkonzern. Anders als bei solchen Unternehmen gebe es gerade bei jungen Techfirmen eben keine Präsenzkultur, wie Gabor unterstreicht. Sie gehe jeden Abend pünktlich nach Hause. „Von 18 bis 20 Uhr ist Familienzeit“. Erst wenn die Kinder im Bett liegen geht es weiter – mit der Arbeit für den kommenden Tag. „Frauen brauchen mehr Erfolge, um zu sagen, jetzt trau ich mich, den Chefposten zu übernehmen“, ist sich die geborene Unternehmerin sicher. Gerade einmal dreizehn Prozent der Gründer von Start-ups sind Frauen. Auch in ihrem Engagement als Mitglied des „Womans Council der HypoVereinsbank“ versucht Gabor ihre Expertise zum Nutzen weiblicher Nachahmer einzusetzten.

Gabor, die sich als „Company-Builder“ versteht (Neudeutsch für Inkubator), sucht u.a. neben einem „Co-Founder Finleap Venture“ derzeit noch einen „Head of Product“ und einen „Head of Operations“. Das hört sich vielversprechend an. Bei Finleaps, die neue Firmen auf die Rampe schieben wie andere Unternehmen Modekollektionen scheint wieder etwas in der Pipeline zu stecken. Vielleicht sucht ja gerade ein/e „Head“ einen neuen Tätigkeitsbereich im Bereich Vergleichsportal. Organisationstalent, Ausdauer und Kompetenz muss jede/r selbst mitbringen. Spannende Erfahrungen gibt es gratis und, wenn es gut läuft, einen ordentliches Salär obendrauf. Doch davor steht harte Arbeit, für die sich auch ein CEO im Chefsessel nicht zu schade sein darf. Wenn es sein muss, sind die Ärmel hochzukrempeln und gemeinsam mit dem Team auf der Ruderbank zu ackern.

Autor: Alexander Kaspar

Das vollständige Profil über Carolin Gabor lesen Sie in der September-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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