Corona: Sind wir auf die bevorstehende Pandemie psychischer Gesundheitsprobleme vorbereitet?

Quelle: Bild von Tumisu auf Pixabay

Die gegenwärtige COVID-19-Pandemie betrifft Millionen von Menschen. Weltweite Lockdowns, Social Distancing, Isolation älterer und gefährdeter Menschen, Verluste von Arbeitsplätzen, gesundheitliche Ängste und Trauer verlangen der Weltbevölkerung einiges ab. Aber welche Schäden hat die psychische Gesundheit der Menschen dabei genommen?

Zeitbombe für die psychische Gesundheit – Gefahr einer nächsten Pandemie

Die Welt war auf Corona nicht vorbereitet. Doch auch die damit einhergehenden psychischen Nachwirkungen sind eine Herausforderung, die entsprechende Maßnahmen erfordert.

Während Regierungen auf der ganzen Welt damit beschäftigt sind, ihre Volkswirtschaften zu stützen, in der Hoffnung, eine unvermeidliche globale Rezession zu vermeiden, ist die Bevölkerung bei der Bewältigung des Stresses und der Angst, die das Virus in ihrem Leben verursacht hat, auf sich allein gestellt. Schon vor COVID-19 war die Zahl der Menschen, die an psychischen Problemen leiden, so hoch wie nie zuvor. Neun von zehn Personen (87 Prozent) weltweit sind entweder direkt oder indirekt von psychischen Problemen betroffen.

Da sowohl die Zahl der COVID-19-Fälle als auch die der Arbeitsplatzverluste steigen, geben 45 Prozent der volljährigen Befragten an, dass ihre psychische Gesundheit beeinträchtigt ist, wie aus einer kürzlich von der Kaiser Family Foundation in den USA durchgeführten Umfrage hervorgeht. Dieser Wert entspricht einem Anstieg psychischer Probleme um 13 Prozent in nur wenigen Wochen.

Die Ergebnisse ähneln den Resultaten der vom 14. bis 21. April 2020 durchgeführten COVID-19-Umfrage von Sentio Solutions zur psychischen Gesundheit. Dabei gaben über 60 Prozent der befragten US-Amerikaner an, dass ihr aktueller psychischer Gesundheitszustand heute schlechter oder deutlich schlechter ist als vor Beginn der Pandemie. Stress, Zukunftsängste sowie die Sorge, dass Familienmitglieder erkranken könnten, sind hierbei die Faktoren, die am meisten für Beunruhigung sorgen.

Dieser Anstieg psychischer Probleme wurde auch von der Disaster Distress Helpline der SAMHSA (Substances Abuse and Mental Health Services Administration) festgestellt, die seit Beginn der Pandemie einen Anstieg um 891 Prozent bei den Anrufen verzeichnet hat.

Weitreichenden Auswirkungen rechtzeitig gegenwirken

Die nächste Pandemie wird die psychische Gesundheit betreffen und es ist jetzt an der Zeit zu handeln, um, anders als im Fall von COVID-19, vorbereitet zu sein.

Experten gehen davon aus, dass vermutlich neue COVID-19-Infektionswellen mit anschließenden erneuten Lockdowns bevorstehen. Wenn psychische Probleme im Zuge solcher Beschränkungen und Social Distancing weiter zunehmen, werden Hunderte Millionen Menschen davon betroffen sein. Dies wird dazu führen, dass die begrenzten Ressourcen innerhalb des Gesundheitswesens stärker belastet werden als durch das Virus selbst. Denn die Nachfrage nach psychologischer Unterstützung übersteigt bereits jetzt das Angebot. Der Mangel an Kapazitäten bei Therapeuten führt dazu, dass Betroffene monatelang auf eine entsprechende Behandlung warten müssen.

Deshalb gilt es, vorbereitet zu sein und die psychische Gesundheit der Menschen zu unterstützen. Denn es werden nicht nur diejenigen betroffen sein, die bereits im Vorfeld mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten. Insbesondere bei älteren Menschen, Kranken, Eltern und Menschen in Extremsituationen, die beispielsweise ihren Arbeitsplatz verlieren, werden die Fallzahlen steigen.

Depressionen sind bereits heute, mit bis zu 400 Millionen verlorener Arbeitstage pro Jahr, weltweit Ursache Nummer eins für Arbeitsunfähigkeit, wobei allein mentale Dezifite und der Drogenmissbrauch US-Unternehmen jährlich 80 bis 100 Milliarden US-Dollar kosten.

Wie wird dieser Anstieg der Nachfrage nach psychosozialer Unterstützung gedeckt?

Die psychische Gesundheit sollte weder vernachlässigt noch als Luxus betrachtet werden, denn es ist erwiesen, dass für Regierungen, Arbeitgeber und Versicherungsgesellschaften medizinische Folgekosten in Milliardenhöhe anfallen, wenn psychische Probleme unbehandelt bleiben. Gegenwärtig werden Personen mit psychischen Erkrankungen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sechsmal häufiger in Notaufnahmen vorstellig.

Sie reichen zwei- bis viermal so viele medizinische Anträge ein, wobei Menschen, die an Depressionen leiden, durchschnittlich Anträge im Wert von 14.967 US-Dollar pro Jahr einreichen, verglichen mit 5.929 US-Dollar pro Jahr im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Ängste oder Depressionen verursachen eine um 60 Prozent höhere Mortalitätsrate und davon Betroffene sterben durchschnittlich acht Jahre früher als Bevölkerungsschichten, die nicht an psychischen Gesundheitsproblemen leiden.

Mangel an objektiven Daten zur psychischen Gesundheit

Das Problem besteht darin, dass es in der gegenwärtigen Krise schwierig ist, die Verfügbarkeit psychiatrischer Versorgung zu steigern. Denn diese entwickelt sich nicht im gleichen Tempo wie der übrige Gesundheitssektor. Die Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen sind seit vielen Jahren in der Lage, konkrete Informationen zur Messung und Verfolgung körperlicher Störungen zu nutzen. In der Diabetes-Gemeinschaft hat zum Beispiel der vermehrte Einsatz mobiler, objektiver Daten zur Entwicklung webbasierter Tools und mobiler Apps geführt. Auf diese Weise erhalten Patienten den Zugang zu allen relevanten Daten, die sie benötigen, um mit ihrer Erkrankung besser umgehen zu können.

Wenn es jedoch um Fragen der psychischen Gesundheit geht, fehlt es nach wie vor an objektiven Kennzahlen – ein großes Problem bei der Bekämpfung psychischer Gesundheitsprobleme. Doch Dank der technologischen Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz ist es heute möglich, Diagnosen und Behandlungen psychischer Defizite zu digitalisieren und den emotionalen Zustand einer Person mit Hilfe von Apps und Wearables kontinuierlich zu überwachen.

Datengesteuerte digitale Therapieprogramme läuten eine neue Ära psychischer Gesundheit ein

Der Zugang zu telemedizinischen Lösungen mit Echtzeitdaten zur psychischen Gesundheit und die Fernüberwachung von Patienten kann Gesundheitsdienstleistern dabei helfen, den Zugang und die Verfügbarkeit der mentalen Gesundheitsversorgung zu erweitern.

In ähnlicher Weise, wie Technologie die Behandlung von Diabetes erleichtert und dabei geholfen hat, die Überwachung und Kontrolle dieser Erkrankung zu erleichtern, sind die Feel-Programme von Sentio Solutions Basis für eine ähnliche Revolution in der geistigen Gesundheitsversorgung.

Das Flaggschiffprodukt des Unternehmens Feel ist ein ganzheitliches Programm zur psychischen Gesundheit. Mithilfe des Feel-Emotion-Sensor kann der mentale Zustand einer Person quantifiziert und dem Anwender rund um die Uhr emotionale Gesundheitsunterstützung geboten werden. Das Feel-Team lizenzierter Therapeuten erhält auf diesem Wege kontinuierlich Informationen über den emotionalen Zustand eines Nutzers, wodurch ermöglicht wird, diesem die bestmögliche Unterstützung auf Grundlage objektiver Daten zukommen zu lassen. Das Unternehmen hat darüber hinaus Feel Relief, ein neues, maßgeschneidertes und strukturiertes Programm für psychische Gesundheit, entwickelt, um der Nachfrage und dem Bedarf an emotionaler Hilfe während der COVID-19-Pandemie gerecht zu werden.

Sowohl Feel Relief als auch das Feel-Programm stützen sich auf kontinuierlich gesammelte, objektive Echtzeitdaten über den emotionalen Zustand einer Person. Durch die permanente Aufzeichnung sind geschulte Fachkräfte in der Lage, bei der Behandlung von Problemen bis zu viermal effizienter zu sein. Dadurch werden rechtzeitige Interventionen in Echtzeit ermöglicht und monatelange Wartezeiten auf therapeutische Unterstützung werden obsolet. Da die COVID-19-Krise nicht von heute auf morgen überwunden sein wird, gilt es deshalb vorbereitet zu sein, denn die Auswirkungen der Pandemie auf die physische und psychische Gesundheit der Menschen werden noch langfristig anhalten.

Autor: George Eleftheriou, CEO und Co-Founder von Sentio Solutions

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