Private Krankenversicherer wollen Wechsel in der Pflegevorsorge

PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Quelle: epo

Eine breite Diskussion zu einem „neuen Generationenvertrag“ in der Pflegeversicherung will der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) anstoßen und stellte dafür gestern in Berlin ein Modell für eine generationengerechte Finanzreform vor.

Um die Pflege zukunftssicher zu machen und die junge Generation ebenso zu entlasten wie die Älteren, will der PKV-Verband die Pflegeversicherung „vom Kopf auf die Füße“ stellen, wie PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther betonte. Nur wenn  man die Jüngeren dazu ermuntert private Vorsorge im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu treffen und zugleich die Älteren entlastet, die keine eigene Vorsorge mehr treffen können, sei die Finanzierung der Pflege auch in Zukunft gewährleistet.

Begrenzung der SV-Ausgaben in Gefahr

Hintergrund ist die Tatsache, dass in etwa zehn Jahren ein großer Teil der „Babyboomer“ – vor allem Menschen des geburtenstärksten Jahrgangs 1964 – in Rente gehen werden und damit viele der jetzigen Beitragszahler in die Pflegeversicherung ausfallen werden. Diese Last falle im Umlageverfahren, auf dem die Soziale Pflegeversicherung beruht, unvermeidlich an die jüngere Generation. Da schon 2013 auf 100 Erwerbstätige 30 Senioren fielen und sich das Verhältnis bis ins Jahr 2035 wahrscheinlich auf 100 zu 47 erhöhen wird, könne man das Problem keinesfalls mit einer Ausweitung des Umlageverfahrens lösen.

Denn dann würde man Beiträge in der Sozialen Pflegeversicherung von bis zu 7,9 Prozent im Jahr 2040 (unter Annahme einer dreiprozentigen Differenz zwischen Einnahmen und Ausgabenentwicklung) in Kauf nehmen, wie das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) ermittelt hat. Dass aber sei vor dem Hintergrund undenkbar, dass die Belastung mit SV-Ausgaben schon jetzt im Schnitt bei 39,65 Prozent liege und damit in naher Zukunft die politisch gewollte Grenze von 40 Prozent „weit verfehlt würde“, wie Reuther vorrechnete.

Gehe man von einem Ausgabenanstieg wie in den letzten zehn Jahren aus, der bei 7,4 Prozent pro Jahr liegt, läge der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bereits im Jahr 2025 bei 4,85 Prozent. „Das Problem muss also spätestens in der nächsten Legislaturperiode gelöst werden“, fordert er.

Eigenverantwortung in Stufen erhöhen

Daher schlagen die Versicherer ein Modell vor, dass die persönliche Verantwortung für die Pflegevorsorge stufenförmig stärken soll. „Denn wenn man nicht die Jungen allein zahlen lassen will, bleibt als zweiter Weg nur, dass jede Generation selbst Rücklagen bildet“, betone Reuther. Dazu sollen nach dem Willen der PKV Menschen, die heute über 80 Jahre alt sind und daher statistisch am häufigsten von Pflegebedürftigkeit betroffen sind, von einer Dynamisierung der Leistungen in der Sozialen Pflegeversicherung am meisten profitieren. Dadurch soll für diese Gruppe, die nicht mehr privat vorsorgen kann, die Erhöhung der Eigenanteile durch die steigenden Pflegekosten in den kommenden Jahren höchstmöglich begrenzt werden.

Dynamisierung der Leistungen und Begrenzung des Eigenanteils

Für alle Jüngeren – gemeint sind laut PKV-Verband die 79- bis 50jährigen – soll die Dynamisierung schrittweise abgeschmolzen werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Ältere nur Teile des erhöhten Eigenbeitrags aus eigener Kraft stemmen müssen, während dieser Betrag bei Jüngeren Schritt für Schritt steigt. Endsiebziger könnten demnach noch in den Genuss ähnlicher Privilegien wie die über 80jährigen kommen, bis die Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung mit dem letzten Babyboomer-Jahrgang 1969 gänzlich eingefroren werden. Ab dem Jahrgang 1970 müssten damit die wachsenden Eigenanteile in der Pflegeversicherung komplett durch private – eventuell staatlich geförderte – Vorsorge abgesichert werden.

Wachstum bei Pflegezusatz-Produkten um zwei Drittel

Produkte für die private Vorsorge seien bereits vorhanden, erklärt Reuther. Sie müssten nur von mehr Menschen genutzt werden. Dank der Diskussion um den Pflege-Bahr sei ein Großteil der Bevölkerung für das Thema private Pflegevorsorge bereits sensibilisiert. Zwar seien seit Einführung der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung im Jahr 2013 nur 900.000 Verträge abgeschlossen worden.

„Aber zugleich hat es ein erhebliches Wachstum bei ungeförderten Pflegezusatzversicherungen gegeben, sodass wir insgesamt seit 2013 ein Plus von 67 Prozent und gegenwärtig 3,7 Millionen Versicherte haben“, so der Verbandsdirektor. So habe der Pflege-Bahr mittelbar das erreicht, was er erreichen sollte. Daher geht er davon aus, dass sehr viele Menschen auch ohne Obligatorium erreicht werden. Ein solches sei schon aus bürokratischen Gründen schwierig.

Günstiger als gedacht

Zumal eine private Pflegezusatzversicherung längst nicht so teuer ist wie viele Menschen befürchten. So hat eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des PKV-Verbandes gezeigt, dass die Befragten im Schnitt davon ausgehen rund 160 Euro im Monat dafür ausgeben zu müssen. Die tatsächlichen Kosten liegen aber bei nur durchschnittlichen 77 Euro. Dennoch sei gezielte Förderung nötig.

So denkt der PKV-Verband an eine vollständige steuerliche Abzugsfähigkeit von Beiträgen zur Pflegeversicherung ebenso wie an die steuerliche Förderung von betrieblichen Pflegezusatzversicherungen oder auch an Zuschüsse für Menschen, die von einer Steuerbegünstigung nicht profitieren würden.

„Es geht jetzt darum, die Kosten der Pflege transparenter und die Belastungen durch das Umlageverfahren deutlicher zu machen als bisher“, geht Reuthers Forderung in Richtung Politik. „Vor allem darf es keine kurzfristigen Lösungen geben. Wir brauchen jetzt das politische Signal zu mehr Eigenvorsorge – und die entsprechenden Instrumente.“

Autorin: Elke Pohl

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