Generali auf Tauchstation: Was macht eigentlich Giovanni Liverani?

Wollen beide gerne die Nummer 1 sein: Tennisspielerin Angelique Kerber und Generali Deutschland-Chef Giovanni Liverani bei der Vorstellung ihrer Werbekooperation im Mai 2017. (Quelle: ak)

Nein, die Schlagzeilen der letzten Jahre waren nicht gut für die Generali: „Generali Deutschland drosselt Geschäft“ (Handelsblatt), „Generali Deutschland zieht um und streicht Stellen“ (Der Standard) oder „Schock für Millionen Kunden – Generali verkauft Lebensversicherungssparte“ (n-tv). Normalerweise reichen solche Nachrichten aus um das Vertrauen der Kunden in Deutschland nachhaltig zu beschädigen. Doch all diese Stürme haben die Italiener gut verkraftet, ihrem Deutschland-Chef Giovanni Liverani sei Dank. Heute hat sich dessen Image gewandelt, vom Buhmann keine Spur, durchgesetzt hat sich der erfolgreiche Sanierer.

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man dem am 1. Juni 1964 im friaulischen Udine geborenen Liverani ganz und gar nicht vorwerfen: „Unsere Lösung ist eine Blaupause für den gesamten Markt“ kommentierte der frühere Leistungssportler und heutige Langstreckenläufer den umstrittenen Verkauf der Lebensversicherungspolicen an den Run-off Spezialisten Viridium nachdem die Bafin 2018 dazu ihr Placet gegeben hatte.

Ein Jahr später legte Liverani nach als er mit Blick auf die Pläne für den deutschen Markt vollmundig verkündete: „Unser Ziel ist es, die Nummer eins in profitablem Wachstum, Innovation, Kundenservice und so zum lebenslangen Partner unserer Kunden zu werden. Dafür haben wir die Generali in Deutschland mit unserer industriellen Transformation in den vergangenen drei Jahren hervorragend aufgestellt und treiben damit als Vorreiter die globale Gruppenstrategie ‚Generali 2021‘ voran.

Offensive Kampfansage an die hiesigen Platzhirsche

Solche Sätze sind nicht nur als Kampfansagen an die hiesigen Platzhirsche von Allianz, Axa, Zurich und Co zu verstehen, sondern sie sind auch für die stets um Zurückhaltung und Diskretion bemühten Manager einer höchst konservativen Wirtschaftsbranche ungewöhnlich offensiv. Doch mit Zurückhaltung lassen sich keine Marktanteile gewinnen und komplexe Konzernumbauten bewältigt man so schon gar nicht.

Wer mit Giovanni Liverani, der jüngst seinen 55. Geburtstag feiern konnte, ins Gespräch kommt, erlebt einen stets sehr aufmerksamen Zuhörer, der für italienische Verhältnisse in nahezu perfektem Deutsch seine Position und Vorstellung sanft, leise und dennoch mit großer Bestimmtheit vorträgt. Hager-graumeliert repräsentiert Liverani durchtrainiert den asketischen Managertyp moderner Prägung, der jedoch – hier wieder ganz Italiener – auch ein Familienmensch durch und durch ist.

Geduld, Ausdauer und Kondition braucht der Langstreckenläufer Liverani nicht nur bei seiner Lieblingsdisziplin dem Orientierungslauf, sondern auch bei dem Konzernumbau der Generali, den er als „wichtigen  Meilenstein“ in der Unternehmensgeschichte gelobt hat. Dabei gilt es die Kräfte einzuteilen, denn in der Außendarstellung beim Publikum und der Kundschaft hat sich das Unternehmen zwar stabilisiert, doch im inneren rumort es noch kräftig.

Der Betriebsrat verlangt eine Reduzierung der Geschwindigkeit beim Umbau, schließlich solle man sich mehr mit den Kunden als mit sich selbst beschäftigen. Doch all dies ficht Liverani nicht an, ein Mann geht seinen Weg und er trifft auch seine Entscheidungen gern allein, z. B. beim Joggen wie er im Interview Runner´s World bekundet: „Aber besonders wichtig ist mir tatsächlich, dass ich beim Laufen klare Gedanken fassen kann. Ich bin beim Laufen sehr kreativ und bekommen unterwegs viele gute Ideen, treffe auch Entscheidungen, deshalb bevorzuge ich es auch, alleine zu laufen.“

Noch lange nicht am Ende des Weges

Ganz offensichtlich waren es für die Generali gute Ideen, die Giovanni Liverani da am Hochufer der Isar, seiner bevorzugten Laufstrecke im Münchener Süden, hatte. Weniger Marken, weniger Stellen, kein Lebengeschäft und keinen eigenen Vertrieb, denn den hat die DVAG übernommen, das waren wohl die Voraussetzungen für die positiven Zahlen, die das Unternehmen in den letzten zwei Jahren kommunizieren konnte. Aber der Weg ist noch lang und noch nicht zu Ende gegangen.

Nicht auszuschließen, dass sich hier einer warmläuft und mit der erfolgreichen Sanierung des Deutschlandgeschäfts für höhere Aufgaben im Konzern empfehlen möchte. In Mailand und Triest, den beiden Hauptsitzen des italienischen Riesen, verfolgt man Liveranis Wirken gewiss mit Wohlgefallen und was hierzulande funktioniert hat, geht auch weltweit.

Autor: Alexander Kaspar

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