GDV beziffert erstmals versicherte Schadensumme durch gesprengte Geldautomaten

Es gibt inzwischen mehr Sprengungen als Banküberfälle (Bildquelle: u_ukgjgf0syq/Pixabay)

In Deutschland werden mehr Geldautomaten als jemals zuvor gesprengt. Im Durchschnitt versuchten im Jahr 2022 Kriminelle in jeder Nacht mehr als einen Automaten zur Explosion zu bringen. Entsprechend steigen auch die Versicherungsschäden, die bundesweit bislang gar nicht zusammen erfasst wurden. Bis jetzt. Der GDV legte nun konkrete Zahlen vor. Bemerkenswert: Die Summe des gestohlenen Bargelds fiel deutlich geringer aus als die Gebäudeschäden.

In Deutschland gibt es rund 55.000 Geldautomaten. Bundesweit wurden 2022 rund 496 Geldautomaten gesprengt. Der GDV hat nun Zahlen vorgelegt, wie viel Schäden die Versicherer davon getragen haben: 110 Mio. Euro, davon entfielen und 30 Millionen Euro auf Bargeld, der Rest waren Gebäudeschäden. „Jedem gestohlenen Euro Bargeld stehen zwei bis drei Euro für Kollateralschäden an Gebäude und sonstiger Infrastruktur gegenüber“, sagt die stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach. Da die Täter, meistens Banden aus den Niederlanden, immer stärke Sprengstoffe einsetzen, grenzt es an ein Wunder, dass bislang kein Unbeteiligter ums Leben kam.

In diesem Jahr sind die Zahlen ähnlich hoch. Bis zum 23. November 2023 zählten 15 der 16 Landeskriminalämter (LKA) 413 Sprengungen und Sprengversuche, das ergab eine Abfrage des Handelsblatts. In den Niederlanden wurde die Zahl der Sprengungen durch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen stark eingedämmt.

Da hierzulande Versicherer nach wie vor die Deckung übernehmen, fordern sie entsprechend höhere Sicherheitsstandards bei den Geldautomaten. Sie reichen vom Nachtverschluss der Selbstbedienungs-Foyers über die Installation von Einbruchmeldeanlagen und Videoüberwachung bis hin zu Einfärbesystemen für Geldscheine, einer Verringerung des Bargeldbestandes und der gezielten Standortwahl für Geldautomaten. Mit rund 23.000 Geldautomaten unterhalten die Sparkassen das derzeit größte und am weitesten verzweigte Netz an Geldausgabestellen. Die Versicherer der Sparkassen sind die Provinzial und die Versicherungskammer Bayern. Auch die genossenschaftliche R+V Versicherung ist nach wie vor in dem Bereich tätig.

Manche Versicherer packen mehrere banktypische Risiken in ein Versicherungsprodukt. Die Police deckt dann sämtliche Sach- und Vermögensschäden ab – egal ob ein Feuer oder Hochwasser die Ursache ist oder ob es die kriminellen Handlungen eines Angestellten oder Hackers sind. Daneben können Banken ihre Risiken über verschiedene Policen auch einzeln abdecken. Bei den Sprengungen der Geldautomaten greift neben der Gebäudepolice meist auch die Gewerbeinhaltsversicherung. Sie schützt Inventar und Lagergüter und ist gewissermaßen eine Hausratversicherung für Unternehmen. Bei Banken sind im Besonderen das eigene Bargeld und die Wertgegenstände der Kunden mitversichert.

Autor: VW-Redaktion

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