Führen Schmerzensgelder zu höheren Prämien bei der Arzthaftpflicht?

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Das Risiko von Behandlungsfehlern ist in Deutschland derzeit extrem gering. Dennoch könnte der Trend zu höheren Schmerzensgeldern dazu führen, dass die Arzthaftpflicht-Prämien deutlich verteuern.

Denn: „Sobald der Vorwurf im Raum steht, muss der Haftpflichtversicherer des Arztes eine Rückstellung bilden – und sein Vertrag gilt als schadenbelastet, auch wenn die Haftung fraglich ist“, wird Nadja Bürger, Geschäftsführerin von Ecclesia Med, dem Spezialdienstleister des Versicherungsmaklers Ecclesia für Leistungserbringer im ambulanten Gesundheitswesen, in der Ärzte-Zeitung zitiert.

Schließlich übernehme der Versicherer im Falle einer Regressforderung durch Sozialversicherungsträger, Staatsanwaltschaften oder betroffene Patienten nicht nur den Schadenersatz, sondern auch die Abwehrkosten. Dazu gehört, den Sachverhalt aufzuklären.

Für die Ärzte könnte dies indes zu einem Problem werden: „Sobald mehrere Schäden in Prüfung sind, kann der Versicherer eine Prämienerhöhung vornehmen, die außerhalb der ohnehin stattfindenden Tarifanpassung liegt, oder sogar kündigen“, konstatiert Bürger. Dabei könnten diese Erhöhungen zwischen 20 Prozent und 50 Prozent zusätzlich betragen.

Erst Anfang November wurde das Uniklinikum Gießen zu einem Schmerzensgeld von 800.000 Euro verurteilt, nachdem ein damals 17-Jähriger erlitt bei einem Routineeingriff „irreversible Hirnschäden“. Die Richterin am Landgericht Gießen argumentierte, dass der Fehler vermeidbar gewesen sei. Es ist eine Rekordsumme und sollte Anbieter von Diensthaftpflicht- und Krankenhausversicherer aufhorchen lassen.

2018 haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bundesweit insgesamt 5.972 Sachentscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen haben. Dabei lagen in 1.858 Fällen ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel vor.

Davon wurde in 1.499 Fällen der Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. In 359 Fällen lag ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte.

Autor: VW-Redaktion

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