Cum/Cum und Cum/Ex: Bafin beziffert Gesamtbelastung für Versicherer auf 750 Millionen Euro
Gebäude der Finanzaufsicht Bafin. Bildquelle: Kai Hartmann Photography / BaFin
Die Verstrickungen der deutschen Finanzbranche in die umstrittenen Cum/Cum- und Cum/Ex-Geschäfte belasten den Sektor mit Milliardensummen. Eine Befragung der Bafin, die zwischen Mitte Dezember 2025 und Ende März 2026 durchgeführt wurde, zeigt das Ausmaß der Schäden. Insgesamt beläuft sich die finanzielle Gesamtbelastung für die betroffenen Unternehmen nach dem aktuellen Auswertungsstand auf 7,01 Milliarden Euro.
Während in der Vergangenheit meist Banken im Zentrum des Skandals standen, rücken nun auch andere Akteure wie die Versicherungswirtschaft in den Fokus. Von den insgesamt befragten Versicherern und Pensionsfonds gaben 21 an, von den Untersuchungskomplexen betroffen zu sein. Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass Versicherer vor allem bei Cum/Cum-Gestaltungen mitgemischt haben: Hier beläuft sich ihre finanzielle Belastung auf 740 Millionen Euro. Demgegenüber fällt das Cum/Ex-Geschäft in dieser Branche mit einer Belastung von rund 10 Millionen Euro weiter weniger ins Gewicht. Zusammengenommen summiert sich der finanzielle Schaden für Versicherer und Pensionsfonds auf 750 Millionen Euro.
Trotz der beachtlichen Zahlen für die Assekuranz bleibt der Bankensektor der Haupttreiber der Milliardenlasten. 73 deutsche Kreditinstitute gaben eine Betroffenheit an. Sie tragen mit insgesamt 6,09 Milliarden Euro den Löwenanteil der Gesamtlast. Davon entfallen 4,08 Milliarden Euro auf Cum/Cum- und 2,01 Milliarden Euro auf Cum/Ex-Geschäfte. Der ebenfalls untersuchte Wertpapiersektor – aus dem 58 Institute befragt wurden und zwölf eine Betroffenheit meldeten – schlägt mit einer Gesamtbelastung von 190 Millionen Euro zu Buche, wovon 180 Millionen Euro auf das Cum/Ex-Segment entfallen.
Die Bafin betont, dass es sich bei den gemeldeten Summen nicht nur um reine Steuernachforderungen handelt, sondern auch um sonstige finanzielle Risiken wie zivilrechtliche Inanspruchnahmen. Zudem sind 59 Prozent der Gesamtsumme bereits durch geleistete Zahlungen beglichen worden, während es sich bei den restlichen 41 Prozent um potenzielle künftige Belastungen handelt. Um für diese Zukunft Risiken vorzubauen, haben die Unternehmen Rückstellungen gebildet: 638 Millionen Euro für Cum/Cum-Risiken und 288 Millionen Euro für Cum/Ex-Folgen.
Akute Sorgen um die Stabilität des deutschen Finanzmarktes müssen sich Anleger laut Aufsicht jedoch nicht machen. Nach derzeitigem Stand ist keines der befragten Unternehmen in seiner Existenz gefährdet. Dennoch ist die Angelegenheit für die Bafin mit der reinen Bestandsaufnahme nicht erledigt. Die Aufsichtsbehörde kündigte an, die Ergebnisse für die einzelnen Unternehmen tiefgehender zu prüfen. Dabei sollen vor allem das Steuerrisikomanagement, die Governance-Strukturen sowie die Rolle von Einzelpersonen durchleuchtet werden. Auch steuerstrafrechtliche Ermittlungen gegen Führungskräfte waren Teil der Abfrage. Sollten Zweifel an der Zuverlässigkeit von Geschäftsleitern, Aufsichtsräten oder anderen Schlüsselpersonen aufkommen, behält sich die Bafin aufsichtliche Maßnahmen vor. Die endgültige Klärung, ob die genutzten Steuergestaltungen rechtlich zulässig oder strafbar waren, bleibt indessen Sache der Gerichte.
Bei Cum/Cum- und Cum/Ex-Geschäften handelt es sich um komplexe Modelle zur Steuervermeidung und zum Steuerbetrug rund um den Dividendenstichtag von Aktien. Während bei Cum/Cum-Geschäften Aktien kurzzeitig von ausländischen an inländische Investoren verschoben wurden, um eine eigentlich anfallende Kapitalertragsteuer illegal zu umgehen, gingen Cum/Ex-Akteure einen Schritt weiter: Durch den Leerverkauf von Aktien mit („cum“) und ohne („ex“) Dividendenanspruch täuschten sie die Finanzämter systematisch, sodass eine nur einmal gezahlte Steuer gleich mehrfach an verschiedene Investoren erstattet wurde.
Autor: VW-Redaktion
