Vom „Meckie“ zum Vorstand: Diese Ex-Berater schafften es an die Spitze der Assekuranz

Eingesetzt werden Consulter sowohl in Strategie- als auch in IT-spezifischen Fragestellungen. Diese Qualifikationen befähigt sie später oft zu einem Sprung in eine Führungsposition bei einem großen Konzern. Bildquelle: Maurice Müller/Pixabay

Jeder fünfte Dax-Vorstand hat mindestens einmal in seiner Karriere als Unternehmensberater gearbeitet. Das meldet das Handelsblatt auf Basis der Lebensläufe aller insgesamt 231 amtierenden Dax-38-Vorstände. Vor allem das Flaggschiff McKinsey sei „der Vorstandslieferant schlechthin“, schreibt das Blatt. Auch beim Spitzenpersonal der deutschen Versicherer taucht häufig eine McKinsey-Vergangenheit in der Vita auf, wie ein Überblick von VWheute zeigt.

48 der 231 untersuchten Dax-Vorstände sind zum Stichtag 31. Dezember 2023 entweder bei den drei international führenden Strategieberatungen McKinsey, Boston Consulting und Bain tätig gewesen oder auch bei der führenden deutschen Strategieberatung Roland Berger oder dem IT-Beratungsunternehmen Accenture. Die Beratertruppen der vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, KPMG und PwC hatte das Handelsblatt Research Institute ebenfalls berücksichtigt. Außen vor blieben indes die Manager der nach niederländischem Recht organisierten Dax-Konzerne Airbus und Qiagen.

Vor allem McKinsey sticht aus der Handelsblatt-Analyse heraus. Das Beratungsunternehmen, das 2026 sein 100-jähriges Jubiläum feiern wird und seit 1964 in Deutschland vertreten ist, sei „der Vorstandslieferant schlechthin“, schreibt das Blatt: 22 der Ende 2023 aktiven Dax-Vorstände starteten oder entwickelten ihre Karriere demnach bei der weltweiten Nummer eins der Strategieberatungen. Die weltweite Nummer zwei – die Boston Consulting Group –, startete hierzulande elf Jahre später als McKinsey, und kann heute auf fünf BCG-Alumni im Dax verweisen. Bain ist seit 1982 in Deutschland präsent. Drei Dax-Vorstände waren einst bei der weltweiten Nummer drei tätig.

Von den ehemaligen McKinsey-Beratern arbeiten heute zwei in der Versicherungsbranche: Allianz-Chef Oliver Bäte und Munich Re-Vorstand Markus Rieß, der zugleich Chef der Ergo ist. Weitere bekannte, allerdings „versicherungsfremde“ McKinsey-Alumni sind Theodor Weimer (Deutsche Börse), Leonard Birnbaum (Eon), Markus Krebber (RWE), Tobias Meyer (DHL), Lutz Meschke (Porsche), Arno Antlitz (Volkswagen) und David Schröder (Zalando).

„McKinsey hat sich in Deutschland sehr früh und sehr massiv etabliert“

„McKinsey hat sich in Deutschland sehr früh und sehr massiv etabliert“, begründet Personalberater Claus P. Fischer gegenüber dem Handelsblatt die Vormachtstellung der „Ex-Meckies“. Dieses erfolgreiche Engagement der vergangenen Jahrzehnte zahle sich nun aus, so Fischer. Das erklärt allerdings noch nicht, warum Manager mit Berater-Hintergrund so beliebt sind in den großen deutschen Unternehmen. „Sie scheuen die Arbeit nicht. Sie kennen sich mit Transformationsprozessen aus. Das Schnelllebige macht ihnen keine Angst. Sie sind krisenerprobt“, fasst eine in Dax-Gremien seit Jahren aktive Aufsichtsrätin die Vorzüge der Ex-Berater in dem Bericht zusammen.

„Die Präsenz der McKinsey-Alumni und anderer Berater geht so weit, dass sie bei einigen Konzernen das Gremium sehr stark prägen oder sogar dominieren“, berichtet das Handelsblatt weiter und verweist dabei auf Deutschlands größten Versicherer: Vier von neun Allianzvorständen haben laut Handelsblatt bei einer Strategieberatung gearbeitet. Auch bei der Telekom ist der Anteil der Vorstände mit Berater-Vergangenheit hoch, hier sind es vier von acht. Bei der Deutschen Börse sind es zwei von sechs, beim Modehändler Zalando sogar vier von fünf.

Die hohe Präsenz von Ex-Beratern in einigen Vorstandsetagen stößt durchaus auf Kritik: Dass es heute viele Consultants in den Führungspositionen gebe, führe zu einer Homogenität, die gut für die Verständigung untereinander sei, aber schlecht für die Vielfalt im Denken und im Team, wird Thomas Deelmann, Managementexperte und Autor des Buches „Die Berater-Republik“, zitiert. Das war nicht immer so: „Früher haben Ingenieure viele Führungspositionen besetzt, später waren es Juristen und Finanzer“, wie Deelmann betont.

McKinsey-Deutschlandchef Fabian Billing dürften derlei kritische Töne nicht stören. Er sei „stolz auf den Beitrag, den viele unserer Alumni in Wirtschaft und Gesellschaft leisten“, wie er dem Handelsblatt sagt. Fast 1.000 der mehr als 50.000 ehemaligen McKinsey-Mitarbeitenden in 140 Ländern seien CEOs oder Vorstandsmitglieder in führenden privaten, öffentlichen oder sozialen Organisationen, wie es im Bericht heißt.

Im nachfolgenden Überblick erfahren Sie, welche A-Promis der deutschen Versicherungsbranche ihre McKinsey-Vergangenheit als Karriere-Booster zu nutzen wussten.

Bildquelle: Allianz

Allianz-Aufsichtsratschef Michael Diekmann (links im Bild) und Oliver Bäte: Dem aktuellen Chief Executive Officer des Münchener Versicherungsriesen eilt der Ruf voraus, einer der durchsetzungsstärksten Managertypen in der Assekuranz zu sein. Seine heutige Robustheit eignete sich Bäte ab 1993 bei der Managementberatung McKinsey an. In New York verdiente er sich seine Sporen. Seine letzte Position vor dem Wechsel zum Allianz-Konzern im Jahr 2007 war die des Leiters des europäischen Insurance- und Asset-Management-Sektors in Deutschland. Insider berichten, dass es keine Seltenheit war, dass der aufstrebende Bäte seinem damaligen Auftraggeber Diekmann in den Konzernfluren seine Meinung zur Strategie des Versicherers gegeigt hat.

Bildquelle: Munich Re

Markus Rieß, CEO Ergo: Ob mediale Präsenz, Management oder Karriereplanung. Der 57-jährige Entscheider des Düsseldorfer Versicherers ging schon immer seinen eigenen Weg. So entschied sich Rieß nach dem VWL-Studium an der Universität Heidelberg 1990 zunächst für einen Job als Referent in der Wertpapierabteilung bei der Allianz Leben. Drei Jahre später wagte er dann den fast schon obligatorischen Schritt für eine erfolgreiche Karriere im Topmanagement und tauchte in die Beratungswelt ein. Auch seine Wahl fiel auf McKinsey & Company. Inside-Out, Outside-In. Rieß kennt beide Welten. Geschadet hat es nicht.

Bildquelle: R+V

Norbert Rollinger, CEO R+V: Der 59-jährige Manager hat in seiner Laufbahn einiges gesehen, erlebt und mitgestaltet. Seine berufliche Laufbahn startete Rollinger 1990 als Berater und Projektleiter bei der Managerschmiede McKinsey. Wie viele andere schloss er im Rahmen solcher Beratungsprojekte die Assekuranz ins Herz und wechselte fünf Jahre später die Seiten – vom Consulting ins Versicherungsmanagement der damaligen DBV-Winterthur-Gruppe. Gegenüber der Versicherungswirtschaft sagte er einmal, dass er eigentlich nie den konkreten Plan gehabt hätte, in die Branche einzusteigen. Aus dieser ersten Zurückhaltung sollte eine große Versicherungskarriere werden. Es folgten berufliche Stationen im Axa-Konzern, der Generali und der R+V.

Bildquelle: Axa

Alexander Vollert, COO Axa Group (l.), und Thilo Schumacher, CEO Axa Deutschland: Beide Manager fahren in der Axa-Welt derzeit auf der Überholspur. Ende 2021 übergab Vollert seinen Chefposten der Deutschlandtochter an Schumacher, um selbst als Chief Operating Officer in der Pariser Zentrale zum Zug zu kommen. Neben dem CEO-Amt bei der Axa haben beide eine weitere Gemeinsamkeit: McKinsey. Vollert brachte es vor dem Sprung zur Allianz im Jahr 2008 zum Partner, Schumacher machte sich in seinen Jahren als Berater (2000 bis 2006) einen Namen im Geschäftsumfeld Versicherungen und IT-Services.

Bildquelle: Fabry

Carsten Schildknecht, CEO Zurich: „… verfügt über umfangreiche Managementerfahrung in der Finanz- und Versicherungsindustrie.“ Sätze wie diese fallen häufig, wenn neue Personalcoups kommuniziert werden. Im Fall des Zurich-Chefs trifft er voll zu. Bei der Generali etwa koordinierte er als COO globale Programme zur Effizienzsteigerung und Verbesserung der Kundenorientierung. Bei der Deutschen Bank war der Manager u.a. für die Integration der Sal. Oppenheim zuständig. Vor seinem Einstieg bei der Zurich arbeitete Schildknecht als Berater und Investor für Start-ups im Banken- und Versicherungssektor. Und wo hat alles begonnen? 1993 bei McKinsey. Natürlich.

Autor: VW-Redaktion

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