Hilft die Indexversicherung den Bauern gegen Dürre?

Dürre

Dürre, Bild Quelle Gianni Crestani von Pixabay

Die Trockenheit auf den deutschen Feldern macht den Bauern weiterhin zu schaffen. Nach dem Dürresommer 2018 wird die Ernte wohl auch in diesem Jahr eher unterdurchschnittlich ausfallen. So beziffert der Deutsche Bauernverband allein das in diesem Jahr geerntete Getreide auf 45 Millionen Tonnen. Zudem gestalte sich die wirtschaftliche Situation für viele Agrarbetriebe weiterhin als schwierig. Wäre daher eine Indexversicherung die Lösung aller Probleme?

„Die Klimaveränderungen spüren wir. Das ist eine zunehmende Herausforderung“, betonte Verbandspräsident Joachim Rukwied am Freitag. Demnach hätten auch die Erträge aus dem Rapsanbau in diesem Jahr „enttäuscht“, auch für Obst und Gemüse sei 2019 „erneut ein schwieriges Jahr“ gewesen. „Die Landwirtschaft hat eine einzigartige Position im Kampf gegen den Klimawandel. Zum einen ist sie direkt vom Klimawandel betroffen, zum anderen ist sie Teil der Lösung. Wir wollen die Produktivität erhöhen, Landbewirtschaftung weiter verbessern, um mehr Kohlenstoff im Boden binden zu können, sowie die erneuerbaren Energien ausbauen. Dafür brauchen wir die Unterstützung aller: die der Verbraucher, der Wissenschaft und vor allem die Unterstützung der Regierungen in Europa“, ergänzt der Bauernverband gegenüber VWheute.

Um den Landwirten kurzfristig zu helfen, seien bislang „228,1 Mio. Euro ausgezahlt worden. Zur Verfügung stehen 340 Mio. Euro (Hälfte Bund, Hälfte Länder). Wir gehen davon aus, dass die zur Verfügung gestellten Mittel nicht ganz ausgeschöpft werden. Ein Grund für die immer noch abgeschlossene Gewährung dieser ‚Soforthilfe‘ ist das sehr komplexe Antragsverfahren“. Zudem müssten Indexversicherungen „nicht per se schlecht sein. Vorteil ist, dass sie relativ einfach zu handhaben sind. Wichtig aber ist, dass sie treffsicher sind. Hier ist die Versicherungswirtschaft gefordert, zielgenauere praxisnahe Versicherungslösungen gegen Dürreschäden zu entwickeln“, konstatiert der Vertreter des Bauernverbandes.

Politik sieht die Landwirte in der Pflicht

Das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärte indes gegenüber VWheute: „Grundsätzlich gilt: das Klima wandelt sich, und auch Wetterkapriolen wird es immer wieder geben. Hierauf werden sich die Landwirte einstellen müssen. Sie sind gefordert, Risikovorsorge zu betreiben. Damit sie das auch können, wollen wir entsprechende Angebote in diesem Bereich ausbauen.  So setzt sich Bundesministerin Klöckner beispielsweise für die Einführung der so genannten Gewinnglättung ein. Damit soll die Besteuerung der land- und forstwirtschaftlichen Einkünfte auf der Grundlage des durchschnittlichen Gewinns aus einem Dreijahreszeitraum erfolgen. So gleichen sich gute und schlechte Jahre aus und die nachteilige Wirkung der Progression wird bei schwankenden Gewinnen abgemildert. Das ist eine sinnvolle Maßnahme. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde am 31. Juli 2019 vom Bundeskabinett verabschiedet und geht nun in das Gesetzgebungsverfahren.“

Zudem setze sich das Ministerium „für die Einführung eines ermäßigten Steuersatzes für die Elementargefahr ‚Dürre’ein. Aus Sicht des Ministeriums ist es nur konsequent, auch für das Risiko ‚Dürre‘ den ermäßigten Versicherungsteuersatz wie bei anderen Elementargefahren in Höhe von 0,03 Prozent der Versicherungssumme anzuwenden und nicht weiter 19 Prozent der Versicherungsprämie zu verlangen. Die Absenkung der Versicherungssteuer würde zu einer Kostenentlastung führen und könnte damit einen wichtigen Beitrag zur Einführung von Versicherungen gegen Dürreschäden leisten. Hierzu waren wir in intensiven Gesprächen mit dem Bundesministerium der Finanzen. Der Bundesfinanzminister hat nun kürzlich signalisiert, solch einer Absenkung nicht im Wege zu stehen. Die Versicherungswirtschaft kann auf dieser Basis nun attraktive Angebote entwickeln, damit die Bauernfamilien eigenverantwortlich und zu bezahlbaren Preisen vorbeugen können.“

Allerdings sei „auch der Landwirt selbst ist natürlich gefordert, auf den Klimawandel zu reagieren, z.B. im Hinblick auf die Kulturartenvielfalt in seiner Fruchtfolge, durch gezielten Humusaufbau, durch möglichst reduzierte nicht wendende Bodenbearbeitung und durch  die Auswahl möglichst trockenstresstoleranter Sorten“, betont eine Sprecherin des Ministeriums.

Vereinigte Hagel: „Alle Versicherungen haben einen Index eingebaut“

Die Vereinigte Hagel erklärt: „Die Schäden durch Hagel, Sturm oder Starkregen lassen sich auf ein konkretes Schadenereignis an einem konkreten Termin zurückführen. Trockenheit hingegen verursacht einen  so genannten ‚Allmähligkeitsschaden‘, der über einen längeren Zeitraum hin entsteht und dessen gesamtes Ausmaß meist erst kurz vor der Ernte bewertet werden kann. Daher haben alle Versicherungsprodukte einen Index eingebaut, über den festgelegt werden kann, ob Trockenheit überhaupt vorliegt (der Ertragsrückgang könnte ja auch andere Ursachen haben). Eher ungeeignet sind allerdings Varianten, bei denen ausschließlich das Erreichen eines Indexwertes (z. B. gefallener Gesamtniederschlag) herangezogen wird. Ist der Index z. B. nur als die Niederschlagsmenge innerhalb eines bestimmten Zeitraums definiert, kann dies dazu führen, dass der Landwirt einen Schaden hat, auf diesem aber sitzen bleibt, da wegen eines einzelnen Starkregenereignisses der Index nicht erreicht wird. Oder aber er bekommt eine Entschädigung, obwohl er auf seinem Feld gar keinen Schaden hat“, erläutert ein Sprecher.

Allerdings sei diese Variante „daher eine Wette auf das Wetter, aber keine wirkliche Absicherung für den Landwirt. Bei der Vereinigten Hagel hingegen berücksichtigen wir neben der verfügbaren Bodenfeuchte – ein kritischer Wert muss nur ein einziges Mal während der Wachstumsperiode unterschritten werden – auch die tatsächlichen Ernteerträge der jeweiligen Region, aus unserer Sicht zwei entscheidende Parameter der Dürreversicherung. Parallel arbeiten wir natürlich an der Weiterentwicklung möglicher Versicherungslösungen für Deutschland. Im europäischen Ausland (z. B. Niederlande, Luxemburg) können wir die Schadenermittlung – unter den o. g. politischen Rahmenbedingungen – bereits schlagbezogen durchführen.  

Staatliche Dürrehilfen können aus Sicht des Landwirtschaftsversicherers „in der Tat kein Dauerzustand sein; das sagen wir schon lange – es sind ja nicht die ersten Hilfen, die ausgezahlt werden. Fast im gesamten EU-Ausland gibt es keine staatlichen ad-hoc-Zahlungen mehr. Hier bekommen die Landwirte ihren Schaden durch eine Versicherung, z. B. durch die Vereinigte Hagel, ersetzt. Durch nationale und/oder EU-Mittel erhalten die Landwirte dafür einen Zuschuss zu ihrer Police. Ein Betrag, der auch seitens der Verwaltung langfristig kalkuliert werden kann und die individuelle Verantwortung des Landwirtes für seinen Betrieb stärkt. Einen Ruf nach staatlichen Katastrophenhilfen gibt es hier schon lange nicht mehr.  Ein ähnliches Modell wäre auch für Deutschland denkbar – einige Bundesländer haben ja bereits entsprechende Vorschläge gemacht.“

Immerhin: „Dass es den Klimawandel gibt, ist mittlerweile unbestritten. Die Abweichung von der durchschnittlichen Temperatur nach oben hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Ein Großteil der heißesten  Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen lassen sich im 21. Jahrhundert finden. An den Spekulationen über die Ursachen des Klimawandels wollen wir als Versicherung uns nicht beteiligen. Hier sehen wir die Wissenschaft in der Verantwortung, dies zu benennen und die Politik in der Verantwortung, hierauf zu reagieren“, betont der Sprecher des Landwirtschaftsversicherers.

So habe „sich in den letzten Jahren dahingehend geändert, dass Extreme häufiger auftreten: Hagel, vor allem aber Sturm und Starkregen. Auch die Zunahme von Hitze- und Trockenperioden ist festzustellen. Trotzdem sind auch Spätfrostereignisse (siehe z. B. 2017 Frost im Obstbau in Süddeutschland oder Frost im Weinbau 2019 vor allem in Luxemburg) zu verzeichnen. Mit all dem muss die Landwirtschaft kämpfen. In Mitteluropa haben wir zwar den Vorteil, dass Flächen auch beregnet werden können, dennoch muss die Landwirtschaft langfristig die Wahl der Sorten (Stichwort Trocken- und Hitzeresistenz) sowie auch der angebauten Kulturen (Stichwort Sojabohnen) hinterfragen. Hier sind sicherlich die Pflanzenzuchtunternehmen gefragt. Aber auch das Risikomanagement wird zunehmend bedeutender, da die Wahrscheinlichkeit Ernteschäden durch Unwetter zu erleiden, weiter steigen wird.“