Gebäudeversicherer zahlt 118.000 Euro, obwohl kein Versicherungsschutz besteht

Seit den 1980er-Jahren haben sich die Kosten für Leitungswasserschäden laut GDV verdreifacht. (Bildquelle: fran1/Pixabay)

Das OLG Karlsruhe hat in einem Urteil einen Gebäudeversicherer zum Schadenersatz verurteilt, obwohl im Zeitpunkt des Leitungswasserschadens keine Versicherungsprämien flossen. „Dieses Urteil zeigt, dass auch Versicherungsgesellschaften hohe Beratungspflichten haben können“, schlussfolgert Tobias Strübing, Fachanwalt für Versicherungsrecht.

Im Urteil vom 05.10.2023 zum Geschäftszeichen 12 U 66/23 muss ein Gebäudeversicherer 118.000 Euro und gegebenenfalls weitere Schäden zahlen, obwohl im Zeitpunkt des Leitungswasserschadens kein Versicherungsschutz mehr bestand.

Ex-Frau zahlt keine Versicherungsbeiträge

Ausgangspunkt des Rechtsstreites war die Scheidung zweier Eheleute. Diese hatten vereinbart, dass im Zuge der Scheidung das Eigentum an dem Wohnhaus von der Ehefrau auf den Ehemann übergehen soll. Die Ehefrau war auch Versicherungsnehmerin der Gebäudeversicherung. Lange vor der Eigentumsumschreibung im Grundbuch wandte sich der Ehemann daher an die Gebäudeversicherung und bat um Übertragung des Versicherungsvertrages auf ihn. Gegenüber dem Versicherungsvertreter äußerte er zudem die Befürchtung, dass seine Ex-Frau bis zur Eintragung im Grundbuch fällig werdende Versicherungsbeiträge nicht zahlen und dadurch der Versicherungsschutz gefährdet sein könnte. Trotz der so geäußerten Befürchtungen kümmerte sich der Vertreter nur um die Vertragsübernahme und die dafür erforderliche Zustimmung der Ex-Frau. Diese erfolgt ebenso wenig, wie die Zahlung der Versicherungsbeiträge. Die Gebäudeversicherung war im Zeitpunkt des Leitungswasserschadens aufgrund des Prämienverzuges daher leistungsfrei.

Eigene Police hätte empfohlen werden müssen

Allerdings haftet sie dem Kläger gemäß § 6 Abs. 5 Satz 1 VVG auf Schadenersatz. Das OLG führte hierzu aus, dass sich aus den geäußerten Bedenken ein hinreichender Anlass im Sinne von § 6 Abs. 1 VVG ergab, den Kläger auf die Möglichkeit zum Abschluss einer eigenen Gebäudeversicherung hinzuweisen. Laut dem OLG hatte der Kläger nämlich zum Ausdruck gebracht, dass er den Versicherungsschutz aufrechterhalten und dem Einfluss seiner Ex-Frau entziehen wollte. Gerade weil eine Vertragsübernahme von der Zustimmung der Ex-Frau abhing, hätte der Abschluss einer eigenen Gebäudeversicherung empfohlen werden müssen. Da Letzteres auch möglich war und beratungsgerechtes Verhalten vermutet wird, muss die Gebäudeversicherung nun doch für den Schaden aufkommen.

„Dieses Urteil zeigt, dass auch Versicherungsgesellschaften hohe Beratungspflichten haben können“, bewertet Tobias Strübing, Fachanwalt für Versicherungsrecht, das Urteil. „In Ausnahmefällen können solche Beratungspflichten sogar dann bestehen, wenn die Versicherung durch einen Makler vermittelt wurde. Daher sollten mit der Betreuung solcher Fälle immer Spezialisten beauftragt werden.“

Autor: VW-Redaktion

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