Sollers-Experte Martin Seibold: „Agenten werden über die Zeit an Bedeutung gewinnen – viele Prozesse werden jedoch schon aus Kostengründen weiterhin klassisch automatisiert werden.“

Martin Seibold, Partner und Head of DACH bei Sollers Consulting. Bildquelle: Sollers Consulting

Künstliche Intelligenz und der Einsatz von KI-Agenten erweitern die Automatisierungsmöglichkeiten in der Versicherungswirtschaft. Eine aktuelle Marktstudie der Unternehmensberatung Sollers mit dem Titel „KI im Kern – Markttrends bei den Anbietern von Kompositsystemen in DACH“ zeigt, dass der Einfluss von KI weit über reine Fachfunktionalitäten hinausgeht. Für die Erhebung wurden elf Anbieter von Kernversicherungssystemen im deutschsprachigen Raum befragt.

Mit dem verstärkten Einsatz von KI-Agenten rückt deren Steuerung und Orchestrierung in den Mittelpunkt der IT-Architektur von Versicherungsunternehmen, heißt es. Unter den befragten Kernsystemanbietern herrscht Konsens darüber, dass KI-Agenten und -Workflows koordiniert werden müssen. Uneinigkeit besteht hinsichtlich der Positionierung dieser Steuerungsebene: Je nach Ansatz wird die Orchestrierung direkt in der Kernplattform, in einer übergreifenden Schicht innerhalb der IT-Landschaft des Versicherers oder in hybriden Modellen verortet.

Trotz der fortschreitenden Integration von KI in Anwendungen und Prozesse betonen die Anbieter, dass der deterministische Kern geschäftskritischer Versicherungssysteme weiterhin das unverzichtbare Fundament und das primäre System of Record bildet.

„KI wird helfen, Wissen schneller zugänglich zu machen, Empfehlungen und Entscheidungen vorzubereiten und Delivery-Prozesse effizienter zu gestalten. KI verändert somit nicht nur Versicherungsprozesse, sondern auch Softwareentwicklung und Projektumsetzung“, erklärt Martin Seibold, Partner und Head of DACH bei Sollers. „Agenten werden über die Zeit an Bedeutung gewinnen – viele Prozesse werden jedoch schon aus Kostengründen weiterhin klassisch automatisiert werden.“

Neben den Fachfunktionalitäten betrifft der KI-Einsatz wesentliche Phasen der Softwareentwicklung. Die Studie hebt hervor, dass KI-Werkzeuge nicht nur die reine Programmierung unterstützen, sondern auch im Anforderungsmanagement, in der Business-Analyse und in der Qualitätssicherung an Bedeutung gewinnen. Dies ermögliche eine raschere Weiterentwicklung, Einführung und Anpassung von Kernsystemen an neue Marktbedingungen.

„Viele Diskussionen über KI konzentrieren sich auf neue Fachfunktionalitäten. Die befragten Anbieter sehen jedoch bereits heute mindestens genauso relevante Auswirkungen entlang des gesamten Software Development Lifecycles“, unterstreicht Jannik Harms, IT-Manager bei Sollers. „KI unterstützt nicht nur die Programmierung, sondern zunehmend auch Anforderungsmanagement, Business Analyse und Qualitätssicherung. Dadurch können Kernsysteme schneller weiterentwickelt, eingeführt und an neue Anforderungen angepasst werden.“

Für die kommenden zwölf Monate identifiziert die Marktstudie vor allem zwei primäre Einsatzfelder: die Dokumentenverarbeitung und das Wissensmanagement. In diesen Bereichen erwarten die Kernsystemanbieter den größten kurzfristigen Nutzen. Zu den derzeit am weitesten verbreiteten Anwendungsfeldern gehören die Verarbeitung unstrukturierter Daten, der gezielte Wissenszugriff sowie die operative Unterstützung von Sachbearbeitenden bei Recherche-, Erfassungs- und Kommunikationsaufgaben.