Historische Bilanz: Rückversicherer melden 2025 Rekordkapital, doch der Markt dreht sich
Hôtel de Paris in Monte-Carlo. Bildquelle: cpt
Die globale Rückversicherungsbranche blickt auf ein außergewöhnlich gutes Jahr 2025 zurück. Wie aus einem aktuellen Bericht von Gallagher Re hervorgeht, verzeichnete der Sektor eine historisch hohe Rentabilität sowie kräftiges Kapitalwachstum. Das gesamte der Rückversicherung gewidmete Kapital kletterte auf einen neuen Höchststand von 648 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Zuwachs von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr und markiert das zweitstärkste Wachstumsjahr für das Branchenkapital innerhalb des letzten Jahrzehnts.
Getragen wurde die Entwicklung von starken einbehaltenen Gewinnen im traditionellen Rückversicherungssegment sowie von historischen Zuflüssen im Bereich des alternativen Nicht-Leben-Kapitals. Das letztgenannte Segment erlebte im Jahr 2025 einen historischen Boom und schoss um 18 Prozent auf insgesamt 135 Milliarden US-Dollar hoch.
Auch die Rentabilität der Unternehmen erreichte Spitzenwerte. Das von Gallagher Re beobachtete Rückversicherungs-Composite, das die Performance der weltweit führenden Rückversicherer abbildet, wies für das Jahr 2025 eine Eigenkapitalrendite (ROE) von satten 19,3 Prozent aus. Neben ihrer operativen Ertragskraft profitierte die Branche vor allem von einer vergleichsweise milden Schadenbilanz bei Naturkatastrophen.
„2025 war ein Meilenstein-Jahr für die Rückversicherungsbranche, in dem die Rückversicherer ein historisches Niveau an Rentabilität und Kapitalwachstum erreichten“, ordnet Michael van Wegen, Head of International bei Gallagher Re Global Strategic Advisory, ein.
Für das laufende Jahr zeichnet sich allerdings eine leichte Normalisierung ab. Gallagher Re prognostiziert für das Composite eine immer noch sehr solide Eigenkapitalrendite von 14 bis 15 Prozent, falls sich die Schäden aus Naturkatastrophen im üblichen Rahmen bewegen und Erträge aus realisierten Kapitalgewinnen sowie Reserveauflösungen hinzukommen.
Das Wachstum des traditionellen Rückversicherungskapitals, das sich seit 2022 kumuliert um über 50 Prozent vergrößert hat, dürfte sich im Jahr 2026 auf etwa vier Prozent verlangsamen. Die Experten erwarten, dass sich weiterhin überschüssiges Kapital ansammelt, was die Platzierung und den effizienten Einsatz dieser Mittel in einem sich abschwächenden Marktumfeld erschweren könnte.
Die veränderten Marktbedingungen spiegeln sich bereits in den jüngsten Verhandlungsrunden wider. „Während die Rückversicherungsbranche mehrere Jahre mit außergewöhnlichen Renditen hinter sich hat, hat sich die Dynamik von Angebot und Nachfrage zugunsten der Käufer verschoben, wie die Nachlässe bei den Erneuerungsrunden zum 1. Januar und 1. April zeigen“, erklärt van Wegen. Trotzdem zeige sich die Branche widerstandsfähig, die Profitabilität soll 2026 deutlich über den Eigenkapitalkosten liegen.
Autor: VW-Redaktion
