Hüther und Asmussen fordern „konzertierte Aktion“ gegen Megarisiken

Wie können Megarisiken begriffen und bekämpft werden. Bild von Adrian Malec auf Pixabay.

Auf Megarisiken wie Pandemien, Naturkatastrophen, Cyberangriffe und Terror ist die deutsche Gesellschaft nicht gut vorbereitet. Fortschritte könnten nach Einschätzung von Professor Dr. Michael Hüther konzertierte Aktionen bringen. Es brauche die Abstimmung unterschiedlicher Interessen und dies dürfe nicht allein wissenschaftsbasiert, sondern auch demokratisch legitimiert sein, so der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) beim 26. Kölner Versicherungssymposium der TH Köln Institut für Versicherungswesen (IVW Köln). Besorgt äußerte er sich über die langfristigen sozialen Schäden – z.B. Verluste bei Bildung und dem Sozialkapital – durch Corona.

Derartigen Abstimmungsprozessen schreibt auch GDV-Chef Jörg Asmussen Erfolg zu. Mit Ausnahme von Terror gelte es, bei Megarisiken vorzubeugen. Für Prävention brauche es aber vor allem Aufklärung, die im Zusammenspiel verschiedener Akteure effektiver sei.

Welche Lehren aus der Corona-Pandemie im Hinblick auf neue Risiken gezogen werden können, hat IVW-Köln Professor Horst Müller-Peters im Rahmen des Forschungsprojekts „Risikowahrnehmung – vor und nach Corona“ mit den Studierenden des dritten Semesters Master Risk und Insurance untersucht. Befragungen und Tests zeigen danach: „Wir leben in einer Welt, die extrem häufig mit Risiken und Wahrscheinlichkeiten zu tun hat, aber wir können sie nicht einschätzen. Risiken werden systematisch über- oder unterschätzen. Wir machen uns meist über die falschen Risiken Sorgen“, so Peters.

Menschen überfordert

Wie die Studierenden darlegten, hängen das Verständnis und die Wahrnehmung von Risiko über individuelle Dispositionen hinaus von Faktoren wie der Neuartigkeit, der Kontrollierbarkeit, der Freiwilligkeit, dem Katastrophenpotenzial, der räumlichen Tragweite, der Komplexität, der Vorstellbarkeit, der Verfügbarkeit von Informationen und der Gewohnheit ab. Allein schon exponentielle Effekte übersteigen das Vorstellungsvermögen der Mehrzahl der Bürger. Die Studierenden stellten fest, dass die breite Bevölkerung vor allem fokussiert auf eine aktuelle Krise schaut, sich dann aber an diesen Zustand gewöhnt und Angst nur temporärer Zustand ist. Gelernt werde nur spezifisch und nicht für das allgemeine Risiko. Eine grundsätzliche Resilienz sei nicht zu beobachten, so eines ihrer Fazits.

Bei ihrer Untersuchung von Modellen für den Risikotransfer von Großschadenereignissen kommen sie zum Schluss, dass ein von Erst- und Rückversicherern sowie dem Staat getragenes Public-Private-Partnership die meisten Vorteile biete. Nachteil eines solchen Modells sei jedoch, die Begehrlichkeit der Politik, den Wählern gefallen zu wollen und dann auch die Risikoexpertise der Versicherer übergehe. Erinnert wurde an die Aussagen der Politik 2017, für Hochwasserschäden nicht mehr aufzukommen, wenn sich die Flutopfer nicht vergebens um Versicherungsschutz bemüht hätten. Bei den Schäden durch die Sturzflut „Bernd“ leiste der Staat nun aber – und Versicherungsschutz werde dabei angerechnet, sodass Versicherte sogar noch schlechter stünden als unversicherte Flutgeschädigte.

Autor: Monika Lier

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