Frauen sind deutlich skeptischer gegenüber KI-Finanzberatung

Bildquelle: Mohamed Hassan / Pixabay

Beim Thema Geld und Künstliche Intelligenz zeigt sich in Deutschland ein deutliches Geschlechtergefälle: Während Männer einer KI-basierten Finanzberatung spürbar aufgeschlossener gegenüberstehen, zeigen Frauen beim Einsatz automatisierter Systeme erhebliche Vorbehalte. Das offenbart eine aktuelle OVB-Studie, durchgeführt vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos unter 1.000 Befragten in Deutschland.

Während sich immerhin 42 Prozent der Männer vorstellen können, auf Grundlage einer KI-Empfehlung Geld anzulegen, lehnt eine Mehrheit von 51 Prozent der Frauen solche Algorithmus-Investments entschieden ab. Lediglich gut jede vierte Frau würde sich auf eine reine KI-Anlageempfehlung einlassen. Ein zentraler Grund für dieses Misstrauen liegt im menschlichen Faktor: 46 Prozent der Frauen befürchten den Verlust des persönlichen Kontakts, verglichen mit 38 Prozent der Männer. Für Frauen stehen nachvollziehbare Informationen sowie die individuelle Berücksichtigung der eigenen Lebenssituation im Mittelpunkt selbstbestimmter Entscheidungen.

Über alle Geschlechter hinweg hat sich KI in Deutschland zwar längst als Erstinformationsquelle etabliert – mehr als die Hälfte der Bundesbürger hat entsprechende Anwendungen bereits für Finanz- oder Versicherungsthemen genutzt. Dennoch dient die Technologie primär dem Wissensaufbau, der Orientierung und der Produktrecherche. Sobald verbindliche Weichenstellungen anstehen, stößt die künstliche Intelligenz an ihre Grenzen: Drei Viertel der Befragten vertrauen bei wichtigen Finanzentscheidungen weiterhin bevorzugt oder ausschließlich einem Menschen. Hauptgründe für die anhaltende Skepsis sind Sorgen vor Fehlberatungen, mangelnder Berücksichtigung der persönlichen Situation und Datenschutzrisiken.

Der größte Beratungsbedarf besteht nach wie vor bei langfristigen Zukunftsfragen wie der Altersvorsorge sowie dem Vermögensaufbau. Verlangt werden verständliche Produkterklärungen, eine langfristige Begleitung und schneller, kompetenter Service. Verbraucher betrachten Mensch und Technologie dabei selten als Widerspruch, sondern setzen zunehmend auf hybride Modelle: Mehr als ein Drittel bevorzugt eine menschliche Beratung mit technologischer Unterstützung, und ebenso viele geben an, einem speziell für KI-Systeme zertifizierten Berater ein höheres Vertrauen entgegenzubringen. KI übernimmt somit die Rolle des intelligenten Vorbereiters, während der Mensch für die Einordnung und das Vertrauen unersetzlich bleibt.

Immer mehr Studien erscheinen, die Auswirkungen des KI-Einsatzes auf die Versicherungsberatung untersuchen. Eine hohe Offenheit für den Einsatz solcher KI-Anwendungen in der Versicherungs-Customer-Journey attestiert etwa die Studie Professor Dr. Florian Elert, VWheute berichtete.

Autor: VW-Redaktion