Standortbestimmung: Wie attraktiv ist die Lebensversicherung heute?

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Was ist bei niedrigen Zinsen heute noch der Wert einer kapitalbildenden Lebensversicherung? Was ist ihr USP, ihre Unique Selling Proposition? Ist es eine bestimmte Garantie, gar in einer quasi naturgesetzlich definierten Höhe? Sicher nicht. Sie war immer schon variabel, abhängig vom jeweiligen Zinsniveau. Eine Analyse von Peter Schwark.

Denn aus diesem folgte der sogenannte Höchstrechnungszins, also der Zins, der in versicherungsmathematischen Berechnungen von Prämien und garantierten Leistungen maximal verwendet werden darf. Dieser lag im letzten Jahrhundert durchgängig bei mindestens drei Prozent, teilweise sogar bei 3,5 oder vier Prozent. Seit dem Jahr 2000 ist er jedoch stetig gefallen, auf zuletzt noch 0,9 Prozent.

Auch die Attraktivität einer Lebensversicherung ist immer in der jeweiligen Zeit zu beurteilen. Wirkt ein Zins von vier Prozent heute sehr hoch, so erschien der gleiche, gerne als Garantiezins titulierte Höchstrechnungszins vielen Beobachtern Mitte der 90er-Jahre eher niedrig. War der garantierte Beitragserhalt um das Jahr 2000, als Riester-Rente und Beitragszusage mit Mindestleistung erfunden wurden, gemessen am damaligen Zinsniveau von fünf Prozent eine niedrige Minimalabsicherung, so ist das gleiche Garantieniveau in Zeiten negativ verzinster Bundesanleihen mehr als ansehnlich. Denn immer mehr Banken erheben für Tagesgeld einen Negativzins. Die Garantie eines bestimmten Zinssatzes ist dementsprechend keine paradigmatische Konstante einer Lebensversicherung jenseits derer diese aufhört zu existieren.

Der Kern der Lebensversicherung ist vielmehr ein abstraktes Prinzip, das Prinzip des Risikoausgleichs. Dessen konkrete Ausgestaltung folgt immer der jeweiligen Zeit, insbesondere den Realitäten an den Kapitalmärkten. Der Risikoausgleich in der Gemeinschaft der Versicherten und über die Zeit, zwischen den verschiedenen Jahrgängen an Versicherten, ist unabhängig von einem bestimmten Zinsniveau oder einem bestimmten Marktumfeld.

Aber auch in der Ansparphase kann der Lebensversicherer seine Stärken weiter ausspielen. Als langfristiger Kapitalanleger hat er ein rollierendes Anlageportfolio mit vielen Anlagezeitpunkten und damit unterschiedlichen Zinscoupons oder Einstiegskursen. Durch konservative Bilanzierung, atmende Bewertungsreserven und Nutzung kollektiver Risikopuffer wie der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) werden die Erträge für alle Kunden geglättet. Die Volatilität einzelner Ein- und Auszahlungszeiträume wie bei individuellen Wertpapierdepots wird gemindert, ein großer Teil des Risikos wird aus Kundensicht effektiv reduziert.

Dieses Ausgleichsprinzip kennt man auch bei Talsperren, etwa um die Wasserversorgung eines darunter liegenden Ballungsraumes zu sichern, über die jahreszeitlichen Schwankungen von Regenfällen hinweg, aber auch um einzelne besonders trockene Jahre zu überstehen. Wenn jetzt vor dem Hintergrund von Mitteilungen einzelner Lebensversicherer, künftig in ihren Produkten den Erhalt der eingezahlten Beiträge nicht mehr automatisch zu garantieren, diskutiert wird, ob das nicht das Ende der Lebensversicherung sei, dann ist die Antwort ein klares Nein.

Autor: Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der neuen Januar-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Ein Kommentar

  • Gut auf den Punkt gebracht der Vorteil einer kollektiven Kapitalanlage mit Pufferung! Könnte noch stärker zur USP werden für die Rentenversicherung…
    Daneben können Versicherer aber auch schlicht in Anlagen investieren, die Kunden sonst unzugänglich sind: Immobilien, Private Equity, Infrastruktur inlkl. erneuerbare Energien, extrem lang laufende Anleihen, Hypothekendarlehen an Häuslebauer

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