Rentenreform: Streiks in Frankreich verursachen hohe Millionenschäden

Metrostation in Paris, Quelle: Pixabay

Es ist die längste Streikperiode in der modernen Geschichte Frankreichs. Busse, Bahnen und der Flugverkehr sind weitgehend lahmgelegt. Hoteliers und Gastronomen klagen über hohe Umsatzeinbrüche. Nun macht die Regierung Zugeständnisse und will auf die Einführung eines festen Renteneintrittsalters von 64 Jahren verzichtet.

Die Reformierung des Rentensystems ist eines der großen Wahlversprechen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Regierung will die Privilegien für bestimmte Berufsgruppen wie die Eisenbahner beim Rentenalter auf längere Sicht beenden und ein System schaffen, das für alle gilt. Momentan gibt es 42 Renten-Einzelsysteme.  Dagegen gehen die Menschen seit dem 5. Dezember auf die Straße bzw. bleiben von der Arbeit.

Das öffentliche Leben in Frankreich läuft daher deutlich langsamer, weil Züge nicht fahren oder Geschäfte wegen der Demonstrationen geschlossen sind. Verbraucher sind zurückhaltend im täglichen Konsum oder was größere Anschaffungen angeht. Aus dem Alltag berichtet Jürgen König, Korrespondent des Deutschlandfunks, dass die Franzosen üblicherweise gerne auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Rückfahrt nach Hause nicht direkt zur Metro gehen, sondern sich mit Freunden und Kollegen noch in einem Cafe treffen. Weil durch die Streiks man jetzt nicht mehr eine Stunde zur Arbeit und umgekehrt fahren muss, sondern zwei Stunden unterwegs ist, fällt der Cafe-Besuch aus.

Dementsprechend sind die Cafes ungewöhnlich leer, auch zur Mittagszeit. Manche Bar-Besitzer beklagen Umsatzeinbrüche um bis zu 60 Prozent. Insgesamt melden die Hotel-und Gaststättenverbande Buchungsrückgänge und Umsatzeinbußen von 20 bis 30 Prozent. Die französische Bahn meldete Verluste von 600 Mio. Euro infolge der Streiks. Bei den Pariser Verkehrsbetrieben ist von 100 Mio. Euro die Rede. Bei der Pariser Oper sind viele Vorstellungen ausgefallen, sodass sich der Schaden auf drei Mio. Euro summiert.

Die Regierung hat nun auf die Dauer-Proteste reagiert: Die Regelung, nach der die Franzosen erst mit 64 Jahren volle Rentenbezüge erhalten sollen, werde vorläufig aus der Gesetzesreform gestrichen, erklärte Frankreichs Premierminister Édouard Philippe. Die gemäßigte Gewerkschaft CFDT begrüßte den Schritt.Die radikalere Gewerkschaft CGT lehnt die Reform weiterhin ab. Die CGT sei „mehr denn je entschlossen“, die Rücknahme der Rentenreform zu erreichen, hieß es in einer Mitteilung.

Autor: VW-Redaktion

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