Allianz Trade: Klimaneutralität kostet deutsche Industrie mehrere Milliarden Euro

Der Klimawandel kostet die Unternehmen Milliarden. (Bildquelle: Foto-Rabe/Pixabay)

Klimaneutralität und Nachhaltigkeit stehen bei der deutschen Industrie derzeit hoch im Kurs. Laut einer aktuellen Analyse von Allianz Trade dürften die Kosten zur Vermeidung von CO₂-Emissionen ziemlich teuer werden. Allein in Deutschland rechnet der Kreditversicherer bis 2050 mit einer zweistelligen Milliardensumme.

Demnach sei das verarbeitende Gewerbe laut Kreditversicherer aktuell für etwa ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Fast drei Viertel davon entfallen auf die Eisen- und Stahlindustrie, die Chemiebranche sowie auf die Produktion von Zement und anderen nicht-metallischen Mineralien. Mit kumulierten Investitionen von 2,7 Billionen Euro könnte das verarbeitende Gewerbe jedoch bis zum Jahr 2050 deutlich über 90 Prozent der Emissionen vermeiden. Zum Einfangen und Lagern der restlichen CO₂-Emissionen seien weitere Investitionen von etwa 2,8 Billionen Euro notwendig.

Dabei würden laut Studie von benötigten weltweiten Investitionen allein etwa acht Prozent auf die Europäische Union (EU) entfallen – dies seien umgerechnet 210 Mrd. Euro. Die Hälfte davon allein sind für Investitionen in die Elektrifizierung notwendig. Der Rest verteilt sich zu fast gleichen Teilen auf die Nutzung von Wasserstoff, innovative Produktionsverfahren und neue Technologien. Um den Finanzierungsbedarf für die Vermeidung von Emissionen zu decken, müssten die EU-Länder demnach zwischen 2020 und 2030 jährlich drei Mrd. Euro (Deutschland: 0,7 Mrd. Euro) und von 2030 bis 2050, wenn die Technologien für den großtechnischen Einsatz bereit sind, neun Mrd. Euro pro Jahr investieren (Deutschland: 2,3 Mrd. Euro). Hinzu kommen auch hier die Zusatzkosten für die Bindung und Lagerung der Restemissionen.

„Jede Krise ist auch eine Chance: Wenn Industrie und Politik die aktuelle Energiekrise als Chance ansehen und jetzt entsprechende Maßnahmen einleiten, stehen die Aussichten für eine grüne Industrie-Revolution sehr gut. Die Kohlendioxidemissionen des gesamten Sektors können mit verbesserten Prozessen, nachhaltigen Brennstoffen und Elektrifizierung bis 2050 auf nahezu Null reduziert werden. Erforderlich sind dafür kumulierte Investitionen in Höhe von 2,7 Billionen Euro.“

Allein für Deutschland rechnet Allianz Trade demnach mit einer Investitionssumme von etwa 52,4 Mrd. Euro für „Net Zero“ im verarbeitenden Gewerbe. „Die Dekarbonisierung hat zwar ihren Preis, könnte der hiesigen Industrie aber zu einer deutlich verbesserten Planungssicherheit verhelfen und zeitgleich den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen. In Deutschland sind dafür bis 2050 kumulierte Investitionen von 52,4 Mrd. Euro notwendig, der Löwenanteil in der Eisen- und Stahlindustrie (16,7 Mrd. Euro), in der Zellstoff- und Papierindustrie (16,3 Mrd. Euro) sowie in der Chemiebranche (9,51 Mrd. Euro)“, kommentiert Markus Zimmer, Senior Volkswirt bei Allianz Trade.

„Durch die Investitionen würden die industriellen CO₂-Emissionen in der EU um 265 Mega-Tonnen gesenkt, das entspricht 92 Prozent der aktuellen Emissionen. Um eine Tonne CO₂ pro Jahr zu vermeiden sind also durchschnittlich Investitionen von 790 Euro notwendig. Bei dem aktuellen CO₂-Preis würde sich die Investitionssumme also nach acht Jahren amortisieren“, ergänzt der Ökonom.

Autor: VW-Redaktion

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