Strafprozess: Vergewaltigung und Übergriffe in einer Wuppertaler Versicherungs-Filiale?

Der ehemalige Hausmeister einer Versicherungs-Filiale in Wuppertal soll eine Mitarbeiterin des Reinigungsteams vergewaltigt haben. Bild: mohamed Hassan auf Pixabay

Weniges ist in dem Prozess eindeutig. Der ehemalige Hausmeister der Versicherungs-Filiale soll eine Mitarbeiterin des Reinigungsteams vergewaltigt haben. Laut mehreren Zeugen soll es bereits zuvor zu sexuellen Belästigungen wie unsittlichen Berührungen “am laufenden Band” gekommen sein. Auch die Frau des Hausmeisters soll verbal übergriffig geworden sein, sie war zugleich Assistentin des Filialleiters.

Der angeklagte Hausmeister soll das Opfer “mit Sekt in den Keller gelockt” haben, um sie dann zu vergewaltigen, schreibt die Wuppertaler Rundschau. Offenbar hatten auch andere Mitarbeiterinnen der Reinigungskolonne “immer wieder” die “aufdringlichen Grenzüberschreitungen” des Angeklagten zu ertragen. Am Ende sei auch die Chefin der Reinigungstruppe ein Opfer geworden.

Sie vertraute sich dem Geschäftsführer der Versicherung an, nachdem der Hausmeister ihr im Aufzug “sein Knie zwischen die Beine und seine Zunge in den Mund geschoben hatte”. Aus Angst vor Auftragsverlust und der Hoffnung auf einen größeren Auftrag im mehrgeschossigen Gebäude hatte sie bei den vorangegangenen Vorfällen “immer abgewiegelt”.

Der Filialleiter fand sich in einer misslichen Lage wieder, denn die Frau des Hausmeisters war seine Assistentin und gleichfalls Beschuldigte. Sie habe gegenüber den Opfern “anzügliche Angebote” getätigt, beispielsweise die Aufforderung zu einem “flotten Dreier”, lautet der Vorwurf.

Der Strafprozess

Der Richter soll Licht ins Dunkel bringen. Deswegen verwundert es nicht, dass der Geschäftsführer sich schließlich im Zeugenstand des Strafprozesses wiederfand. Sein Unwohlsein war ihm dabei “deutlich anzumerken”.

Er ist den Fall auf zwei Ebenen “schnell angegangen”. Die “Justiziarin des Unternehmens”  wurde eingeschaltet, die darauf gedrängt haben soll, dass das vermeintliche Opfer Anzeige wegen Vergewaltigung stelle. „Ich wollte das eigentlich nicht. Ich wollte nur noch meine Ruhe”, erklärte die Betroffene im Strafprozess.

Weiterhin habe er dem Angeklagten einen Aufhebungsvertrag vorgelegt. Dieser habe ihn ebenso wie seine Ehefrau “sofort unterschrieben”. Dennoch folgten “mehrere Prozesse vor dem Arbeitsgericht”.

Was aus seiner Sicht vorgefallen ist, darüber sprach der Angeklagte vor genau jenem Arbeitsgericht. Statt einer Vergewaltigung sei der Sex einvernehmlich gewesen, denn er habe eine Affäre mit dem (potenziellen) Opfer gehabt. Die Betroffene habe die vermeintliche Vergewaltigung erst als “Schutzbehauptung” nach einem Jahr und aus Angst vor einem Streit mit ihrem Ehemann gegenüber dem Filialleiter erklärt. Im Gegensatz zu der Vergewaltigung bestreitet der Angeklagte die Übergriffe allerdings nicht.

Der Fall hat straf- wie gesellschaftliche Aspekte. Neben den sexuellen Vergehen behandelt der Prozess die Frage, wie Personen ihre “Machtposition” gegenüber sozial schwächeren Gruppen ausspielen können.  

Der Anwalt des Hausmeisters soll bei Arbeitsgerichtsprozess “sehr forsch” gegen den Versicherer als ehemaligen Arbeitgeber und das (potenzielle) Opfer vorgegangen sein. Die Frau sollte 37.000 Euro zahlen, wenn sie weiterhin behaupte, “dass der Hausmeister sie sexuell belästigt habe”.

Ein Urteil steht noch aus und wird am 2. September 2021 erwartet.

Autor: VW-Redaktion

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