Nürnberger reicht Getsurance an Makler weiter

Von links nach rechts: Bernd Helmsauer, Vorstand; Gerlinde Wanke, Leiterin Steuern und strategische Beteiligungen, Nürnberger Versicherung; Steffen Helmsauer, verantwortlicher M&A-Integration. (Bildquelle: Helmsauer)

Drei Jahre nach dem Kauf von Getsurance stößt die Nürnberger Versicherung das Insurtech wieder ab und übergibt es in die Hände des Maklerhauses Helmsauer. Von dem Deal erhofft sich Vorstand Bernd Helmsauer, digital affine Kunden auch im Gewerbebereich besser bedienen zu können.

Seit März ist der in Nürnberg beheimatete Makler im Besitz sämtlicher Getsurance-Anteile. Wie viel das Tochterunternehmen Helmsauer Vermögensverwaltungs GmbH an die Nürnberger zahlt, fällt unter die Stillschweigevereinbarung der Partner, wie der Makler am Freitag mitteilte.

Man wolle die Kunden nicht nur über die eigenen 180 Berater in Präsenz betreuen, sondern auch digitale Kundenzugänge schaffen, erklärte Bernd Helmsauer seine strategische Kaufentscheidung in einer Mitteilung. Es gehe darum, den Omnikanal-Ansatz der Helmsauer-Gruppe weiter auszubauen. So sei man zwar überzeugt davon, dass die persönliche Betreuung auf Dauer Bestand habe, zugleich erkennt der Makler aber an, dass sich „immer mehr Kunden online informieren und teilweise auch Versicherungsverträge abschließen“ wollen. Mit dem Kauf von Getsurance kombiniere Helmsauer diese beiden Zugangswege miteinander, heißt es in der Mitteilung weiter.

Der nach eigenen Angaben fünftgrößte familiengeführte Versicherungsmakler Deutschlands existiert seit 1963 und ist auf die Zusammenarbeit mit Verbänden spezialisiert. Mit über 70 Vereinigungen, darunter Arzt- und Architektenverbände sowie Handwerksinnungen, kooperiere das Unternehmen. Seit 2020 besitzt das Unternehmen auch eine Assekuradeur-Lizenz. Getsurance soll nun dafür sorgen, den Zielgruppen exklusive Assekuradeurs-Produkte der Helmsauer-Gruppe schmackhaft zu machen. Aktuell verfüge der Assekuradeur über eine Kooperation mit acht deutschen Versicherern in elf verschiedenen Versicherungssparten, wie es auf der Website der Helmsauer-Gruppe heißt.

Getsurance passt nicht mehr zur Nürnberger

Die Nürnberger hatte den Digitalversicherer vor fast genau drei Jahren erworben, nachdem dieser im Oktober 2020 in die Insolvenz schlitterte. Nun passe der Digitalversicherer „allerdings nicht mehr in unser Portfolio“, wie Nürnberger-Chef Harald Rosenberger erklärte. Zwar habe das Unternehmen von Getsurance viel gelernt über den digitalen Verkauf von Produkten rund um den Einkommensschutz. Jedoch wolle die Nürnberger künftig keine Leben-Produkte ausschließlich online verkaufen. Das sei das Ergebnis der kürzlich verabschiedeten neuen Unternehmensstrategie. Stattdessen setze der Versicherer auf einen Omnikanal-Ansatz, bei dem die Kunden dasselbe Produkt auf allen Vertriebswegen bekommen.

Getsurance wurde 2016 von Viktor und Johannes Becher gegründet. Die Mission der Brüder war es, Berufsunfähigkeits- und Krebspolicen online zu verkaufen. Doch das stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus. Die Gründer konnten das endgültige Aus abwenden, als 2021 die Nürnberger zu Hilfe eilte und das Start-up übernahm. Viktor und Johannes Becher verließen Getsurance daraufhin. Johannes Becher unternahm 2022 einen zweiten Anlauf, um mit einem neuerlichen Versicherungs-Start-up am Markt erfolgreich zu sein. Und bislang scheint das zu glücken: Der digitale Versicherungsvermittler Embea sammelte im Januar im Rahmen eines Seed Fundings vier Millionen Euro ein. Mit dem frischen Geld soll die unternehmenseigene Plattform für eingebettete Lebensversicherungen ausgebaut werden.

Autor: VW-Redaktion

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