Insurance Europe warnt vor zu engem Zuschnitt der EU-Investitionspläne
Foto: Philippe BUISSIN/ © European Union 2024 - Quelle: EP
Der europäische Versichererverband begrüßt die Zielsetzung der geplanten EU-Spar- und Investitionsunion (SIU), mehr Privatanleger an die Kapitalmärkte heranzuführen. Gleichzeitig kritisiert Insurance Europe den jüngsten Vorschlag der EU-Kommission: Der Fokus auf Spar- und Anlagekonten greife zu kurz, wenn Versicherer weder als Produktanbieter noch mit ihren Lösungen berücksichtigt würden.
Nach Ansicht des Verbands könnte eine breitere Einbindung der Assekuranz nicht nur die Auswahl für Verbraucher erweitern, sondern auch den Wettbewerb beleben und die Entwicklung innovativer Produkte fördern. Die Branche verfüge über ein weit verzweigtes Vertriebsnetz und pflege engen Kontakt zu den Kunden. Viele Sparer, die sich ohne Garantien nicht an Kapitalmärkte heranwagen würden, fänden über Versicherungen Zugang – abgesichert durch finanzielle Garantien und Versicherungsschutz.
Zudem biete die Versicherungswirtschaft ein breites Spektrum an Lebensversicherungs- und Rentenlösungen, die auf unterschiedliche Bedürfnisse und Risikoprofile zugeschnitten seien. Dadurch werde einer breiten Bevölkerungsschicht der Einstieg in kapitalgedeckte Anlagen erleichtert.
„Jeder EU-Spar- und Investitionsplan muss inklusiv sein“, erklärt Thea Utoft Høj Jensen, Generaldirektorin von Insurance Europe. „Versicherer sind aufgrund ihrer umfangreichen Vertriebsnetze und ihrer Produktpalette in einer einzigartigen Position, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Der Ausschluss von Versicherungen wäre auch eine verpasste Gelegenheit, zur Schließung der Rentenlücke in Europa beizutragen und Investitionen in den ökologischen Wandel zu lenken.“
Der Verband appelliert an die EU, die geplante Empfehlung so auszugestalten, dass sie nicht auf reine Kontoangebote beschränkt bleibt, sondern ein breites Spektrum an Anlage- und Versicherungslösungen umfasst.
Darüber hinaus verweist Insurance Europe auf die Bedeutung steuerlicher Anreize für Produkte mit gesellschaftlichem Mehrwert. Auch die Förderung der Finanz- und Versicherungsbildung sei zentral, um das Verständnis der Bürger für die verschiedenen Anlageformen zu verbessern und langfristiges Sparverhalten zu stärken.
Mit dem neuen Vorstoß arbeitet die Europäische Kommission an der Entwicklung eines europaweiten Rahmens für Spar- und Anlageprodukte. In einer offiziellen Stellungnahme schreibt die Behörde: „Neben den im Vergleich zu Einlagen voraussichtlich höheren langfristigen Renditen ist eine stärkere Beteiligung von Kleinanlegern aus der EU an den EU-Kapitalmärkten im Interesse der gesamten Union, da sie dazu beitragen kann, die Marktliquidität und die Verfügbarkeit marktbasierter Kapitalquellen für EU-Unternehmen, auch grenzüberschreitend, zu erhöhen.“
Erfahrungen in einigen Mitgliedstaaten hätten gezeigt, dass Spar- und Anlagekonten die Beteiligung von Kleinanlegern an den Kapitalmärkten steigern könnten, insbesondere wenn diese Konten mit geeigneten steuerlichen Anreizen einhergehen.
Die Tatsache, dass nicht alle Mitgliedstaaten Spar- und Anlagekonten eingeführt haben und einige Lösungen erfolgreicher waren als andere, bedeutet, dass Spielraum für EU-Maßnahmen in Form einer Empfehlung der Kommission vorhanden ist, berichtet die Kommission. Durch koordinierte Anstrengungen der Mitgliedstaaten könnten diese Ziele wirksamer erreicht werden als durch isolierte und unkoordinierte Maßnahmen.
Autor: VW-Redaktion
